Modern Adventure Pro Cycling erhält keinen sanften Einstieg ins Oberhaus. Noch bevor das neue US-Team in seiner ersten Saison einen Meter im Rennbetrieb zurückgelegt hat, wird es direkt in eine der härtesten Arenen des Sports geworfen – mit der Bestätigung ihrer
ersten WorldTour-Einladung zur Volta a Catalunya 2026.
Modern Adventure debütiert bei der Volta a Catalunya – warum das jetzt zählt
Das bedeutet, George Hincapies Projekt gibt sein WorldTour-Debüt bei einer der ältesten und anspruchsvollsten Rundfahrten im Kalender – und das alles andere als leise.
Die Ausgabe 2026, vom 23. bis 29.03., soll bereits
Jonas Vingegaard und
Remco Evenepoel an den Start bringen – Modern Adventures erster Kontakt mit der Elite wird damit zum Härtetest.
Für ein Team, das gerade erst in die Profi-Ränge aufsteigt, gibt es kein langsames Herantasten. Katalonien zieht regelmäßig die größten Grand-Tour-Anwärter an, mit langen Anstiegen, aggressivem Racing und wenig Platz zum Verstecken. Für Modern Adventure ist die Einladung zugleich Lohn für den Anspruch hinter dem Projekt und ein früher, großer Prüfstein für den tatsächlichen Leistungsstand.
Eine Wildcard, die alles verändert
Modern Adventure wird als eines von sechs ProTeams am Start stehen. Pinarello-Q36.5 qualifizierte sich automatisch über die Rangliste 2025 und wird von Tom Pidcock angeführt, während die weiteren Wildcards an Burgos-Burpellet-BH, Caja Rural-Seguros RGA, Equipo Kern Pharma und Euskaltel-Euskadi gingen.
Der letzte Wildcard-Platz wurde erst frei, nachdem Picnic-PostNL entschieden hatte, die Volta a Catalunya nicht zu fahren. Nach den für 2026 angepassten Regularien dürfen WorldTour-Teams pro Saison nur noch ein WorldTour-Rennen auslassen, und sie dürfen nicht zweimal hintereinander dasselbe Rennen skippen. Picnic-PostNL nutzte diese Option für Katalonien und öffnete damit die Tür für ein zusätzliches ProTeam.
Modern Adventure profitierten davon – und das Timing könnte markanter kaum sein. Statt einer unauffälligen ersten Saison mit Fokus aufs Lernen stehen sie nun direkt auf einer WorldTour-Startliste voller Grand-Tour-Sieger und Olympiasieger.
Vom Konzept zur WorldTour in Rekordzeit
Die Geschwindigkeit dieses Aufstiegs macht die Geschichte so ungewöhnlich. Modern Adventure wurde nicht als Nostalgieprojekt aufgebaut, sondern als langfristiger Versuch, die US-Präsenz im europäischen Straßenradsport wieder zu stärken. Doch selbst mit dieser Ambition hätten nur wenige so früh eine WorldTour-Einladung erwartet.
Für
George Hincapie liegt die Bedeutung auf der Hand. Sein Team wird nun nicht mehr an anderen ProTeams gemessen, sondern direkt an der Elite des Sports. Vingegaard und Evenepoel in den Bergen Kataloniens zu begegnen, ist nicht nur ein symbolischer Schritt. Es ist ein klares Signal, dass Modern Adventure von Rennorganisatoren ernst genommen wird.
Sportlich bleiben die Erwartungen realistisch. Es geht nicht darum, Katalonien zu gewinnen. Es geht darum, zu lernen, wie eine junge Mannschaft funktioniert, wenn das Tempo nie nachlässt, jede Position zählt und Fehler sofort bestraft werden. Wie sie in diesem Umfeld bestehen, sagt mehr aus als jedes Einzelergebnis.
Warum Katalonien so viel zählt
Die Volta a Catalunya ist kein freundliches Rennen für Neulinge. Sie ist eine der ältesten Rundfahrten im Kalender und dient Top-Fahrern seit Langem als wichtiger Formtest vor dem Frühjahr und den Grand Tours. Das Terrain selektiert, das Rennen wird oft früh offensiv gefahren, und die Startliste ist traditionell stark.
Für Modern Adventure bedeutet das, dass ihre erste WorldTour-Erfahrung genau zeigt, wie bereit sie für das Niveau sind, das sie langfristig erreichen wollen. Es gibt den Fahrern zudem die Chance zu beweisen, dass sie in Rennen mit minimalen Abständen und konstantem Druck hingehören.
Es sendet auch eine breitere Botschaft. Hier debütiert nicht nur ein Team. Ein amerikanisches Projekt kehrt auf die größte Bühne Europas zurück – mit einem Gründer, dessen Name im Sport weiterhin Gewicht hat. Der direkte Einsatz gegen Vingegaard und Evenepoel stellt sicher, dass die Augen der Radsportwelt hinschauen.
Ob sie aufblühen oder kämpfen müssen – ignoriert wird Modern Adventure nicht. Ihr erstes WorldTour-Antreten wird weder leise noch bequem. Doch für ein Team, das auf Ambition gebaut ist, könnte der Sprung ins kalte Wasser genau der Punkt sein.