Wenn
Tadej Pogacar bereits die bestmögliche Version seiner selbst erreicht hat, lautet die unbequeme Wahrheit für alle anderen: Es könnte trotzdem egal sein.
Delgado über Pogacar – warum sein Zenit noch immer reicht
Das ist das Urteil der spanischen Radsportlegende
Pedro Delgado,
in einem ausführlichen Interview mit Marca. Er argumentiert, Pogacar habe bereits sein absolutes Topniveau erreicht – doch dieses Niveau liege so hoch, dass es ihn weiterhin klar vor seinen engsten Rivalen hält.
Auf die direkte Frage, ob Pogacar bereits seine Decke erreicht habe, zögerte Delgado nicht. „Ich glaube ja, und zwar im vergangenen Jahr.“
Für Delgado bedeutet das keinen Abfall. Es heißt, Pogacar habe die maximal mögliche Version seiner selbst gefunden und könne dort schlicht bleiben. „Nach meiner Erfahrung kann er diese Decke drei Jahre lang problemlos halten.“
In Delgados Sicht wird die aktuelle Version von Pogacar nicht so schnell verblassen. „In diesem Jahr bleibt er unantastbar und 27 ebenfalls.“ Erst später, so deutet er an, könnte etwas anderes als die Beine zum eigentlichen Test werden. „Bei der letzten
Tour de France wirkte er anders, nicht so natürlich wie immer.“
Trotzdem trennt Delgado körperliche Grenzen sorgsam von mentalen. „Physisch hat er jetzt noch zwei Jahre auf diesem Level: 26 und 27. In 28 werden wir sehen.“
Warum die Lücke bleiben könnte
Wenn Pogacar sich nicht weiter verbessert, liegt die Annahme nahe, dass die Rivalen ihn endlich einholen könnten. Delgado folgt dem nicht wirklich.
Für ihn erzählt der moderne Radsport nicht nur vom Fallen der Sterne, sondern vom Aufstieg der anderen. „Manchmal ist es nicht so, dass du schlechter wirst, sondern dass die anderen besser werden.“
Selbst so betrachtet ordnet er Pogacar jedoch anders ein. „Pogacar steht zwei Stufen über den guten Fahrern.“
In dieser Hierarchie bleiben für Delgado
Jonas Vingegaard und
Remco Evenepoel weiterhin auf der Jagd nach etwas, das außer Reichweite liegt. „Vingegaard ist eine Stufe unter ihm, aber eine über anderen wie Evenepoel.“
Mit anderen Worten: Selbst wenn Pogacar seinen Zenit bereits erreicht hat, ist dieser Gipfel laut Delgado immer noch hoch genug, um den Sport in den nächsten Saisons zu kontrollieren. Seine Decke ist kein Warnsignal, sondern eine Messlatte, die bisher niemand sonst erreicht hat.
Wirkliche Bewegung sieht Delgado nur in der nächsten Verfolgerreihe. „Ich würde gerne die Entwicklung von Lipowitz sehen, ob er noch einen Schritt macht.“
Bis dahin fällt Delgados Botschaft deutlich aus.
Tadej Pogacar mag bereits die beste Version seiner selbst sein, doch diese Version reicht immer noch, um
Jonas Vingegaard,
Remco Evenepoel und den Rest fürs Erste nach oben schauen zu lassen.