„Wenn Tadej Pogacar Amerikaner oder Brite wäre …“ – Fabian Cancellara über den unterschätzten Einfluss des Slowenen

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 06 März 2026 um 11:30
Fabian Cancellara and Tadej Pogacar
Nur wenige Fahrer im modernen Radsport ziehen so viel Aufmerksamkeit auf sich wie Tadej Pogacar. Monument-Siege, Grand-Tour-Erfolge und sein unermüdlicher Angriffsdrang machen den Slowenen zu einem der prägendsten Athleten seiner Generation.
Nach Ansicht von Fabian Cancellara reicht Pogacars Einfluss sogar über den engen Kreis der eingefleischten Fans hinaus - auch wenn dieser Effekt außerhalb des Kernpublikums noch nicht vollständig erkannt wird. „Pogacar hat den Radsport wachsen lassen und auf ein anderes Niveau gehoben, vor allem global“, sagte die Schweizer Legende im Gespräch mit Sporza. „Wäre er Amerikaner oder Brite, wäre sein Einfluss noch größer.“

Pogacars Einfluss auf den globalen Radsport

Für Cancellara hat Pogacars Aufstieg den Radsport in eine neue Phase globaler Sichtbarkeit geführt. Der Chef von Tudor Pro Cycling glaubt jedoch, dass die Herkunft eines Fahrers eine wichtige Rolle dabei spielt, wie breit sein Einfluss wahrgenommen wird. „Dass er derzeit der beste Fahrer ist, steht außer Frage“, erklärte er. „Aber ich vergleiche ihn nicht mit Fahrern wie Eddy Merckx. Das ist eine andere Ära.“
Fabian Cancellara überreicht Tadej Pogacar vor Strade Bianche 2026 eine Ehrung 
Fabian Cancellara überreicht Tadej Pogacar vor Strade Bianche 2026 eine Ehrung 
Cancellara sprach außerdem über ein auffälliges Detail in Pogacars Saison 2026 - einen deutlich reduzierten Rennkalender im Vergleich zu den vergangenen Jahren. „Pogacar fährt dieses Jahr auch deutlich weniger Rennen. Ich bin gespannt auf diesen Ansatz. Solange er motiviert ist und Spaß am Radfahren hat, ist alles gut.“

Ein Rekord in Reichweite bei Strade Bianche

Die Diskussion über Pogacars Stellenwert fällt in eine Woche, in der der Slowene bei Strade Bianche erneut vor einem möglichen historischen Moment steht.
Aktuell teilt sich Pogacar den Rekord von drei Siegen mit Cancellara selbst. Der Schweizer dominierte die frühen Ausgaben des toskanischen Schotterklassikers in den Jahren 2008, 2012 und 2016. Pogacar zog mit Erfolgen 2022, 2024 und 2025 gleich. Ein weiterer Triumph würde ihn zum alleinigen Rekordsieger machen.
Beide Fahrer haben dem Rennen ihren Stempel aufgedrückt. Pogacar wurde kürzlich mit einem nach ihm benannten Schottersektor am Anstieg Colle Pinzuto geehrt. Der berühmte Abschnitt Monte Sante Marie trägt dagegen schon seit Jahren den Namen von Cancellara.
„So etwas ist eine Ehre, etwas ganz Besonderes“, sagte Cancellara. „Das ist noch ein recht junges Rennen, vor allem in der Zeit, als ich gewonnen habe. Wenn man sieht, wie stark das Interesse inzwischen gewachsen ist, fühlt sich diese Geste noch spezieller an. Das ist ein Teil der Geschichte unseres Sports. Großartig.“
Cancellara rechnet damit, dass Pogacar in der Toskana erneut zu den klaren Favoriten gehören wird. „Auf dem Papier ist es ziemlich deutlich, aber gefahren werden muss das Rennen trotzdem.“
Sollte der Slowene am Wochenende tatsächlich den Rekord brechen, hätte der Schweizer damit kein Problem. „Wenn Tadej gewinnt, habe ich damit überhaupt kein Problem. Es ist eine Ehre, diesen Titel mit ihm zu teilen. Aber wenn jemand von Tudor gewinnt, freue ich mich noch mehr“, sagte er mit einem Lächeln.

Der Rivale, der nicht am Start steht

Während Pogacars Jagd nach einem vierten Sieg bei Strade Bianche die Vorschau bestimmt, fehlt einer der explosivsten Fahrer dieses Rennens erneut am Start in der Toskana.
Mathieu van der Poel, Sieger der Ausgabe 2021 nach einem spektakulären späten Angriff auf dem Weg nach Siena, hat Strade Bianche erneut nicht in sein Frühjahrsprogramm aufgenommen.
Seine Abwesenheit hat eine Diskussion ausgelöst, ob das Rennen für Fahrer mit Fokus auf die Kopfsteinpflaster-Klassiker inzwischen zu anspruchsvoll geworden ist. Sein Team argumentierte zuletzt, dass das zunehmend schwierige Profil mit mehr Höhenmetern und längeren Schotteranstiegen den Charakter des Rennens verändert habe.
Cancellara sieht die Situation allerdings anders.
„Ist Strade zu hart geworden? Jein“, sagte er. „Die Strade ist anspruchsvoller geworden, aber ich bin überzeugt, dass Van der Poel hier eine Chance hätte.“
Für den Schweizer liegt die Erklärung eher in der Saisonplanung als im Streckenprofil. „Dieses Rennen passte vielleicht schlicht nicht in seine Planung. Das muss niemand bewerten.“
So rückt Pogacar erneut ins Zentrum der Geschichte, wenn das Peloton über die weißen Straßen der Toskana rollt - auf der Jagd nach dem Sieg und nach einem alleinigen Platz in der Historie eines der markantesten Rennen im Radsportkalender.
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