Die Frage begleitete
Remco Evenepoel durch die Saison 2026: Ist er für die Dominanz in Eintagesrennen prädestiniert, oder soll sein Fokus weiter fest auf der
Tour de France liegen?
Für seinen Vater Patrick ist es kein Entweder-oder.
Im Gespräch mit HLN wehrte er sich gegen wachsende Stimmen, sein Sohn solle Grand-Tour-Ambitionen aufgeben und sich vollständig auf Eintagesrennen konzentrieren.
Eine Debatte, geprägt von Ergebnissen
Die Diskussion hat Substanz. Evenepoels Saison 2026 zeigt erneut, wie wirkungsvoll er in Eintagesrennen ist. Der
Sieg beim Amstel Gold Race und ein starker Einstand bei der Flandern-Rundfahrt festigten seinen Status als einer der komplettesten Klassikerfahrer der Welt.
Sein Palmarès untermauert das. Mehrfachsiege bei der Clásica San Sebastián, zwei Erfolge bei Lüttich–Bastogne–Lüttich, ein WM-Titel und Olympiagold zeichnen einen Fahrer aus, der die größten Eintagesrennen entscheiden kann. Gleichzeitig schärfen diese Auftritte den Kontrast zu seinen Grand-Tour-Zielen.
Die Tour-Frage bleibt
Evenepoel ist im Dreiwochen-Rennen kein Außenseiter. Er stand bereits auf dem Podium der Tour de France und gewann 2022 die Vuelta a España, ein Beleg für Motor und Konstanz, die es fürs Gesamtklassement braucht.
Doch das Terrain hat sich verschoben. Gegen Fahrer wie Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard werden die Abstände in den Hochalpen definiert, und genau dort sind Zweifel aufgekommen.
Jüngste Rennen warfen die Frage auf, ob Evenepoel dieses Niveau über die härtesten Anstiege hinweg konstant halten kann, insbesondere über die drei Wochen der Tour.
Evenepoel tat sich bei der Katalonien-Rundfahrt am Berg schwer, Vingegaard zu folgen
„Er muss weiter daran glauben“
Genau deshalb mahnt Patrick Evenepoel zur Geduld statt zum Kurswechsel. „Alle reden jetzt darüber. Remco hat die Klassiker immer geliebt, aber er muss weiter die Tour de France anpeilen. Noch ein oder zwei Jahre, denke ich. Wenn du bei der Tour Dritter werden und die Vuelta gewinnen kannst, musst du daran festhalten“, sagte er im Gespräch mit HLN.
Das ist eine klare Haltung. Die Resultate sind da, und aus seiner Sicht rechtfertigen sie Vertrauen statt einer Schwerpunktverlagerung.
Zwischen zwei Welten
Das Dilemma betrifft nicht die Fähigkeit, sondern die Optimierung. In Eintagesrennen kann Evenepoel mit explosiven Antritten und aggressivem Racing das Rennen prägen und sich oft unter die Allerbesten einreihen.
In Grand Tours ist die Gleichung anders. Die geringere Bedeutung von Zeitfahren in modernen Parcours und die wachsende Betonung auf langes Klettern stellen ihn in den direkten Vergleich mit Fahrern, die derzeit das höchste Bergniveau definieren. Das nimmt ihn nicht aus der Verlosung, verschiebt aber die Balance.
Eine Entscheidung mit möglicher Tragweite für die Karriere
Vorerst ist die Botschaft aus dem engsten Kreis eindeutig. Die Tour de France bleibt zentrales Ziel. „Wenn Remco bei uns in Belgien zu Hause ist, reden wir selten über Radsport“, ergänzte Patrick. „Wir sprechen über Alltägliches, was für ihn, für Oumi und für uns sehr wichtig ist. Aber eigentlich kommt er nicht oft heim. Wenn er oft zu Hause ist, stimmt etwas nicht. Je seltener ich Remco sehe, desto besser läuft es für ihn.“
Die langfristige Ausrichtung von Evenepoels Karriere bleibt offen für Interpretation. Doch für die nächsten zwei Jahre jedenfalls ist kein Abrücken vom größten Rennen der Welt geplant.
Damit wird das
Lüttich–Bastogne–Lüttich am Sonntag zum nächsten wichtigen Gradmesser. Gegen Fahrer wie Tadej Pogacar und Paul Seixas, beide auch für die Tour de France hoch gehandelt, steht Evenepoel erneut im direkten Vergleich mit dem Niveau, das er letztlich erreichen muss.
Das Maillot Jaune bleibt das Ziel.