„Das Team zerfällt“: Thomas Dekker fürchtet, dass Picnic PostNL in naher Zukunft vor dem Aus stehen könnte

Radsport
Samstag, 07 Februar 2026 um 10:00
Oscar Onley
Auch wenn Mathieu van der Poel als einer der zwei besten aktiven Radprofis der Welt gilt, steckt der Radsport in den Niederlanden in ernsthaften Schwierigkeiten. Veranstalter kämpfen immer stärker mit Auflagen und Kosten, selbst der größte Klassiker des Landes, die Amstel Gold Race, bleibt davon nicht verschont. Parallel dazu fehlt es an heimischer Sichtbarkeit, wodurch Sponsorengelder für niederländische Teams zunehmend versiegen. Beide Herren-WorldTeams, Visma | Lease a Bike und Picnic PostNL, verlieren auf dem Transfermarkt spürbar Boden gegenüber der Konkurrenz.
Während Visma mit Jonas Vingegaard und Wout van Aert sportlich weiterhin eine Macht ist, steckt Picnic in deutlich größeren Problemen: Die UCI hat ihre WorldTour-Lizenz nur noch für ein Jahr bis Ende 2025 bestätigt, während alle anderen Teams den gesamten Drei-Jahres-Zyklus erhielten.
Zudem musste sich das niederländische Team von seinem größten Star, Oscar Onley, verabschieden. Mit seinem vierten Platz bei der Tour de France rettete er 2025 quasi im Alleingang den Verbleib in der WorldTour. Ex-Profi Thomas Dekker befürchtet, diese Entscheidung verschiebe nur das Unvermeidliche: Ohne Onley fehle dem Team die Durchschlagskraft, um mit aufstrebenden ProTeams mitzuhalten, insbesondere Pinarello Q36.5 Pro Cycling und Tudor Pro Cycling.
„Eigentlich müsste man sagen: Wir verlängern, und du bekommst viermal zweieinhalb Millionen Euro“, schlägt Dekker im Podcast Live Slow, Ride Fast vor. „Wenn du weiter auf höchstem Niveau konkurrieren willst, musst du das tun – aber das Geld ist natürlich nicht da.“
Konnte Teammanager Iwan Spekenbrink jedoch „Nein“ sagen, als INEOS Grenadiers bereit war, eine Ablöse von knapp unter sechs Millionen Euro für Onleys Vertragsauflösung zu zahlen? „Sie hatten keine andere Wahl“, sagt Dekker. „Du kannst den Jungen nicht an seinen Vertrag ketten, wenn er dort drei Millionen Euro verdienen kann. Team Picnic PostNL ist finanziell stark limitiert und hat für ihn in den Hochbergen keinerlei Unterstützung gesichert.“
Der Transfer sei daher eine logische Folge, so Dekker. „Das Team zerfällt, und wir müssen uns fragen, ob es in Zukunft überhaupt noch existiert. Es gibt ein ernsthaftes Budgetloch. Nicht ohne Grund hat die UCI nur für ein Jahr grünes Licht gegeben. Danach wird sich das alles erneut bewegen.“
Dekker beruft sich auf interne Informationen zum Zustand von Team Picnic PostNL. „Ich habe kürzlich mit einem frühen Picnic-Investor gesprochen. Er sagte mir, dass Picnic und PostNL beide nahezu für Peanuts als Titelsponsoren dabei sind (im Vergleich zu anderen WorldTour-Sponsoren).“
Nach Informationen von CyclingUpToDate liegt das gemeinsame Investment von Picnic und PostNL bei etwa 10–12 Millionen Euro pro Jahr, während das Gesamtbudget des Teams rund 18 Millionen Euro jährlich betragen soll – damit möglicherweise das kleinste Budget der gesamten WorldTour. Vor diesem Hintergrund wird klar, wie wichtig die zusätzlichen sechs Millionen Euro aus Onleys Ausstiegsklausel für die Teamkasse sind, selbst wenn der Schaden für die sportliche Schlagkraft alles andere als marginal ist.
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