„Ich habe noch 60 Renntage … Ich würde liebend gern Eintagesrennen wie Tadej gewinnen, aber derzeit ist das nicht möglich“ – Jonas Vingegaard kontert Kritik am Vier-Rennen-Kalender 2026

Radsport
Sonntag, 18 Januar 2026 um 13:30
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Jonas Vingegaard hat die Kritik gehört. Zu wenige Rennen. Zu wenig Sichtbarkeit. Zu viel Fokus auf nur zwei Grand Tours.
Seine Antwort ist schlicht: Der Kalender mag auf dem Papier leicht wirken, die Arbeitslast ist es nicht.
In einem jüngsten Interview mit Wielerflits wehrte sich der Däne entschieden gegen die These, sein Programm 2026 sei ein Rückzug aus dem Wettbewerb. „Ich werde trotzdem etwa 60 Renntage haben“, sagte er und betonte, dass weniger Events nicht weniger Rennen bedeuten.
Die Struktur seiner Saison kreist um ein übergeordnetes Ziel. Er will die Tour de France wieder gewinnen. Und 2026 führt dieser Anspruch nun auch durch Italien.

Warum der Kalender klein wirkt

Vingegaards bestätigtes Programm umfasst nur vier Blöcke: UAE Tour, Volta a Catalunya, Giro d’Italia und Tour de France, der Plan nach der Tour wird später festgelegt.
Das sorgt für Kommentare von Fans und Experten, die die größten Namen häufiger gegeneinander sehen wollen. Vingegaard versteht das, stellt aber die Leistung nach vorn. „Wenn du im Frühjahr zu viel machst, zahlst du dafür bei der Tour“, erklärte er. Mit dem Giro-Tour-Doppel in seinem Plan sei ein leichteres Frühjahr nicht optional, sondern nötig, wenn er im Juli um Gelb kämpfen will.
Diese Logik prägt alles für 2026. Sein Giro-Debüt ist kein Nebenprojekt. Es ist Teil seines Tour-Aufbaus, ein anderer Weg zum selben Ziel.

Eintagesrennen und der Vergleich mit Pogacar

Ein weiterer Teil der Debatte betrifft das, was Vingegaard nicht fährt.
Während Tadej Pogacar tief in den Eintageskalender einsteigt und auf Monumente zielt, hält sich Vingegaard fern. Den Kontrast verschweigt er nicht. „Ich würde liebend gern Eintagesrennen wie Tadej gewinnen, aber momentan ist das nicht möglich“, gab er zu. Er habe noch nicht den richtigen Weg gefunden, sich auf diese Rennen vorzubereiten, auch wenn er sie gern schaut und Pogacars Ansatz respektiert.
Für Vingegaard ist das keine Grundsatzfrage, sondern eine praktische. Das Niveau im modernen Radsport sei so hoch, dass „du dich für jedes Rennen zu 100 Prozent vorbereiten musst“, und zu breite Fokussierung schwäche das eine Ziel, das seine Saison definiert.

Burnout, Druck und moderner Radsport

Das Gespräch streifte auch ein größeres Thema im Peloton.
Mit Blick auf jüngste Rücktritte und Burnout-Diskussionen erkannte Vingegaard die mentale und körperliche Last des Spitzensports an. „Manchmal ist es zu hart“, sagte er und ergänzte, dass ständige Reisen und Druck überwältigend werden können.
Er regte an, der Sport müsse individueller denken, weil Fahrer unterschiedlich auf das Leben unterwegs reagieren. „Manche kommen gut damit klar, oft weg zu sein, für andere ist es sehr hart“, sagte er.
Dieses Denken fließt auch in seine eigenen Kalenderentscheidungen ein. Das Ziel ist nicht, weniger zu fahren, sondern so zu fahren, dass er dann performt, wenn es am meisten zählt.
Jonas Vingegaard im Roten Trikot bei der Vuelta a España
Nach dem Sieg bei der Vuelta 2025 fehlt Vingegaard nur noch der Giro, um den Satz an Grand-Tour-Siegen zu vervollständigen

Erst der Giro, die Tour bleibt das Maß

2026 jagt Vingegaard etwas, das er noch nie erreicht hat: den Sieg beim Giro d’Italia.
Dieses Ziel steht für sich. Es würde ihm Siege in allen drei Grand Tours einbringen. Im eigenen Lager gilt der Giro jedoch auch als Teil der Tour-Vorbereitung, nicht als Ersatz.
Vingegaard machte das deutlich, als er erklärte, warum sein Frühjahr leichter sein müsse. Die Kombination aus Giro und Tour bedeutet, dass jede Entscheidung vor Mai mehr Gewicht hat als je zuvor. Nach der Tour, sagt er, werde die Saison neu bewertet. „Nach der Tour schauen wir, wie ich mich fühle, und entscheiden dann, ob die Saison vorbei ist oder ob wir noch ein paar Rennen planen.“
Der Kalender mag kurz wirken, beiläufig ist er nicht. Er ist kalkuliert.
Vier Rennblöcke. Rund 60 Renntage. Ein zentrales Ziel.
Vingegaard zieht sich nicht aus dem Wettbewerb zurück. Er setzt darauf, dass weniger – präziser – die einzige Chance ist, jene Fahrer zu schlagen, mit denen er verglichen wird.
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