Die Tour Auvergne – Rhône Alpes, früher als Critérium du Dauphiné bekannt, findet vom 07. bis 14.06.2026 statt. Die französische Rundfahrt gilt weithin als
die Tour de France-Generalprobe schlechthin und als eines der großen WorldTour-Events des Jahres. Hier erfahren Sie, wann und wo Sie das Rennen live und im TV verfolgen können, auch in den USA und im Vereinigten Königreich.
Jacques Anquetil, Raymond Poulidor, Eddy Merckx, Bernard Thévenet, Bernard Hinault, Greg LeMond und Lance Armstrong gehören zu den vielen Namen, die beim „Dauphiné“ in der Vergangenheit triumphiert haben. Die Rundfahrt hat zuletzt nichts von ihrem Renommee eingebüßt: Fahrer wie Bradley Wiggins, Chris Froome, Jonas Vingegaard und Tadej Pogačar gewannen sie jeweils vor der Tour.
Es ist ein Rennen für Kletterer – in diesem Jahr vielleicht mehr denn je. Schon die Auftaktetappe kann im Gesamtklassement den Ton angeben, während die beiden Schlusstage es mit vielen Bergetappen der Tour aufnehmen. Es gibt zwei Chancen für Sprinter, jedoch auf hügeligem Terrain und schwer zu kontrollieren. Dazu kommt ein welliges Mannschaftszeitfahren als gezielte Vorbereitung auf den Tour-Auftakt.
Profil Etappe 1: Vizille - Saint-Ismier
Etappe 1: Vizille - Saint-Ismier, 146,6 Kilometer
Der Start erfolgt mit einer kurzen, aber sehr explosiven Etappe. 146 Kilometer und 3.200 Höhenmeter stehen an – faktisch eine Hochgebirgsetappe, die überall im Verlauf stehen könnte und das Gesamtklassement sprengen kann.
Die Organisatoren planen von Beginn an Chaos: Gleich zu Beginn wartet ein langer, nicht klassifizierter Anstieg bis zu einer Zwischenwertung. Im weiteren Verlauf folgen mehrere steile Rampen. Richtig zur Sache geht es wohl 52 Kilometer vor dem Ziel mit einem 2,4-Kilometer-Anstieg im Schnitt über 10 %. Direkt danach folgen weitere 5 Kilometer mit 6 %.
Nach einer kurzen Abfahrt steht die Côte de Rousset an, 8,3 Kilometer mit 7,5 % im Schnitt, deren Kuppe 21 Kilometer vor dem Ziel liegt. Hier dürften die Klassementfahrer Mann gegen Mann fahren, denn es folgt eine Abfahrt und anschließend nur noch 7 flache Kilometer.
Auch die letzten Kilometer ziehen deutlich an, sodass selbst ein Sprint selektiv sein kann und im Ziel Zeitlücken entstehen könnten.
Profil Etappe 2: Saint-Martin-le-Vinoux - Le Puy-en-Velay
Etappe 2: Saint-Martin-le-Vinoux - Le Puy-en-Velay, 233,5 Kilometer
Die zweite Etappe ist im Massif Central kaum zu kontrollieren. Sie ist sehr lang und passt keinem Fahrertyp wirklich in die Karten. 233 Kilometer und insgesamt 3.700 Höhenmeter warten, ohne dass ein einzelner Anstieg extrem schwer wäre.
Das Härteste steht direkt am Anfang mit 7,9 Kilometern à 6,2 %. Zwei klassifizierte Anstiege früh im Verlauf sprechen für eine starke Ausreißergruppe. Auf dem welligen Terrain über den ganzen Tag hinweg wird die Nachführarbeit extrem schwierig.
Unter den Anstiegen ist ein 21 Kilometer langer mit 4 % im Schnitt, dessen Bergwertung zur Rennmitte liegt. Er endet rund 100 Kilometer vor dem Ziel. Falls das Feld dort geschlossen bleibt, könnten Teams später versuchen, auf einen Sprint hinzuarbeiten.
Spät im Rennen warten jedoch zwei weitere klassifizierte Anstiege – einer mit 4,2 Kilometern à 6,6 % (31 km vor dem Ziel) und der letzte mit 2 Kilometern à 6,8 % (12 km vor dem Ziel). Beide sind perfekte Startplätze für Attacken, die das Rennen zerlegen können. Dazwischen gibt es mehrere Wellen, die weitere Vorstöße begünstigen und das Verfolgen erschweren.
