Die Zukunft von
Mathieu van der Poel im
Cyclocross wird nicht mehr nur über Trophäen oder Dominanz verhandelt. Sie wird inzwischen an einem größeren Maßstab gemessen: wie sehr die Straße – und vor allem die Herausforderung Tadej Pogačar – seine Entscheidungen neu ordnet.
Van der Poels Cross-Zukunft im Pogačar-Zeitalter – was das für Flandern bedeutet
Die Vorstellung, dass
Van der Poel eines Tages auf einen vollen Cyclocross-Winter verzichtet, ist kein Randthema mehr. Sie wird offen von Stimmen innerhalb des Sports diskutiert, darunter der erfahrene Analyst
Jose De Cauwer, der das Thema beim
World-Cup-Lauf in Benidorm für PlaySports ansprach.
Gefragt, ob eine Saison ohne
Cyclocross realistisch sei, fiel seine Antwort klar aus: „Ein Winter ohne Cyclocross wird kommen, denke ich, ja.“
Das ist keine Rücktrittserklärung. Aber es ist ein deutliches Signal, dass selbst für einen derart mit dem
Cyclocross verbundenen Fahrer wie Van der Poel das Gleichgewicht zwischen den Disziplinen in Bewegung ist.
Warum Pogačar die Debatte verändert
Der Antrieb hinter diesem Wandel ist weder Langeweile noch fehlende Motivation. Für De Cauwer ist es die wachsende Schwierigkeit, die größten Frühjahrsklassiker in einer von Pogačar geprägten Ära zu gewinnen.
Er verwies direkt auf die
Flandern-Rundfahrt als Maßstab und sagte: „Der Kampf mit Pogačar bei der Flandern-Rundfahrt ist ein sehr schwerer. Ich hoffe, dass Mathieu, so wie Van Aert und viele andere, sucht und sich fragt: Gibt es noch etwas, gibt es vielleicht etwas, das ich verbessern kann?“
Diese Linie erklärt, warum
Cyclocross überhaupt Teil dieser Diskussion ist. Will Van der Poel Fahrer wie Pogačar in Rennen wie Flandern weiter schlagen, muss er jede mögliche Reserve suchen. Das heißt nicht nur härter trainieren. Es heißt auch zu hinterfragen, ob ein kompletter Winter im Matsch noch die beste Vorbereitung für die Straße ist.
Cyclocross bringt Schärfe, Explosivität und Renninstinkt. Es bringt aber auch ständige Hochintensitätsrennen, Reisen und Regenerationsbelastungen, die in die langfristige Straßenvorbereitung hineinschneiden. Wenn das Ziel ist, Pogačar in den härtesten Frühjahrsrennen zu schlagen, wird der Kalender selbst zur taktischen Stellschraube.
Kein Rücktritt, sondern eine Pause
De Cauwer vermied es, das als Ende von Van der Poel im
Cyclocross zu framen. Er stellte klar, dass es nicht um einen sofortigen Abschied geht. „Ein Winter ohne Cyclocross wird kommen“, sagte er, betonte aber zugleich, dass er dies nicht als unmittelbaren Abschied von der Disziplin sehe.
Er formulierte sogar, was er sich persönlich wünscht: „Ich hoffe, wir sehen ihn bis Hoogerheide im Peloton. Damit meine ich die
Cyclocross-Weltmeisterschaften in Hoogerheide 2028.“
Das Bild ist also keines vom Weggehen, sondern vom Abwägen. Ein ausgelassener Winter. Ein reduziertes Programm. Eine Saison, die stärker von der Straße als vom Geschehen zwischen den Absperrbändern bestimmt wird.
Die Entscheidung liegt bei Van der Poel
Kein Analyst, Rivale oder Kommentator kann ihm diese Wahl abnehmen. Wie De Cauwer selbst einräumte, kann nur Van der Poel entscheiden, wie viel
Cyclocross noch in die Zukunft passt, die er anstrebt.
Schärfer wird die Debatte durch das, was sich auf der Straße um ihn herum tut. Pogačar ist längst kein Fahrer mehr, der sich die Klassiker herauspickt. Er verpflichtet sich stärker zu ihnen, steht erneut bei Flandern und Paris–Roubaix am Start und macht das Frühjahr zur direkten Bühne der größten Namen des Sports.
Das erhöht den Einsatz. Für Van der Poel ist
Cyclocross nicht nur Leidenschaft. Es ist inzwischen Teil eines strategischen Puzzles. Wie viel davon kann er sich leisten, wenn sein größter Anspruch ist, jene Rennen zu gewinnen, in denen Pogačar nun zentrale Figur ist.
Ein Winter ohne
Cyclocross, falls er kommt, wäre kein Abwenden von der Disziplin, die ihn geprägt hat. Es wäre die Entscheidung, wie weit er gehen will, um an der Spitze zu bleiben, während der Kampf auf der Straße immer härter wird.