Team Visma | Lease a Bike geht mit mehr Fragezeichen als seit Jahren in die Saison 2026.
Der überraschende Rücktritt von Simon Yates hat einen bewiesenen Grand-Tour-Sieger aus den Planungen gerissen und spät eine unerwartete Lücke in eine zuvor sorgfältig aufgebaute Struktur gerissen.
Gleichzeitig hat sich das Umfeld verschoben. UAE wirkt noch stärker,
Red Bull - BORA - hansgrohe hat weiter aufgerüstet, und Lidl–Trek sammelt Punkte und Breite. Vor diesem Hintergrund war Vismas Winter weniger von Neuzugängen als von internen Rochaden geprägt.
Diese Mischung führte zu pointierter Analyse in der jüngsten Ausgabe des
Eurosport-Podcasts Kop over Kop. Dort wurden nicht nur Yates’ Abgang, sondern auch Zweifel geäußert, ob Visma genug getan hat, um nicht zurückzufallen, während die Konkurrenz vorwärtsdrängt.
Yates’ Abschied schafft ein Spätjahresproblem
Als das Podcast-Panel die Liste der Abgänge durchging, war das Ausmaß des Wandels unübersehbar. Neben Yates gehören Fahrer wie
Dylan van Baarle,
Attila Valter,
Cian Uijtdebroeks und
Olav Kooij nicht mehr zum Projekt.
„Es ist immer noch ein starkes Team, aber sie sind nicht stärker geworden“, sagte Jeroen Vanbelleghem bei Kop over Kop und verwies direkt auf das Timing von Yates’ Entscheidung. „Wie willst du
Simon Yates so spät ersetzen? Es ist schon Januar.“
Diese Verspätung ist entscheidend. Visma hatte die Grand-Tour-Pläne 2026 bereits um
Jonas Vingegaard herum gebaut. Yates war nicht mehr als Co-Kapitän vorgesehen, sollte aber weiterhin eine zentrale Stütze sein. Sein Rücktritt nahm dieses Sicherheitsnetz weg, ohne dem Team reale Zeit für externe Reaktionen zu lassen.
Vanbelleghem glaubt, dass Visma nach internen Lösungen suchen wird, und ergänzte: „Es könnte sein, dass
Ben Tulett eine größere Rolle bekommt.“ Doch auch das unterstreicht das Risiko. Beförderung von innen ist eine Notwendigkeit, kein Luxus.
Anzeichen von Burnout kaum zu übersehen
Auch die Umstände von Yates’ Ausstieg standen im Fokus. Bobbie Traksel scheute nicht vor einer tieferen Diagnose zurück, nannte die Situation „sehr schmerzhaft“ und fügte hinzu: „Er ist komplett durch. Er hat sogar alle radbezogenen Accounts in den sozialen Medien blockiert. Das passt für mich zu einem Burnout.“
Verwunderung löste aus, wie abrupt das Ende kam. Vanbelleghem fragte, warum Yates zuletzt noch öffentlich in Visma-Farben aufgetreten sei und Giro-bezogene Termine wahrgenommen habe, während Jan Hermsen anmerkte, Yates habe selbst den Wunsch geäußert, seinen Titel zu verteidigen, auch wenn das Team es noch nicht bestätigt hatte.
„Das liegt wohl daran, dass Jonas Vingegaard fährt“, spekulierte Vanbelleghem, und stellte die Frage, ob das überhaupt ein Problem sein müsse. Hermsens Antwort fiel klar aus: „Das muss sich nicht beißen.“
In Summe entsteht das Bild keiner geplanten Übergabe, sondern eines späten Bruchs, der Visma in Bereichen exponiert, in denen Stabilität lange ihre Stärke war.
Druck von allen Seiten
Über die Grand Tours hinaus beleuchtete das Panel auch Vismas Position in der WorldTour-Hierarchie. Vanbelleghem warnte, dass der zweite Platz in der UCI-Rangliste hinter UAE nicht mehr sicher sei.
„Sie bekommen ernsthafte Konkurrenz“, sagte er. „Lidl–Trek wird ihnen wehtun, zumal sie jetzt Juan Ayuso als echten Punktesammler haben. Und Visma hat Kooij nicht mehr.“
Matthew Brennan wurde als mögliche Teilantwort genannt, allerdings eher als Ausgleich denn als Fortschritt. Traksel ergänzte, dass Red Bull, verstärkt durch Remco Evenepoel, ebenfalls schnell näherkommt.
Der Tenor war eindeutig. Visma bricht nicht ein, aber die Abstände, die sie zuvor vom Verfolgerfeld trennten, schrumpfen.
Immer noch stark, aber nicht mehr unantastbar
Keiner der Kop over Kop-Gäste prognostizierte einen Absturz von Visma. Das Team kreist weiterhin um einen der verlässlichsten Grand-Tour-Kapitäne des Pelotons, und die interne Struktur zählt weiterhin zu den besten im Radsport.
Doch der Ton markierte einen Wandel. Erstmals seit Jahren wird Visma weniger als Maßstab analysiert, sondern als Team, das seinen Platz verteidigen muss.
Wie die Experten betonten, könnte 2026 weniger davon geprägt sein, ob Visma UAE einholen kann, sondern ob sie das schnell näherkommende Feld hinter sich halten.