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Tour de Romandie 2026 findet vom 28.04. bis 03.05. statt und markiert Tadej Pogacars Saisonauftakt in einem Etappenrennen. Das Schweizer Rennen ist der letzte große Formtest vor dem Giro d’Italia und folgt auf die Frühjahrsklassiker, in deren Nachgang viele ihre Kampagne retten wollen. Wir blicken auf Etappen und Profile.
Erstmals ausgetragen wurde das Rennen 1947, als der Belgier Désiré Keteleer triumphierte. In der französischsprachigen Schweiz beheimatet, hat es eine sehr internationale Siegerliste hervorgebracht – über Generationen und Fahrertypen hinweg. Große Namen wie Eddy Merckx, Bernard Thévenet, Bernard Hinault, Stephen Roche und Laurent Jalabert haben ihre Spuren hinterlassen.
In diesem Jahrhundert nutzten Cadel Evans, Bradley Wiggins und Chris Froome die Romandie als Sprungbrett zu ihren ersten Tour-de-France-Siegen. Auch Kaliber wie Nairo Quintana, Richie Porte, Primoz Roglic und Geraint Thomas gewannen hier die Gesamtwertung – in einem der sieben bedeutenden Etappenrennen außerhalb der Grand Tours.
2023 siegte Adam Yates, 2024 Carlos Rodríguez; und 2025 gewann João Almeida die Rundfahrt am Schlusstag, nachdem er Lenny Martínez das Gelbe Trikot entriss.
Profil Prolog: Villars-sur-Glane - Villars-sur-Glane
Villars-sur-Glane - Villars-sur-Glane, 3,1 Kilometer
Der Start erfolgt mit einem Prolog, der romandietypisch alles andere als simpel ist. Er ist schwer zu dosieren und verläuft komplett in Villars-sur-Glane. Die 3,1 Kilometer sind keineswegs flach.
Der erste Teil ist extrem schnell: Direkt nach dem Start geht es bergab, ehe eine Rückkehr bergauf folgt – insgesamt 1,3 Kilometer mit 5 %. Eine 800 Meter lange Rampe mit 7 % dürfte die größten Differenzen des Tages bringen. Ein kurzer Effort mit kleinen Abständen, bei dem reine Watt und Aerodynamik über den Etappenausgang entscheiden.
Profil Etappe 1: Martigny - Martigny
Martigny - Martigny, 170,9 Kilometer
Es geht ins Rhônetal zu einer Etappe mit regionaltypischem Profil. Die Straßen ziehen durch das weite Tal, während die Hänge gespickt sind mit steilen Anstiegen. Diese sind teils kurz, teils lang und führen in die Orte an den Berghängen.
Zunächst steht nördlich von Martigny ein Rundkurs an, auf dem das Feld dreimal einen 2,5 Kilometer langen Anstieg mit 8,5 % bewältigt. Das dient als Aufwärmprogramm, bevor es ostwärts zum Hauptanstieg des Tages geht.
Der hat es in sich, hier werden massive W/kg-Leistungen gefragt sein. Der Anstieg nach Ovronnaz ist die härteste Prüfung der Rundfahrt: 8,9 Kilometer bei 9,8 % im Schnitt. Am Fuß sollten die Fahrer noch relativ frisch ankommen.
Die Steigung mit ihren Serpentinen wird das Rennen zerlegen und endet 35,5 Kilometer vor dem Ziel. Die Abfahrt ist taktisch, danach führt der Kurs durch das brettflache Tal zurück nach Martigny ins Ziel.
Profil Etappe 2: Rue - Vucherens
Rue - Vucherens, 173,7 Kilometer
Etappe 2 ist etwas leichter als die vorherige, weist jedoch über den Tag verteilt mehr Höhenmeter auf. Ein echter Berg fehlt zwar, doch die 173 Kilometer von Rue nach Vucherens summieren sich auf 2.700 Höhenmeter – und das Klettern beginnt bereits in den ersten Kilometern.
Anschließend folgt ein dreimal zu fahrender Rundkurs mit Ziel in Vucherens, wo die Ziellinie nach einer kleinen Steigung liegt. Ein Tag für Klassikerfahrer, wenngleich ein Sprint aus einer reduzierten Gruppe wahrscheinlich ist – eine Ausreißergruppe hat ebenfalls realistische Chancen.
