Davide Piganzoli hat bei der
Tour de France 2026 einen gelungenen Einstand auf der größten Bühne des Radsports gefeiert. Der Italiener rückte kurzfristig ins Aufgebot von
Visma - Lease a Bike, um
Jonas Vingegaard zu unterstützen, und überzeugte bei seinem Tour-Debüt mit Rang 14 in der Gesamtwertung. Bis zum Sturz des Dänen gehörte der 24-Jährige zudem zu dessen wichtigsten Helfern in den Bergen.
Für Piganzoli war die Tour de France zugleich ein eindrucksvoller Vergleich mit dem Giro d'Italia, den er bereits zum dritten Mal bestritten hatte. Nach seinem Winterwechsel vom ProTeam Polti–VisitMalta erwies sich seine Verpflichtung für Visma - Lease a Bike damit als voller Erfolg.
Tour de France verlangt deutlich mehr als der Giro
Die späte Nominierung bedeutete für Piganzoli einen Sprung ins kalte Wasser. Schnell stellte der Kletterer fest, dass die Tour de France selbst im Vergleich zum Giro d'Italia noch einmal eine andere Dimension besitzt.
Davide Piganzoli überzeugte bei seinem Tour-de-France-Debüt als wichtiger Berghelfer von Jonas Vingegaard und belegte Rang 14 der Gesamtwertung.
Vor allem das durchgehend hohe Tempo und die fehlenden Erholungsphasen machten den Unterschied aus. Während er sich in der ersten Woche noch an das Niveau gewöhnen musste, fand Piganzoli anschließend besser in den Rhythmus. Gegen Ende der Rundfahrt machte sich jedoch die Belastung seiner zweiten Grand Tour der Saison bemerkbar.
„Bei der Tour ist es schwierig, einen ruhigen Moment zu finden“, sagte Piganzoli gegenüber
Bici.pro. „Es gab keinen Tag, an dem wir wirklich ausruhten. Beim Giro gab es Passagen, in denen das Peloton Tempo herausnahm. Hier passierte das so gut wie nie.“
„Bis zum Ende der zweiten Woche war ich wirklich erschöpft. Der letzte Ruhetag hat geholfen und ich begann, mich besser zu fühlen, aber in den letzten beiden Etappen kam die Müdigkeit zurück.“
„Beim Giro blieben fünf Fahrer übrig – hier waren es noch 50“
Obwohl Piganzoli nach seiner gezielten Vorbereitung in Topform zur Tour reiste, stellte er schnell fest, dass seine Leistungen aus dem Giro d'Italia nicht eins zu eins auf die Frankreich-Rundfahrt übertragbar waren.
In Italien hatte er als Berghelfer regelmäßig das Feld auseinandergezogen. Bei der Tour hingegen konnten selbst bei höchstem Tempo noch zahlreiche Fahrer mithalten.
„Ich hatte mich von Jahresbeginn an auf den Giro vorbereitet. Ich wollte dem Team zeigen, dass ich die mir übertragene Aufgabe erfüllen kann.“
„Ich war ziemlich ruhig. Ich wusste, dass ich in guter Verfassung war. Nach den Werten vom Giro dachte ich, ich könnte hier bei den ersten 15 oder 20 bleiben. Beim Giro, wenn ich nach vorne ging und das Tempo bestimmte, blieben vielleicht fünf oder zehn übrig. Hier schaute ich zurück und da waren noch 50. Mental kann das etwas entmutigend sein.“
So wollte Visma - Lease a Bike Pogacar knacken
Auch über die Taktik von Visma - Lease a Bike im Kampf gegen
Tadej Pogacar sprach Piganzoli offen. Bis zum Sturz von Jonas Vingegaard auf der 15. Etappe habe das Team ausschließlich den Gesamtsieg im Blick gehabt.
„Es war schade um Jonas, zumal es auf einer der Etappen passierte, die wir uns markiert hatten. Danach versuchten wir, das Beste aus der Situation zu machen.“
Dabei sei die Mannschaft nie mit dem Ziel gefahren, lediglich den zweiten Platz abzusichern.
„Solange Jonas im Rennen war, sind wir gefahren, um die Tour zu gewinnen. Wir sind nicht auf Platz zwei gefahren.“
Der Plan bestand darin, Pogacar mit einem konstant hohen Tempo unter Druck zu setzen und auf abrupte Rhythmuswechsel zu verzichten.
„Jonas tut sich mit Rhythmuswechseln schwerer, aber bei konstantem Tempo dachten wir, wir könnten etwas bewirken. In Le Markstein, als er sich an die Spitze setzte, wirkte Pogačar weniger brillant als sonst.“