Transfermarkt: UAE stärkt den Block um Pogacar, INEOS drohen Vertragsprobleme und Visma - Lease a Bike könnte Neuzugang an Pidcocks Pinarello verlieren
Radsport
UAE Team Emirates - XRG, Netcompany INEOS, Visma - Lease a Bike, LIDL-Trek und Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team sorgen derzeit für reichlich Bewegung auf dem Transfermarkt. Innerhalb nur einer Woche haben zahlreiche Top-Teams des internationalen Radsports wichtige Schritte unternommen, um ihre Kader mit Blick auf die Saison 2027 und darüber hinaus zu verstärken.
Seit der vergangenen Ausgabe unseres Transfermarkt-Updates hat sich entsprechend einiges getan. Gerade zu dieser Jahreszeit spielt neben Neuverpflichtungen auch der Erhalt bestehender Mannschaftsblöcke eine entscheidende Rolle. UAE Team Emirates - XRG hat in diesem Bereich besonders deutlich gehandelt und gleich eine ganze Reihe von Vertragsverlängerungen auf einmal bekanntgegeben.
UAE bindet gleich sechs Fahrer – LIDL-Trek verlängert mit wichtigem Helfer
Sechs Fahrer, deren Verträge bislang nicht über die laufende Saison hinausgingen, bleiben UAE Team Emirates - XRG erhalten: Domen Novak, Felix Großschartner, Vegard Stake Laengen, Rui Oliveira, Ivo Oliveira und Julius Johansen. Novak sowie die Oliveira-Zwillinge haben sogar bis 2029 verlängert. Damit besitzt das neue Vertragspaket nicht nur für die kommende Saison, sondern auch für die langfristige Kaderplanung des Teams große Bedeutung.
Auch Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team, das in diesem Winter ohnehin bereits intensiv auf dem Transfermarkt tätig ist und bei dem weitere Verpflichtungen erwartet werden, hat mehrere Leistungsträger langfristig gebunden. Frederik Frison, Walter Calzoni, Xabier Mikel Azparren und Marcel Camprubi haben neue Verträge mit Laufzeiten bis 2027 beziehungsweise 2029 unterschrieben. Der spanische Meister Camprubi bleibt dem Team sogar bis 2029 erhalten.
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LIDL-Trek hat derweil den Vertrag mit seinem zuverlässigen Edelhelfer Amanuel Ghebreigzabhier bis 2028 verlängert. Lotto-Intermarche wiederum setzt auch künftig auf den Briten Joshua Giddings und stattete ihn ebenfalls mit einem neuen Vertrag aus.
Neueste Vertragsverlängerungen:
| Datum der Veröffentlichung | Fahrer | Team | Vertragslaufzeit bis |
| 25.09.2026 | STERN Léa | Ma Petite Entreprise | 2027 |
| 24.09.2026 | VAN DEN EIJNDEN Guus | Alpecin-Premier Tech Development Team | 2027 |
| 24.09.2026 | EDWARDS Ruth | Human Powered Health | 2027 |
| 24.09.2026 | FRISON Frederik | Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team | 2027 |
| 24.09.2026 | CALZONI Walter | Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team | 2027 |
| 24.09.2026 | CAMPRUBÍ Marcel | Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team | 2029 |
| 24.09.2026 | AZPARREN Xabier Mikel | Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team | 2028 |
| 24.09.2026 | LEFEVRE Fabrice | Tarteletto - Isorex | 2027 |
| 24.09.2026 | MARCHAND Gianni | Tarteletto - Isorex | 2027 |
| 24.09.2026 | GUILMAN Victorie | Cofidis Women Team | 2027 |
| 24.09.2026 | NOVAK Domen | UAE Team Emirates - XRG | 2029 |
| 24.09.2026 | GROßSCHARTNER Felix | UAE Team Emirates - XRG | 2028 |
| 24.09.2026 | LAENGEN Vegard Stake | UAE Team Emirates - XRG | 2027 |
| 23.09.2026 | ROUDIER Hugo | SCO Dijon Team Matériel-Velo.com | 2027 |
| 23.09.2026 | PICARD Paul | SCO Dijon Team Matériel-Velo.com | 2027 |
| 23.09.2026 | PAULOUIN Gaspard | SCO Dijon Team Matériel-Velo.com | 2027 |
| 23.09.2026 | CHAMPENOIS Tom | SCO Dijon Team Matériel-Velo.com | 2027 |
| 23.09.2026 | BERGAUD Sacha | SCO Dijon Team Matériel-Velo.com | 2027 |
| 23.09.2026 | BRUYERE Lilian | SCO Dijon Team Matériel-Velo.com | 2027 |
| 22.09.2026 | BLAS Blayde | EuroCyclingTrips - CCN | 2027 |
| 22.09.2026 | GHEBREIGZABHIER Amanuel | Lidl - Trek | 2028 |
| 22.09.2026 | OOSTERLINCK Joes | Van Rysel Roubaix | 2027 |
| 22.09.2026 | RAUGEL Antoine | Van Rysel Roubaix | 2027 |
| 22.09.2026 | AVOINE Kévin | Van Rysel Roubaix | 2027 |
| 22.09.2026 | ÅRNES Daniel | Van Rysel Roubaix | 2027 |
| 21.09.2026 | HOWELL Adam | Bourg-en-Bresse Ain Cyclisme | 2027 |
| 21.09.2026 | BITTMAN Adam | Kasper crypto4me | 2027 |
| 21.09.2026 | GIDDINGS Joshua | Lotto Intermarché | 2028 |
| 21.09.2026 | APARICIO Mario | Burgos Burpellet BH | 2027 |

Rui Oliveira bleibt UAE Team Emirates - XRG langfristig erhalten: Der Portugiese hat seinen Vertrag beim Team bis 2029 verlängert.
