Das Simon-Yates-Dilemma: Visma sucht Berichten zufolge nach überraschendem Rücktritt fieberhaft Ersatz für den Giro-Sieger

Radsport
Dienstag, 13 Januar 2026 um 14:00
yates
Simon Yates hinterließ bei Team Visma | Lease a Bike nicht nur eine Lücke im Kader. Er tat es zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.
Als Visma Yates’ sofortigen Rücktritt bestätigte, wurde es als Abschluss einer letzten Saison gerahmt, die den Giro d’Italia und einen Tour-de-France-Etappensieg brachte. Hinter dem offiziellen Ton verbirgt sich jedoch ein praktisches Problem durch das Timing.
Laut Quellen von Wielerflits traf die Mannschaft die Plötzlichkeit der Entscheidung unvorbereitet, und sie wägt nun im Januar noch immer ab, wie die offene Kaderstelle genutzt werden soll. Kurz gesagt: Das ist keine ruhige, geplante Transition. Es ist Reaktion.

Eine späte Entscheidung mit frühen Folgen

Dieses Gefühl von Schadensbegrenzung spiegelt die bereits öffentlich geäußerte Kritik. Der dänische Analyst Emil Axelgaard sagte, Visma habe „Grund, unzufrieden zu sein“ mit dem späten Zeitpunkt von Yates’ Rücktritt.
Yates hatte einen Vertrag bis Ende 2026. Er nahm am Dezember-Trainingslager teil, war im Trikot-Launch-Material zu sehen und bei der Giro-Streckenpräsentation als Titelverteidiger dabei. Sein Rennprogramm für die kommende Saison war bereits festgezurrt.
Wielerflits berichtet, dass die finale Entscheidung erst in der Weihnachtszeit fiel, als Yates spürte, dass er sich nicht mehr vollständig für eine weitere Saison aufladen konnte. Dieser Punkt ist entscheidend. Er bedeutet, dass Visma noch mit ihm plante, als das Reaktionsfenster schon zu war.

Warum das so schwer zu lösen ist

Selbst mit vorhandenem Budget zählt das Timing mehr als das Geld. Zu diesem Zeitpunkt im Winter sind die meisten Fahrer von Yates’ Kaliber vertraglich gebunden und fest in die Pläne ihrer Teams integriert. Einen vergleichbaren Profi Mitte Januar zu verpflichten, gilt als nahezu unmöglich. Jeder Versuch, einen Vertrag herauszukaufen, wäre teuer, unsicher und politisch heikel.
Genau darauf zielte Axelgaard, als er sagte, das späte Timing lasse Visma kaum Möglichkeiten, adäquat zu reagieren. Der Markt ist für diesen Moment schlicht nicht gemacht.
Das Problem ist also nicht nur, dass Yates weg ist. Es ist, dass er zu einem Zeitpunkt gegangen ist, an dem saubere Lösungen nicht mehr existieren.

Was „Ersatz“ jetzt wirklich bedeutet

Yates eins zu eins zu ersetzen, ist weitgehend theoretisch. Die in Berichten gehandelten Namen reichen von Fahrern, deren beste Jahre vorbei sind, bis zu Kletterern, die sich auf Topniveau erst noch etablieren müssen. Manche sind verfügbar, gerade weil ihre jüngsten Ergebnisse neue Verträge nicht rechtfertigten. Andere würden Visma zwingen, Rollen und Erwartungshaltungen teamweit neu zu ordnen.
Ein in den Berichten zitierter Fahrer, Antoine Huby, brachte diesen Markt auf den Punkt. Er sagte, er trainiere weiter, als hätte er bereits einen Vertrag, um bereit zu sein, falls ein Team anruft. Das ist nicht der Markt, in dem man üblicherweise Grand-Tour-Sieger findet.
Jeder Schritt jetzt wäre weniger die Suche nach „dem nächsten Yates“ und mehr die Suche nach jemandem, der eine geschwächte Struktur funktionsfähig hält.

Nach innen statt nach außen blicken

Deshalb ist die realistischste Antwort eher intern als extern.
Visma hat schon mit ähnlicher Kadergröße gearbeitet und kann in manchen Rennen Fahrer aus dem Development-Team einsetzen. Profis im bestehenden System dürften in der Hierarchie aufrücken, statt dass ein einzelner Neuzugang als Leader nachrückt.
Das bildet Yates’ Beitrag nicht ab. Aber es könnte Visma stabilisieren, ohne eine schlechte Entscheidung zu erzwingen, nur um Aktivität zu signalisieren.
Es passt auch zum größeren Bild dieses Winters. Visma sprach eher über Struktur und Planung als über Revolution. Yates war Teil dieser Struktur. Sein Rücktritt zwingt das Team, sie zu biegen statt sie sauber neu aufzubauen.

Vom persönlichen Ende zum Teamproblem

Für Yates liefert das Timing etwas Seltenes. Er geht auf dem Höhepunkt, mit einem Giro und einer Tour-Etappe in seiner letzten Saison.
Für Visma schafft dasselbe Timing genau das Szenario, vor dem Axelgaard gewarnt hat. Eine Entscheidung, die persönlich verständlich sein mag, kollektiv aber schadet, weil sie zu spät kam.
Laut Wielerflits wägt das Team nun weiterhin ab, statt einen Ersatz zu verkünden. Das allein sagt genug.
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