Es geht hinab nach Le Puy-en-Velay. Das Finale ist flach, aber technisch, und lässt nur wenig Zeit, um späte Attacken vor der Ankunft des Pelotons noch zu stellen.
Profil Etappe 3 (MZF): Perreux - Perreux
Etappe 3: Perreux - Perreux, 28,4 Kilometer
Ein Einzelzeitfahren gibt es in der Auvergne diesmal nicht, dafür ein Mannschaftszeitfahren als Vorgriff auf den Tour-Auftakt in Barcelona. In guter Tradition führt die Strecke über keine wirkliche Flachpassage.
Es ist vielleicht eines der härtesten Mannschaftszeitfahren überhaupt: 28 Kilometer mit 400 Höhenmetern. Ein Anstieg misst 4,9 Kilometer bei 3,5 %, ein zweiter 4,3 Kilometer bei rund 3 %. Keine Monsterberge, aber sie fordern Tribut – besonders bei dieser Intensität.
Das Pacing ist entscheidend. Teams müssen abwägen, ob sie die Anstiege hart fahren, Zeit gutmachen und dafür auf den Abfahrten riskieren, oder ob sie dort dosieren und im zweiten Teil des MZF voll drücken.
Die Balance ist heikel. Auch das Finale ist nicht simpel: Die letzten 800 Meter steigen im Schnitt mit 6 % an, sodass die Fahrer meist in kleinen Gruppen oder vereinzelt ankommen werden.
Profil Etappe 4: Le Puy-en-Velay - Montrond-les-Bains, 167,2 Kilometer
Etappe 4: Le Puy-en-Velay - Montrond-les-Bains, 167,2 Kilometer, 167,2 Kilometer
Der vierte Renntag ist nicht so lang wie Etappe 2, der Renncharakter ähnelt sich jedoch. Im Ziel in Montrond-les-Bains wartet ein flacher Finale, doch die ersten zwei Drittel sind mit zahlreichen Anstiegen gespickt und schwer zu kontrollieren.
Gleich zu Beginn öffnen sich die Straßen mit einer Abfolge welliger Anstiege, ideal für die Bildung einer starken Ausreißergruppe. Nach 60 Kilometern folgt eine Serie von nicht weniger als fünf kategorisierten Anstiegen.
Es ist eine harte Etappe. Sie kann im Sprint enden, aber unter normalen Umständen will hier niemand dauerhaft das Tempo hochhalten. Der schwerste Anstieg misst 7,8 Kilometer bei 5,5%, das hügelige Terrain endet erst 50 Kilometer vor dem Ziel.
Es folgt eine lange Abfahrt, die letzten 35 Kilometer sind flach und ohne Hindernisse. Es gibt also Terrain, um eine Verfolgung zu organisieren und Druck zu machen. Wenn es in dieser Rundfahrt zu einem Massensprint kommt, ist dies vermutlich die wahrscheinlichste Etappe dafür.
Profil Etappe 5: Saint-Chamond - Villars-les-Dombes
Etappe 5: Saint-Chamond - Villars-les-Dombes, 196,2 Kilometer
Die zweite potenzielle Sprintetappe ist die fünfte, von Saint-Chamond nach Villars-les-Dombes. Das Feld verlässt das Massif Central, allerdings nicht ohne weitere Klettereinlagen.
Erneut ist der Auftakt sehr schwer, mit zwei kategorisierten Anstiegen innerhalb der ersten 7 Kilometer. Auf den ersten 90 Kilometern gibt es kaum einen flachen Meter, stetige Anstiege und Abfahrten machen die Phase extrem kräftezehrend.
Die Etappe lässt sich gleichwohl kontrollieren, denn die zweite Hälfte ist flach und bietet wenig Raum für Überraschungen. Es geht nach Norden und dann ostwärts in ein einfaches Finale, ohne nennenswerte technische Schlüsselstellen auf den letzten Kilometern.
Profil Etappe 6: Saint-Vulbas - Crest-Voland
Etappe 6: Saint-Vulbas - Crest-Voland, 182,6 Kilometer
Die sechste Etappe beginnt flach und endet hügelig. Ein Tag für die Klassementsfahrer, doch eine frühe Flucht wird schwierig, da es anfangs keine Anstiege gibt, um sich abzusetzen.
Nach 98 Kilometern wartet ein „Aufwärm“-Anstieg über 8,1 Kilometer bei 5,6%. Anschließend führt ein langes Tal tief in die Alpen, durch Albertville. In Ugine beginnt die finale Anstiegssequenz.
