„Das Podium ist ein Traum“ - Giulio Pellizzari wächst bei Red Bull - BORA - hansgrohe behutsam in seine Grand-Tour-Zukunft

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 08 Februar 2026 um 12:30
roglic pellizzari
Giulio Pellizzari spricht nicht wie ein Fahrer, der sich mit Macht in eine Hierarchie drängen will. Seine Aussagen zeichnen vielmehr das Bild eines jungen Grand-Tour-Anwärters, der bei Red Bull - BORA - hansgrohe gezielt innerhalb eines langfristigen Projekts geformt wird.
„Ich bin letztes Jahr viel an der Seite von Roglic gefahren und habe sehr viel von ihm gelernt“, sagte Pellizzari im Interview mit Marca. „Für mich ist es eine Ehre, mit solchen Champions zu fahren. Ich bin sehr glücklich in diesem Team und hoffe, dass ich noch oft mit Primoz und Remco starten kann.“

Der Giro als Zentrum einer sorgfältig aufgebauten Saison

Dieses Lernumfeld entsteht nicht zufällig.
Seit Red Bull die Struktur um erfahrene Grand-Tour-Sieger und aufstrebende Rundfahrt-Talente neu aufgestellt hat, verfolgt das Team ein klares Ziel: sofortige Ergebnisse mit nachhaltiger Entwicklung zu verbinden. Pellizzaris Aussagen fügen sich exakt in dieses Modell.
Umgeben von Fahrern, die die größten Rennen bereits gewonnen haben, bleibt Pellizzari klar in seinem Fokus. „Der Giro d'Italia ist mein Hauptziel und auch mein Lieblingsrennen“, sagte er. „Wir müssen sehen, wie sich die Saison entwickelt, aber ich bin sicher, dass ich in guter Form sein werde - so wie Jai.“
Diese Einordnung ist entscheidend. Red Bulls Grand-Tour-Ansatz basiert auf klarer Führungsrolle pro Rundfahrt statt einer allumfassenden Hierarchie. Während Primoz Roglic andere Schwerpunkte anpeilt und Remco Evenepoel im Zentrum des Tour-Projekts steht, wird der Giro zum logischen Schwerpunkt für Pellizzaris nächsten Entwicklungsschritt.
Auf direkte Fragen nach Podiumsambitionen bleibt sein Ton nüchtern. „Das Podium ist ein Traum“, sagte er, „aber wir müssen sehen, wie die Beine sind. Drei Wochen sind sehr lang, und man braucht auch Glück. Wir werden sehen.“
Es ist Ambition ohne Anspruchsdenken - geprägt von Realismus statt Druck.

Fortschritt ohne Abkürzungen

Pellizzari sieht seine Form klar im Aufwärtstrend, getragen von einem starken Winter und strukturierter Vorbereitung. „Die Form ist gut, weil ich mit dem Team ein gutes Trainingslager am Teide hatte“, erklärte er. „Aber hier ist auch Remco, der sehr stark ist und ein besseres Ergebnis holen kann.“
Mit 22 Jahren spricht er offen über Bereiche mit Entwicklungsbedarf, besonders gegen die Uhr. „Ich fühle mich besser auf dem Rad“, sagte er. „Wir haben in einigen Bereichen einen Schritt gemacht, aber mit Blick auf den Giro muss ich mich im Zeitfahren noch verbessern. In den nächsten Rennen gibt es mehr Gelegenheiten.“
Diese Offenheit spiegelt den breiteren Red-Bull-Ansatz wider: Fortschritt über mehrere Saisons hinweg, nicht überhastet in einer einzigen.

Ein selektiveres zweites Halbjahr

Anders als 2025 wird Pellizzari in dieser Saison nicht das Doppel Giro - Vuelta anstreben. „Dieses Jahr fahre ich die Vuelta a Espana nicht“, sagte er. „Die letzte Saison war sehr hart, daher konzentriere ich mich dieses Jahr mehr auf die italienischen Klassiker zum Saisonende: Giro dell’Emilia, Tre Valli Varesine und Lombardia.“
Spanien bleibt dennoch Teil des Plans - allerdings gezielt. „Ich denke, ich fahre San Sebastián und die Vuelta a Burgos, weil mir diese Rennen liegen. In diesem Zeitraum werde ich in Spanien sein.“
Der Kalender steht damit für Konsolidierung statt Expansion.

Ein langer Blick, geformt durch die Gegenwart

Jenseits des Giro versteckt Pellizzari seine langfristigen Ziele nicht. „Ich würde gerne bei der Tour de France stark fahren, denn das ist mein Traum“, sagte er. „In fünf Jahren hoffe ich, dort um das Podium oder den Sieg zu kämpfen.“
Vorerst entsteht diese Zukunft leise. Rennen an der Seite von Roglic. Eine Mannschaft mit Evenepoel teilen. Lernen in einer Struktur, die Erfahrung und Potenzial verbindet.
Pellizzari behauptet nicht, bereits am Ziel zu sein. Doch im Umfeld von Red Bull - BORA - hansgrohe ist sein Giro-d’Italia-Traum längst nicht mehr abstrakt. Er nimmt Form an - durch die Nähe zu den Besten des Sports und durch die Geduld, von ihnen zu lernen, bevor er mehr einfordert.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Loading