Mit fünf Tour-de-France-Siegen in den vergangenen sechs Jahren hat sich
Tadej Pogacar endgültig einen Platz unter den größten Fahrern der Radsportgeschichte gesichert. Mit gerade einmal 27 Jahren steht der Slowene nun auf einer Stufe mit Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain – den bislang einzigen Fahrern, die die Frankreich-Rundfahrt fünfmal gewinnen konnten. Doch bei UAE Team Emirates-XRG glaubt niemand, dass Pogacars Erfolgsgeschichte damit ihren Höhepunkt erreicht hat.
Vor allem Joxean Fernández Matxin, der langjährige Sportdirektor des Teams, ist überzeugt, dass sein Kapitän schon bald Geschichte schreiben könnte. In einem Interview mit
Diario AS machte der Baske deutlich, dass er Pogacar sogar den alleinigen Rekord zutraut.
Matxin traut Pogacar den historischen Rekord zu
„Wenn jemand sechs Touren gewinnen kann, dann Pogacar“, sagte Matxin und machte damit deutlich, dass ein sechster Triumph bei der
Tour de France aus seiner Sicht keineswegs unrealistisch ist.
Tadej Pogacar könnte nach Einschätzung seines Sportdirektors Joxean Fernández Matxin schon bald alleiniger Rekordsieger der Tour de France werden.
Mit dieser Einschätzung rückt auch die historische Dimension in den Fokus. Rein sportlich hält
Lance Armstrong zwar sieben Tour-de-France-Siege in Serie zwischen 1999 und 2005, doch sämtliche Titel wurden ihm aufgrund seines systematischen Dopings aberkannt.
Damit liegt der offizielle Rekord weiterhin bei fünf Erfolgen, die Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault, Miguel Indurain und inzwischen auch Pogacar gemeinsam halten. Der Slowene könnte nun als erster Fahrer der modernen Radsportgeschichte diese Bestmarke auf sportlich einwandfreie Weise übertreffen.
Seine außergewöhnliche Dominanz erklärt sich dabei nicht ausschließlich durch seine körperlichen Fähigkeiten. Hinter den Erfolgen steht eine Mannschaft, die über Jahre gezielt aufgebaut wurde – und deren Architekt Matxin ist.
Warum UAE Team Emirates-XRG so erfolgreich ist
Der Spanier sieht den Schlüssel des Erfolgs nicht allein in der Qualität der Fahrer, sondern vor allem im Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft.
Matxin hat bei UAE Team Emirates-XRG eine Struktur geschaffen, die weit über das Sammeln der größten Talente hinausgeht. Vertrauen, enge Kommunikation und ein familiäres Miteinander gehören für ihn zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. Nicht ohne Grund haben sich unter seiner Führung zahlreiche Ausnahmetalente zu Weltklassefahrern entwickelt.
„Die menschliche Qualität der Leute, die Verbindung und die familiäre Atmosphäre“ seien für ihn die größte Stärke des Teams, erklärte Matxin. Besonders beeindruckt habe ihn eine Szene während der Tour de France, als das Teamfahrzeug nach einem Zwischenfall mit Einer Rubio abrupt abbremsen musste. Statt sich auf das Rennen zu konzentrieren, habe Pogacar sofort nach seinem Sportdirektor gesehen – eine Geste, die ihn nachhaltig bewegt habe.
Auch deshalb überraschte es Matxin nicht, dass Pogacar während der Tour selbst als Helfer für Isaac del Toro arbeitete, um dessen Chancen auf einen Podestplatz in der Gesamtwertung zu unterstützen.
„Das ist das Schönste. Die Umarmungen, die Zuneigung“, fasste der Sportdirektor den Teamgeist zusammen.
Talente bleiben das Fundament des Projekts
Neben seiner Rolle als Sportdirektor gilt Matxin seit Jahren als einer der erfolgreichsten Talentscouts im Peloton. Er erinnerte daran, dass sowohl Tadej Pogacar als auch Remco Evenepoel und Isaac del Toro schon lange vor ihrem Durchbruch auf seiner Liste standen.
Auch heute beobachte er zahlreiche junge Fahrer und stehe regelmäßig mit ihnen in Kontakt, um ihre Entwicklung aufmerksam zu verfolgen.
Währenddessen könnte Pogacar im Jahr 2026 noch ein weiteres großes Ziel in Angriff nehmen. Zwar hat UAE Team Emirates-XRG sein Rennprogramm bislang nicht offiziell bekannt gegeben, mehrere Fachmedien berichten jedoch, dass der Slowene bei der kommenden Vuelta a España starten soll.
Sollte sich das bestätigen, würde Pogacar eines der wenigen großen Rennen ins Visier nehmen, das in seinem ohnehin außergewöhnlichen Palmares bislang noch fehlt.
Für Matxin reicht der Blick jedoch weit über einzelne Siege hinaus.
„Es bleiben viele Träume und viel Arbeit“, sagte er gegenüber Diario AS.
Ein Satz, der die Philosophie von UAE Team Emirates-XRG treffend beschreibt. Das Team will sich nicht auf den bisherigen Erfolgen ausruhen, sondern arbeitet bereits daran, eine Ära fortzusetzen, die zu den bedeutendsten der Radsportgeschichte werden könnte.
Bleibt Pogacar auf seinem aktuellen Leistungsniveau und setzt UAE Team Emirates-XRG seinen eingeschlagenen Weg fort, scheint ein sechster Tour-de-France-Sieg durchaus realistisch. Und vielleicht könnte der Slowene eines Tages sogar den alleinigen Rekordhalter stellen – mit einer Bestmarke, die ausschließlich auf sportlichen Leistungen beruht.