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Tour de France rückt näher und die Hauptfavoriten wählen deutlich unterschiedliche Vorbereitungen auf das Rennen. Remco Evenepoels Ansatz ist wohl der konservativste: ohne Renntage. Das Team trägt diesen Plan voll mit, damit er im Juli sein Topniveau erreicht.
In den vergangenen zwei Jahren bestritt Evenepoel die Tour Auvergne-Rhône-Alpes, jeweils mit geringerer Kletterform als auf seinem Peak, aber mit sehr unterschiedlichem Ausgang bei der Tour. Dieses Jahr wurde dieses Startprogramm jedoch gestrichen, und die acht harten Renntage (neben zahlreichen Taper- und Regenerationstagen) verschwanden aus seinem Plan.
Es ist Teil eines Ermüdungsmanagements, wie einer seiner engsten Vertrauten im Team erklärt. „Dieser lange Wettkampfblock hat Spuren hinterlassen. 25 Tage sind nicht extrem viel, aber es ging vor allem um seine Herangehensweise. Remco fuhr konstant auf sehr hohem Niveau“, sagte Sportdirektor
Klaas Lodewyck gegenüber Het Laatste Nieuws.
Evenepoels Frühjahr war hochintensiv: früher Saisonstart auf Mallorca mit mehreren Siegen und einem Mannschaftszeitfahren als Vorbereitung auf die Tour; Gesamtsieg in Valencia; Enttäuschung bei der UAE Tour; Helferrolle und Sturz bei der Katalonien-Rundfahrt; überraschendes Debüt und Podium bei der Flandern-Rundfahrt; und natürlich die folgenden Ardennen-Klassiker.
„In der Woche nach seinem Sieg beim Amstel Gold Race merkte man bereits, dass er etwas herunterfahren und es ruhiger angehen wollte. Die mentale Schärfe war noch da, aber sie wurde von der sich aufbauenden körperlichen Müdigkeit konterkariert.“
Keine Rennen, kein Problem für Evenepoel
Am Ende stand Evenepoel während seines ersten Frühjahrs bei Red Bull - BORA - hansgrohe permanent unter Druck. Er lieferte Ergebnisse, doch bei Lüttich–Bastogne–Lüttich kam er an den Anstiegen nicht annähernd an Tadej Pogacar und Paul Seixas heran.
„Diesen dritten Platz in Lüttich hat er rein durch Durchhaltevermögen und Widerstandskraft gerettet. Hut ab. Er hätte es ebenso gut laufen lassen können. Und wäre mit leeren Händen dagestanden.“
Sein Niveau bei der UAE Tour, in Katalonien und in Lüttich zeigte eine harte Realität: Seine Kletterleistung hätte wohl nicht einmal für einen Kampf ums Tour-Podium gereicht. Daher rückten Klettertraining und Gewichtsoptimierung komplett in den Fokus.
Das deutsche Team erklärte, man habe für Evenepoel eine möglichst kontrollierte Umgebung gesucht, mit so wenigen Variablen wie möglich. Auvergne, mit acht Renntagen, Sturz- und Krankheitsrisiko und vielem mehr, sei dafür nicht die beste Option gewesen.
„Wir sind alle ein paar gedankliche Schritte zurückgetreten und haben uns gefragt: ‚Okay, wie bringen wir ihn am Samstag, 04.07., zum Tour-Start in Barcelona in die bestmögliche Form?‘ Verschiedene Optionen kamen auf den Tisch und wurden abgewogen: Was könnte funktionieren und was nicht.“
Kein Racing wurde als beste Lösung bewertet. Lodewyck hat Evenepoel bereits durch erfolgreiche Grand-Tour-Einsätze geführt und vertraut daher auf diesen Aufbau.
„So eine Herangehensweise ist für ihn auch nicht neu. Denkt an seinen Vuelta-Sieg 2022. Damals bestritt er in den fast zwei Monaten davor ebenfalls kaum Rennen.“
Bergtraining absolute Priorität
Höhentraining und der Fokus auf lange Belastungen stehen für Evenepoel seit Mai an erster Stelle, und das bleibt so bis zum Grand Départ am 04.07. in Barcelona.
Am Programm des Teams gibt es keine Zweifel: „Persönlich bin ich überzeugt, dass er daraus nicht schlechter herauskommt als aus einem Plan mit Wettkämpfen. Die Katalonien-Rundfahrt hat klar gezeigt, dass wir den Schwerpunkt aufs Klettern legen müssen. Genau dafür nehmen wir uns jetzt die Zeit.“
Gesund und fern des Rampenlichts könne das Feedback zur Entwicklung des Olympiasiegers nur positiv ausfallen, versichert Lodewyck: „Die Einheiten in Woche zwei und drei gaben bereits hervorragende Signale. Remco hat das Camp in besserem Zustand verlassen, als er es begonnen hat. Und genau das war das Ziel.“
„Seine Verfassung ist das Wichtigste. Wenn die gut ist, lässt sich vieles wegstecken. In Sachen Streckenbesichtigung prüfen wir exakt, was kompatibel ist. Aber ab jetzt wollen wir jeden Tag perfektem Training und perfekter Regeneration widmen. Und sehen, wie weit wir damit gegen die Konkurrenz kommen. Wir glauben daran.“