Zunächst 11,6 Kilometer bei 4,9% – hier werden keine großen Attacken erwartet, aber die Teams können das Feld dennoch mürbe machen. Der Anstieg endet 9 Kilometer vor dem Ziel, oben dürfte es um die beste Position für den kurzen, sehr steilen und technischen Schlussanstieg gehen.
Der Einstieg nach Crest-Voland ist sofort steil, Attacken können ab den ersten Metern fliegen. 5,9 Kilometer bei 7,4% werden zügig gefahren, zumal es aus einer Abfahrt heraus geht und Explosivität in den Beinen steckt.
Platzt das Rennen nicht sofort, bleiben die Abstände überschaubar. Dennoch ist es eine klare Bühne für das GC-Duell. Insgesamt wirkt die Etappe aber auch als leichter Auftakt zum finalen Wochenende.
Profil Etappe 7: Le Bridoire - Grand Colombier
Etappe 7: Le Bridoire - Grand Colombier, 134,2 Kilometer
Das Schlusswochenende bietet zwei Königsetappen, jeweils kurz, aber extrem selektiv. Zunächst geht es im Juragebirge über sieben Anstiege – nicht alle kategorisiert.
Ab Kilometer 0 wird geklettert: zunächst 5,1 Kilometer bei 5,9%. Abfahrt, dann 2,9 Kilometer bei 4,2%. Wieder Abfahrt, danach rund 7,7 Kilometer bei etwa 6%... In diesen drei Anstiegen kann viel passieren: Teams schicken Satellitenfahrer nach vorn, während Etappenjäger eine starke Gruppe formen wollen.
Früh im Rennen steht eine sehr schwierige erste Passage des Grand Colombier an, allerdings nur ein Teilstück – 7,1 Kilometer bei 8,4%, Ende 57,5 Kilometer vor dem Ziel.
Danach führt die Route nach Norden, um den Berg herum, hinauf zum Col de Richemond, 7,7 Kilometer bei 6,1% – dieser endet 22,5 Kilometer vor dem Ziel.
Zum Abschluss folgt die zweite Auffahrt zum Grand Colombier, über seine härteste Seite. Ein Anstieg, brutal im Wortsinn, der in jeder Grand Tour eine Königsetappe rechtfertigen würde.
Der Schlussanstieg ist 8,5 Kilometer lang und im Mittel 10% steil. Besonders entscheidend: Die erste Hälfte ist am schwersten, im Schnitt 12%, mit Rampen nahe 20%. Nach Maßstäben vieler Rundfahrten fällt hier die Vorentscheidung. Doch tags darauf wartet eine noch härtere Etappe.
Profil Etappe 8: Beaufort - Plateau de Solaison
Etappe 8: Beaufort - Plateau de Solaison, 120,3 Kilometer
Die eigentliche Königsetappe der Tour Auvergne - Rhône Alpes bringt atemberaubende 4000 Höhenmeter auf nur 120 Kilometern. Kein Einrollen: ab Kilometer 0 stehen brutale Anstiege an, mit Bergankunft und einem möglichen Umsturz im Gesamtklassement.
Los geht es mit dem Col du Pré, 10 Kilometer lang. Die letzten 7 im Schnitt fast 10% – das kann das Rennen nach wenigen Minuten zerlegen, zumal die vielen Kehren die Kletterei explosiv machen.
Als zweiter Anstieg folgt die Montée de Bisanne, 11,5 Kilometer bei 8,9%, mit Passhöhe bereits 43 Kilometer vor dem Ziel. Zwei Kolosse in kurzer Abfolge – und die Aktion ist noch lange nicht vorbei.
Der dritte kategorisierte Anstieg ist der Col des Aravis, weniger hart – 7 Kilometer bei 6,9% – dafür in spektakulärer Szenerie. Anschließend gibt es endlich eine lange Abfahrt in den Schlussanstieg, um Kräfte für den finalen Effort zu sammeln.
Die Auffahrt zum Plateau de Solaison ist der Rundfahrt nicht neu und wird auch bei der Tour de France genutzt. Die Organisatoren übernehmen sie ebenfalls und beenden die Etappe – wie schon 2017 – am Gipfel.
Der Anstieg misst 11,5 Kilometer bei 8,9%, erneut ein monumentaler Kraftakt und von der Basis an sehr steil. Die Abstände können gewaltig werden, und die Entscheidung kann faktisch an jedem Punkt der Etappe fallen.