Ein Schlüsselbeinbruch ist im Profiradsport derart alltäglich, dass man fast sagt: Wer keines gebrochen hat, ist kein echter Profi. Doch lässt sich das Risiko bei Stürzen wirklich nicht senken? Bei Picnic PostNL wird eine Lösung akribisch untersucht: Airbags.
Airbags dämpfen harte Einschläge und schützen Autofahrer seit Jahrzehnten. Auch Radrennen sind Hochgeschwindigkeitssport, Stürze gehören – ob man will oder nicht – dazu. Bisher schützten Fahrer jedoch nur dünne Rennanzüge. Picnic PostNL will die Trendwende anstoßen.
Das von Aerobag entwickelte System sitzt am Rücken und besteht aus einer kleinen Steuereinheit und CO2-Kartuschen. Bei Auslösung schützt der Airbag Hüften, Rippen, Schlüsselbeine und Nacken. Er soll die Sicherheit im Peloton spürbar erhöhen. Präsentiert wurde das System jüngst auf der Fahrradmesse Velofollies.
Aerobag-Entwicklungsleiter Quinton van Loggerenberg sagte: „Bekleidungsmarke Nalini hat dies für
Team Picnic PostNL umgesetzt und ist bei uns ein Early Adopter. Sie kooperieren mit uns in der kommenden Saison und machen das System breiter für die Öffentlichkeit verfügbar.“
Im Podcast In de Waaier sprach Piet Rooijakkers, Head of Research & Development bei
Team Picnic PostNL, über den Airbag und seine tatsächliche Wirksamkeit. „Nein, einen Schlüsselbeinbruch wird er wahrscheinlich nicht verhindern“, sagte der Ex-Profi und erklärte rasch, warum und in welchen Situationen das System seine Mission verfehlt.
„Wir müssten dafür vielleicht Sturztraining machen, denn wenn man sich auf den Airbag verlässt und die Arme eng am Körper hält, dann ja. Aber die meisten Fahrer strecken reflexartig die Hände nach vorn – und brechen sich dadurch am Ende doch das Schlüsselbein. Wenn sie irgendwann denken: Dieser Airbag fängt meinen Aufprall ab, dann ist es möglich.“
Allerdings ist das System nicht primär dafür ausgelegt, Schlüsselbeinbrüche zu verhindern. „Ein gebrochenes Schlüsselbein hat noch keine Karriere zerstört. Es ist lästig, aber eine Hüftfraktur ist kritischer. Eine Rippe heilt meist unkompliziert, aber eine Rippe, die die Lunge perforiert, ist deutlich schwieriger.“
Idealerweise soll der Airbag daher nicht nur exponierte Körperpartien abdecken, sondern einen möglichst umfassenden Schutz bieten – vor allem für jene Bereiche, deren Verletzungen langfristig am schwersten wiegen.