Egan Bernal hat in Italien bereits Rosa getragen. Er weiß, was es braucht, um den Giro d’Italia zu gewinnen. Doch mit Blick auf 2026 stellt der Ex-Sieger eines klar: Frühere Triumphe bringen ihn nicht als geschützten Kapitän zurück an den Start.
Bernal peilt Giro-Comeback an – warum Form stärker als Ruf zählt
Bernal hat betont, dass sein Ziel eine Rückkehr zum Giro d’Italia als zentrale Figur in den Plänen der
INEOS Grenadiers ist. Gleichzeitig macht er unmissverständlich klar, dass ihm nichts geschenkt wird. Die Nominierung, sagt er, hängt ausschließlich von der Form ab.
„Grundsätzlich würde ich gerne den Giro d’Italia fahren, aber wir müssen Rennen für Rennen, Tag für Tag denken. Zum Giro nehmen sie die stärksten Fahrer mit, und diesen Platz muss man sich verdienen. Man muss da sein“,
sagte Bernal im Gespräch mit RCN.Für einen Fahrer, der den Giro bereits gewonnen hat, ist das ein bemerkenswerter Standpunkt. Er zeigt, wie Bernal die nächste Phase seiner Karriere sieht: nicht als jemand, der vom Ruf lebt, sondern als einer, der sich erneut beweisen will.
Sein Ziel liegt auf der Hand. Das Maglia Rosa bleibt eines der prägenden Symbole seiner Laufbahn. Der Sieg stellte ihn in eine Reihe mit den Größten des kolumbianischen Radsports und bestätigte ihn als herausragenden Etappenfahrer seiner Generation. Jahre später geht es im Kampf um die Rückkehr in diese Arena ebenso darum, Vertrauen im eigenen Team zu gewinnen wie Rivalen aus anderen Mannschaften zu schlagen.
Rennen für Rennen, nicht nach Reputation
Bernals Ansatz für 2026 ist bewusst vorsichtig. Keine großen Ankündigungen über garantierte Führungsrollen oder fixen Grand-Tour-Status. Stattdessen versteht er die Saison als Prüfung, die er Schritt für Schritt bestehen muss.
„Man muss mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben, sehr hart arbeiten. Im Moment liegt mein Fokus auf den Nationals, dann geht es nach Europa, um Rennen für Rennen zu fahren. Das Team schmiedet viele Pläne, aber man weiß: Es geht Tag für Tag“, fügte er an.
Diese Haltung zählt in einem Team wie
INEOS Grenadiers, in dem der Konkurrenzkampf um Grand-Tour-Rollen konstant ist und die Kaderbreite zum Selbstverständnis gehört. Bernal fordert keine Sonderbehandlung. Er stellt sich dem gleichen Wettstreit wie alle anderen.
Der unmittelbare Fokus ist klar. Zuerst stehen die nationalen Meisterschaften an. Danach kehrt Bernal nach Europa zurück, wo INEOS ihn in den Frühjahrsrennen einsetzen will. Erwartet wird sein Start bei der Volta ao Algarve im Februar, mit der Option auf einige Ardennen-Klassiker im späteren Frühjahr.
Diese Rennen sind nicht nur Vorbereitung. Es sind Bewährungsproben.
Jeder Klettertest, jedes Zeitfahren, jede Etappe, in der die Beine wirklich Antworten liefern müssen, zahlt auf eine große Entscheidung ein: Ist Bernal stark genug, um als zentrale Figur in die Giro-Pläne des Teams zurückzukehren?
Für einen früheren Giro-Sieger mag das ungewöhnlich klingen. Für Bernal ist es genau der Platz, an dem er stehen will. Nicht geschützt durch Historie. Nicht abgeschirmt durch Reputation. Sondern einfach ein Fahrer, der zu den „Stärksten“ gehören will, wenn entschieden wird, wer erneut in Rosa jagt.