Analyst glaubt, dass der Schock-Abgang von Grischa Niermann Visma aus dem Tritt bringt: „Sie haben ein Problem“

Radsport
Freitag, 05 Juni 2026 um 16:00
Grischa Niermann
Team Visma | Lease a Bike steht vor dem Abschied von Grischa Niermann – der jüngste Schritt in einer weiteren Umstrukturierung beim niederländischen Team. Der Head of Racing wechselt zu Lidl-Trek und schließt sich damit dem rasant erstarkenden US-Rennstall an, der in dieser Woche seine eigene Personalrochade bekanntgab.
Der 50-Jährige gehört seit 2017 zum Team und war in den vergangenen Jahren eine Schlüsselfigur hinter den Erfolgen bei Grand Tours und Klassikern. Nach dem Abgang von Merijn Zeeman 2024 rückte er an die Spitze und wird nun durch Marc Reef ersetzt, wie das Team früher in dieser Woche bestätigte.
Auch Lidl-Trek stellt seine Führungsstruktur umfassend neu auf: Andy und Fränk Schleck besetzen leitende Positionen, während Niermann ab September den langjährigen General Manager Luca Guercilena ablösen wird – nach 15 Jahren an der Spitze des erfolgreichen Teams.
Mit Blick auf die Lage bei Visma | Lease a Bike meint der niederländische Analyst Thijs Zonneveld allerdings, dass es dem Team schwerfallen dürfte, Niermann zu ersetzen. Er wird im kommenden Monat bei der Tour de France nicht im Mannschaftswagen sitzen.

Zonneveld sieht ein Problem bei Visma

„Ich glaube schon, dass sie ein Problem haben, denn nicht alle, die jetzt gegangen sind, sind eins zu eins zu ersetzen. Als Merijn Zeeman wegging, dachten wir das auch, aber sie haben sich da ebenfalls durchgewurschtelt“, überlegte Zonneveld im Podcast In de Waaier.
Angesichts der dynamischen Entwicklung im Profiradsport, in dem große Sponsorings die Budgets der Konkurrenz massiv stärken, und mit Blick auf die im Vergleich zu Fahrergehältern niedrigeren Bezüge des Personals, skizzierte Zonneveld die Lage für das Team von Richard Plugge.
„Es ist schon schwer genug, dass andere Teams inzwischen nicht nur eure Fahrer, sondern auch euer Personal abwerben. Mitarbeiter verdienen nicht das Gehalt von Teamkapitänen und sind daher empfänglicher für einen größeren Geldbeutel. Die Unterschiede können enorm sein. Also entsteht jetzt die Situation, dass ihr euer Personal ebenfalls besser bezahlen müsst.“

Rolle der Sponsoren

Er ergänzte: „Die Rolle der Sponsoren wird immer wichtiger. Red Bull, Lidl-Trek und Decathlon haben inzwischen richtig Geld zur Verfügung. Es sind nicht mehr nur UAE und INEOS. Visma wird sich dagegen behaupten müssen. Das Kräfteverhältnis in der Radsportwelt hat sich deutlich verschoben.“
Visma kämpft nicht nur mit Lücken im Staff. Der frühere Profi warnte auch in Bezug auf die zwei Aushängeschilder des Teams – Jonas Vingegaard und Wout van Aert –, die mittlerweile 29 beziehungsweise 31 Jahre alt sind. Zonneveld fragt sich, ob in den kommenden Saisons adäquater Ersatz gefunden wird.
„Heute sieht alles ganz anders aus als vor fünf Jahren. Vismas erfolgreichste Fahrer, Van Aert und Vingegaard, werden auch älter. Für sie werden sie ebenfalls Nachfolger finden müssen. Und das wird komplizierter.“
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