Baptiste Veistroffer feierte auf der zweiten Etappe der
Tour of Oman einen perfekt eingeteilten Solosieg. Er griff spät aus der Tagesflucht an und hielt im ansteigenden Finale in den Yitti Hills das heranstürmende Feld souverän in Schach.
Die 191 Kilometer lange Etappe ab Al Rustaq Fort entwickelte sich früh zu einem Rennen der Initiative. Eine aktive Fünfergruppe mit Veistroffer, Tim Marsman, Patryk Goszczurny, Gil Gelders und Said Alrahbi bestimmte das Geschehen. Da UAE Team Emirates - XRG und Team Jayco AlUla das Rennen eher kontrollierten als aggressiv nachsetzten, bekam die Ausreißergruppe auf der langen, flachen ersten Tageshälfte reichlich Spielraum und baute einen deutlichen Vorsprung auf.
Ausreißergruppe zerfällt an den Schlussanstiegen
Auf der Abfolge kurzer, scharfer Anstiege in den letzten 50 Kilometern begann das Rennen zu zerfallen. Gelders musste als Erster abreißen lassen, während das Tempo am Bousher Al Amerat und Al Hamriyah das Spitzenquintett Schritt für Schritt auf seine stärksten Fahrer reduzierte. Goszczurny sammelte weiter Bergpunkte und festigte damit faktisch das Bergtrikot, doch die Zusammenarbeit an der Spitze bröckelte zusehends.
Veistroffer nutzte genau dieses Zögern. In den Schlusskilometern setzte er seinen entscheidenden Antritt, öffnete eine Lücke - just in dem Moment, als Marsman und Goszczurny vom heranrollenden Peloton gestellt wurden. Während sich das Feld auf den Zufahrten zu den Yitti Hills neu sortierte, ging der Lotto Intermarché-Profi volles Risiko.
Peloton kommt zu spät
Hinter ihm erhöhte UAE Team Emirates - XRG über Adam Yates das Tempo, doch die Reaktion kam einen Tick zu spät. Veistroffer verteidigte seinen Vorsprung über den letzten Kilometer, krönte den Schlussanstieg mit genügend Reserven und sicherte sich einen seltenen, hart erarbeiteten Etappenerfolg aus der Flucht.
Kurz darauf rauschte das Peloton ins Ziel und verhinderte nennenswerte Abstände im Gesamtklassement - an einem Tag, an dem Kontrolle statt Konfrontation die Taktik der meisten Teams bestimmte.
Für Veistroffer bedeutete der Sieg den verdienten Lohn einer Fahrt, die mehr auf Beharrlichkeit und perfektes Timing als auf reine Wattzahlen setzte. Gleichzeitig belohnte der Erfolg Lotto Intermarché für das konsequente Bekenntnis zur Langdistanzattacke. Auf einer Etappe, die sowohl Angreifer als auch Favoriten lockte, setzte sich am Ende die Ausdauer der Ausreißer durch.