Tudor und Alpecin schlagen auf dem Transfermarkt zu
Neben den Vertragsverlängerungen haben zahlreiche Mannschaften in den vergangenen Wochen auch Neuzugänge offiziell präsentiert – darunter mehrere prominente Namen. Besonders Alpecin-Premier Tech rückte dabei in den Fokus. Das Team verpflichtet Vincent van Hemelen von Flanders - Baloise und wird Guus van den Eijnden ab 2028 aus dem Development-Team in die WorldTour-Struktur befördern. Zudem kommt mit Felicity Wilson-Haffenden die neue U23-Zeitfahr-Weltmeisterin der Frauen. Hartnäckig hält sich darüber hinaus das Gerücht, dass auch der neue U23-Zeitfahr-Weltmeister der Männer, Ryan Gal, vor einem Wechsel zum Team steht.
Gleichzeitig hat die Mannschaft nicht nur diese Verpflichtungen bestätigt, sondern auch grünes Licht für die Bekanntgabe des Abschieds von Leader Kaden Groves gegeben. Dass der Australier das Team verlassen würde, galt bereits seit Monaten als nahezu sicher – nicht zuletzt, weil bereits neue Sprinter verpflichtet wurden, die seine frei werdende Rolle übernehmen können.
Groves hat beim Tudor Pro Cycling Team unterschrieben. Gleichzeitig gab die Schweizer Mannschaft die Verpflichtung von Nico Denz bekannt, der von Red Bull - BORA - hansgrohe kommt. Damit erhält Tudor ein starkes Paket für Sprints, Frühlingsklassiker und Ausreißergruppen.
Weitere Bewegung gibt es bei LIDL-Trek: Igor Arrieta wechselt von UAE Team Emirates - XRG zum US-Team. Cedric Beullens verlässt Lotto-Intermarche gemeinsam mit seinem derzeitigen Teamkollegen Lennert van Eetvelt. Movistar hat unterdessen zwei spanische Talente aus dem ProTeam-Bereich verpflichtet: Hugo de la Calle und Ivan Cobo.

Kaden Groves verlässt Alpecin-Premier Tech und schließt sich dem Tudor Pro Cycling Team an, das sich mit dem Australier prominent verstärkt.
INEOS droht der nächste Abgang – Carapaz und Skjelmose im Visier
Auch die Gerüchteküche brodelte in der vergangenen Woche kräftig. Daniel Benson, Ciro Scognamiglio, Wielerflits, Het Nieuwsblad und Het Laatste Nieuws zählen dabei zu den Quellen, die regelmäßig über mögliche Transfers und laufende Verhandlungen berichten.
Besonders Netcompany INEOS steht derzeit im Mittelpunkt. Nach Informationen von Benson könnte nach Victor Langellotti bereits der zweite Fahrer innerhalb weniger Monate seinen laufenden Vertrag vorzeitig auflösen. Sam Welsford, der erst im vergangenen Winter einen Zweijahresvertrag beim britischen Team unterschrieben hatte, könnte bereits zur kommenden Saison zu Team Jayco AlUla wechseln. Nach dem bereits bestätigten Abschied von Ben Turner würde die Mannschaft damit erneut ohne Sprinter dastehen.
Gleichzeitig soll Netcompany INEOS seine Bemühungen verstärken, selbst Fahrer aus laufenden Verträgen heraus zu verpflichten. Sowohl Richard Carapaz als auch Mattias Skjelmose, die derzeit bei EF Education-EasyPost beziehungsweise LIDL-Trek unter Vertrag stehen, werden intensiv mit einer vorzeitigen Vertragsauflösung und einem anschließenden Wechsel zu INEOS in Verbindung gebracht. Auch Javier Romo von Movistar könnte trotz seines noch bis 2028 laufenden Vertrags zum nächsten Kandidaten werden.
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Pinarello droht Visma einen Transfer-Coup wegzuschnappen
Auch Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team hat sich zu einem der großen Akteure auf dem Transfermarkt entwickelt und scheint über ausreichend finanzielle Mittel für weitere namhafte Verpflichtungen zu verfügen. Obwohl bereits acht hochkarätige Neuzugänge feststehen, sind nun zwei weitere prominente Namen auf dem Radar des Schweizer Teams aufgetaucht.
Einer davon ist Davide Ballerini. Der Profi des XDS Astana Team, der in diesem Jahr eine Etappe beim Giro d'Italia gewann, wurde in den vergangenen Wochen intensiv mit Visma - Lease a Bike in Verbindung gebracht. Nun könnte dem niederländischen Team allerdings einer seiner angestrebten Transfer-Coups entgehen: Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team scheint zunehmend entschlossen, den italienischen Klassikerspezialisten selbst zu verpflichten.
Doch Ballerini könnte nicht der einzige prominente Italiener bleiben. Berichten zufolge besteht auch die Möglichkeit, dass Giulio Ciccone LIDL-Trek bereits in diesem Winter verlässt – obwohl sein aktueller Vertrag noch bis 2029 läuft. Zunächst galt UAE Team Emirates - XRG als möglicher Interessent, inzwischen sollen jedoch insbesondere zwei andere Mannschaften intensiv um Ciccone werben: Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team und Tudor Pro Cycling Team.
Beide Schweizer ProTeams wollen ihre Kader mit Blick auf 2027 weiter verstärken. Dabei geht es darum, auch künftig Wildcards zu erhalten, die Voraussetzungen für einen möglichen späteren Aufstieg in die WorldTour zu schaffen und einen absoluten Topfahrer in die eigene Mannschaft zu integrieren. Mehrere Teams haben Ciccone im Visier – damit entwickelt sich der Italiener zunehmend zu einer der heißesten Personalien des aktuellen Transfermarkts.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