Auf diesen welligen Straßen ist Kontrolle schwierig, und der Schlussanstieg wird durch Tagesmüdigkeit zusätzlich selektiv. 3,1 Kilometer mit 5,4 % enden nur 2,5 Kilometer vor dem Ziel. Das Tempo wird hoch sein, Attacken sind zu erwarten, und auch ein opportunistischer Vorstoß kann durchkommen. Andernfalls bietet ein Sprint aus kleiner Gruppe den schnellen Männern wohl ihre einzige Chance der Woche.
Profil Etappe 3: Orbe - Orbe
Orbe - Orbe, 176,5 Kilometer
Etappe 3 ist ein bergiger Tag, vermutlich jedoch der einfachste der vier Bergetappen. Ein Tag für „Baroudeure“, die Ausreißerspezialisten – unabhängig davon, ob sie eher Kletterer, Rouleure oder Klassikerfahrer sind.
Der hügelige Auftakt begünstigt die Bildung einer starken Gruppe, und die Abstände im Klassement sind zu diesem Zeitpunkt meist so groß, dass viele Fahrer vorausgelassen werden. Das Finale ist für reine Sprinter zu hart, aber nicht schwer genug, damit die Kletterer entscheidend differenzieren – ein Terrain, auf dem Chaos und taktisches Gespür dominieren können.
Der Großteil des Tages ist wellig, ohne größeren Anstieg. Der Schlüssel folgt im letzten Viertel mit dem Col du Mollendruz – 9 Kilometer bei 6,7 %. Ein harter, aber nicht überzogener Anstieg, ohne extrem steile Rampen.
Der Gipfel liegt 33 Kilometer vor dem Ziel. Von dort geht es überwiegend bergab bis Orbe. Nur die letzten 10 Kilometer sind flach, sodass ein gut organisierter Peloton eine Ausreißergruppe noch einholen kann.
Profil Etappe 4: Broc - Charmey (Val-de-Charmey)
Broc - Charmey (Val-de-Charmey), 149,3 Kilometer
Etappe 4 führt erneut in die Berge. Besonderheit: Der gleiche Berg wird dreimal befahren – jeweils über unterschiedliche Seiten. Start in Broc, Ziel in Charmey, doch der Jaunpass ist der Star des Tages.
Die ersten Kilometer sind flach, nach rund 15 beginnt der Anstieg. Der erste Anstieg führt über Jaun: 6 Kilometer bei 7,8 %. Nach der Abfahrt folgt die Seite über Littisback: 7,4 Kilometer bei 8,8 %. Beide Anstiege liegen noch über 100 Kilometer vor dem Ziel und öffnen Ausreißern die Tür für Überraschungen.
Anschließend kehrt das Feld zur Startlinie zurück, umrundet das Tal und nimmt den Jaunpass erneut in Angriff – diesmal über die Straße, die zu Beginn hinabgefahren wurde, also via Weissenbach.
Diese Auffahrt ist die härteste der drei: 8,1 Kilometer bei 8,3 %. Der Gipfel liegt nur 16,5 Kilometer vor dem Ziel und wird wie ein Schlussanstieg gefahren. Von oben zurück nach Charmey – über Straßen, die die Fahrer zuvor bereits sowohl hinauf- als auch hinuntergefahren sind – geht es zur Hälfte bergab und anschließend über eine schnelle, leicht ansteigende Passage bis ins Ziel.
Profil Etappe 5: Lucens - Leysin
Lucens - Leysin, 182,6 Kilometer
Die Schlussetappe startet in Lucens. Das wellige Terrain macht den Auftakt explosiv und begünstigt eine starke Ausreißergruppe. Es ist ein überwiegend hügeliger Tag nordöstlich von Lausanne, bevor es südwärts zurück ins Rhônetal geht.
Die Kletterer biegen diesmal jedoch tief in die Alpen ab und steuern die Skistation Leysin an, einen Stammzielort der Schweizer Rundfahrt.
Der Schlussanstieg wird über die lange Seite angefahren: 14,3 Kilometer im Schnitt bei 5,9 % – mit Basis in Aigle, dem Sitz der UCI.
Die härtesten Kilometer lauern im letzten Drittel. Entsprechend ist mit Attacken eher spät zu rechnen, das Rennen endet auf dem Gipfel.