ANALYSE: Wie lange ist es her, dass Biniam Girmay zuletzt einen Sieg errungen hat?

Radsport
Dienstag, 01 April 2025 um 16:00
girmay

Nach einer historischen Saison 2024 sollte Biniam Girmay auch 2025 im Rampenlicht stehen. Doch je weiter das Frühjahr voranschreitet, desto mehr wächst das Gefühl, dass der eritreische Star, einer der herausragenden Fahrer der letztjährigen Tour de France, noch nicht richtig in Fahrt gekommen ist.

Es gibt keinen Grund zur Panik, aber eine sieglose Serie, die bis zum 11. Juli 2024 zurückreicht, wirft Fragen zu seiner aktuellen Form auf. Ja, Girmay hat seit der letzten Tour keinen Sieg mehr errungen.

Seine Triumphe im vergangenen Jahr waren mehr als nur Rennsiege – sie hatten auch eine immense sportliche und kulturelle Bedeutung. Sein Etappensieg von Aurillac nach Villeneuve-sur-Lot war bereits sein dritter bei der Tour 2024. Mit seinem ersten Tour-Etappensieg schrieb er Geschichte: Als erster schwarzafrikanischer Fahrer, der bei der Tour de France triumphierte, öffnete er neue Türen für den afrikanischen Radsport.

Seine Leistungen waren ein entscheidender Teil der starken Saison von Intermarché - Wanty, und seine Präsenz an der Spitze der größten Rennen verlieh dem Sport in Eritrea und weltweit neue Sichtbarkeit.

Noch kein Sieg in 2025

Seit Beginn der Saison 2025 wartet Girmay noch auf seinen ersten Erfolg. Sein bestes Ergebnis bisher: Ein zweiter Platz auf der 3. Etappe der Volta ao Algarve in Tavira. Zuletzt wurde er Siebter bei Gent-Wevelgem, einem Rennen, das er 2022 gewann.

Diese Ergebnisse zeigen, dass er weiterhin konkurrenzfähig ist – aber es fehlen die Siege. Und während Girmay auf seinen ersten Erfolg wartet, setzen seine Rivalen bereits frühe Glanzlichter.

Die Konkurrenz dominiert

Jonathan Milan hat 2025 bereits sechs Etappen gewonnen und erlebt einen herausragenden Saisonstart. Sein Team Lidl-Trek setzt so stark auf ihn, dass Mads Pedersen für die Tour de France gestrichen wurde.

Jasper Philipsen, einer von Girmays größten Konkurrenten, hat ebenfalls gut begonnen, auch wenn seine Ambitionen in den Klassikern seine Tour-Vorbereitung beeinflussen könnten. Tim Merlier, der sich in Topform befindet, hat sich so bewiesen, dass Soudal-Quick-Step ihn für die Tour neben Remco Evenepoel aufgestellt hat.

In diesem Vergleich fällt Girmays Sieglosigkeit noch mehr ins Gewicht. Während seine Konkurrenten bereits Selbstvertrauen tanken, wartet er noch auf seinen ersten Erfolg.

Strategische Zurückhaltung oder verpasste Chancen?

Ein siebter Platz bei Gent-Wevelgem oder ein zweiter Platz in Tavira sind respektable Resultate – aber wenn man drei Tour-Etappen gewonnen hat, werden die Erwartungen höher.

Es ist wichtig, Girmays Saisonverlauf in den richtigen Kontext zu setzen. Die größten Ziele der Sprinter liegen oft im Sommer, und nicht jeder Fahrer erreicht seine Topform bereits im Frühjahr. Girmay hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er dann am stärksten ist, wenn es darauf ankommt – besonders, wenn er unterschätzt wird.

Wenn er pünktlich zur Tour in Topform ist, werden die Fragen schnell verstummen. Doch im Moment bleibt unklar, ob seine aktuelle Zurückhaltung Teil eines bewussten Aufbaus ist oder ob ihm noch der letzte Punch fehlt.

Wie geht es weiter?

Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Wird er in den verbleibenden Frühjahrsklassikern angreifen? Oder liegt der gesamte Fokus auf der Tour de France?

Noch ist Zeit, die Saison zu drehen. Doch je länger der erste Sieg auf sich warten lässt, desto lauter werden die Fragen. Girmay spielt vielleicht das lange Spiel – doch bald wird sich zeigen, ob diese Strategie aufgeht.

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