„Meine Herzfrequenz springt beim Gang in die Garage auf etwa 110 Schläge/min“: Q36.5-Fahrer absolvieren ein exklusives Höhentrainingslager in Chile

Radsport
Freitag, 23 Januar 2026 um 7:00
pidcock
Pinarello Q36.5 Pro Cycling hat seine Saisonvorbereitung unkonventionell angelegt. Während viele Rivalen in Spaniens Sonne Kilometer sammeln, reiste eine kompakte Siebenergruppe um Tom Pidcock einmal um die Welt ins für den Radsport exotische Chile. In Südamerika ist Hochsommer, die Temperaturen sind entsprechend tropisch.
„Selbst auf 2.700 Metern hat es um acht Uhr morgens schon über zwanzig Grad“, beschreibt Xandro Meurisse die Unterkunft der Gruppe gegenüber HLN. „Unten im Tal auf 700 Metern über dem Meer, wo wir unsere Intervalle fahren, sind es 36 Grad und mehr. Ohne Windschutz auf dem Rad fühlt es sich wie ein Backofen an. Man schwitzt in Strömen.“
Für Normalsterbliche kaum erträglich, für Profis dennoch ein wertvoller Baustein der Vorbereitung. „Heute macht praktisch jeder Profi Hitzetraining, um den Körper unter Extrembedingungen zu fordern. Manche fahren drinnen mit warmer Kleidung oder sitzen in der Sauna – hier absolvierst du diese Einheiten einfach draußen auf dem Rad in kurzer Hose und Kurzarmtrikot“, erklärt Quinten Hermans.
Der eigentliche Reiz liegt jedoch in der Höhe. Hermans sieht Unterschiede zu europäischen Höhencamps wie am Teide in Spanien: „Die Schlafqualität ist etwas schlechter als bei unseren Höhentrainings in Europa.“ Meurisse ergänzt: „Ich habe das Gefühl, ich brauche mehr Schlaf als in Belgien. Wenn ich von unserem Apartment zur Garage gehe, um das Rad zu holen, schnellt der Puls schon auf etwa 110 Schläge. Für einen Spitzensportler ist das ungewöhnlich hoch. Unsere Körper arbeiten wirklich auf Hochtouren.“

Eine großartige Landschaft

Der Reiz einer ungewohnten Region liegt auch in Landschaften, die man daheim nie sieht. Meurisse weiß die urwüchsige Schönheit Chiles zu schätzen.
„Die Landschaft hat nichts mit den Bergen in Europa gemein“, sagt Meurisse. „Wenn wir im Tal fertig trainiert haben und dann noch anderthalb Stunden zurück Richtung El Colorado hochfahren, sieht man Wildpferde an den Hängen und Kondore in der Thermik gleiten.“
Tom Pidcock genießt die natürlichen Mountainbike-Trails in Chile
Tom Pidcock genießt die natürlichen Mountainbike-Trails in Chile

Radsportverrückte Nation

Durch die hohen Andengipfel vom Rest der Welt abgeschirmt, steht Chile im Radsport selten im Fokus. Das heißt aber nicht, dass die Einheimischen den Sport nicht lieben, betont Brent Van Moer. „Man kann es sogar radsportverrückt nennen. Als wir am Samstag von Santiago hinaufgefahren sind, wurden wir alle hundert Meter von Vereinsfahrern für Fotos angehalten – besonders mit Tom Pidcock.“
„Es waren sogar mehr Leute auf dem Rad als an einem vollen Tag am Coll de Rates in Spanien“, ergänzt Meurisse. „Der Asphalt hat manchmal Risse und Schlaglöcher, aber das kennt man in den Ardennen auch.“
Einen Kritikpunkt hat Van Moer dennoch: „Wenn ich mich über etwas beschweren muss, dann darüber, dass wir nach jedem Training noch anderthalb Stunden den ziemlich harten Anstieg zu unserem Apartment hochfahren müssen.“
Vorerst genießt das Team die Zeit vor Ort. Die Rückkehr nach Belgien ist für den 05.02. terminiert. Hermans scherzt: „Zum Abschluss des Höhencamps steht sogar eine siebenstündige Trainingseinheit im Plan – vielleicht, damit wir auf dem langen Flug nach Hause schnell einschlafen.“
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