Vorerst bleibt die Ronde van Vlaanderen aus Remco Evenepoels Kalender gestrichen. Doch die Vorstellung, er könnte Belgiens größtes Eintagesrennen nie bestreiten, weist sein neuer Chef bei
Red Bull - BORA - hansgrohe klar zurück.
Im Gespräch mit Sporza stellte Teammanager
Sven Vanthourenhout klar, dass die Tür nicht für immer zu ist, auch wenn sie für 2026 fest verschlossen bleibt. „Ich schließe für die Zukunft nichts aus“, sagte er und setzte damit den Ton für ein Gespräch, das ebenso sehr von Geduld wie von Planung handelte.
Diese Botschaft trifft auf flämische Fans, die kurz Hoffnung geschöpft hatten, als Evenepoel kurz vor Neujahr beim Training in den Flämischen Ardennen gesehen wurde. Da der Weltmeister im Zeitfahren nun seine erste Saison bei Red Bull vorbereitet, wird jede Bewegung als Hinweis gelesen, welcher Fahrertyp er in den kommenden Jahren sein will. Die Trainingsbilder sollten jedoch nie eine geheime Frühlingsambition andeuten.
Vanthourenhout erklärte bei Sporza: „Wir waren mit Gianni Vermeersch in den Flämischen Ardennen unterwegs, um Material zu testen. Für uns als Team ist das auch eine Form der Streckenerkundung.“ Zudem sei die Verbindung der beiden Fahrer eher eine Frage der Persönlichkeit als des Rennkalenders: „Gianni bringt eine bestimmte Dynamik ins Team. Er versteht sich auch gut mit Remco, und sie haben sich gesucht. Da war wirklich nichts weiter hineinzulesen.“
Die Realität ist also einfach. Evenepoel wird die Ronde van Vlaanderen 2026 nicht fahren.
Warum Flandern 2026 nicht passt
Sein vorläufiges Programm weist deutlich in eine andere Richtung. Frühe Etappenrennen in Spanien, gefolgt von Katalonien, dann ein selektiver Frühling um Amstel Gold Race und Lüttich–Bastogne–Lüttich, bevor der volle Fokus im weiteren Jahresverlauf auf der Tour de France und den Weltmeisterschaften liegt.
Diese Struktur spiegelt wider, was Evenepoel ausmacht. Ein Fahrer für Etappenrennen, Zeitfahren und selektive Klassiker, nicht für das chaotische, kopfsteingepflasterte Kräftemessen in Flandern. Seit seinem Profi-Debüt feierte er seine größten Erfolge mit weiträumiger Dominanz und Kontrolle in Rundfahrten. Vuelta-Sieger 2022, zweimal Lüttich, Doppel-Gold im Straßenrennen und Zeitfahren bei Olympia 2024, Tour-de-France-Podium beim Debüt und drei WM-Titel im Zeitfahren in Serie. Seine Karriere ist durch Distanz, Rhythmus und Watt geprägt.
Red Bull übernimmt einen Fahrer mit großen Zielen im Juli, nicht einen, der für den April umgebaut wird.
Warum die Flandern-Frage nie verstummt
Vanthourenhout wollte diese Identität dennoch nicht als in Stein gemeißelt darstellen. Mit Blick über diese Saison hinaus sagte er bei Sporza: „Sein Programm ist bekannt, aber ich schließe für die Zukunft nichts aus. Ich spreche nicht von 2026, aber es würde mich überraschen, wenn er in seiner Karriere nie die Ronde van Vlaanderen fährt.“
Diese Aussage ist relevant, weil Evenepoel bereits gezeigt hat, dass er das Bild eines belgischen Champions neu definieren will. Er gewann eine Grand Tour, bevor er ein Monument auf heimischen Straßen bestritt. Er wurde Weltmeister, bevor er je in Flandern startete. Sein Weg folgte nie der Tradition, und genau deshalb bleibt die Frage bestehen.
Aktuell wird Evenepoels Geschichte um Rundfahrten, WM-Titel und lange Soli geschrieben. In Belgien aber bleibt eine Frage stets präsent. Nicht, ob er Flandern gewinnen kann, sondern ob er sich je dafür entscheidet, es zu versuchen.
Nach dem Mann, der seine Karriere bei Red Bull nun prägt, lautet die Antwort nicht nein. Sie lautet schlicht: noch nicht.
Remco Evenepoels Rennprogramm 2026
| Rennen |
| Trofeo Calvià |
| Trofeo Ses Salines |
| Trofeo Serra Tramuntana |
| Trofeo Andratx – Pollença |
| Trofeo Palma |
| Volta a Comunitat Valenciana |
| Volta a Catalunya |
| Amstel Gold Race |
| La Flèche Wallonne |
| Liège-Bastogne-Liège |
| Tour Auvergne – Rhône-Alpes (Critérium du Dauphiné) |
| Tour de France |