Die Profi-Teams im Straßenradsport wehren sich gegen einen Vorschlag, der nationalen Rundfahrten die Einführung eines zusätzlichen Wertungstrikots ermöglichen soll. Ausgezeichnet werden könnte damit künftig der bestplatzierte Fahrer aus dem jeweiligen Gastgeberland. Die Mannschaften befürchten jedoch, dass ein weiteres Sondertrikot zulasten der Sichtbarkeit ihrer eigenen Sponsoren gehen könnte.
Der Professional Cycling Council (PCC) stimmte dem Grundprinzip der neuen Wertung bei seiner Sitzung am 1. und 2. September im schweizerischen Aigle zu. Demnach könnten die Organisatoren nationaler Etappenrennen künftig ein Trikot für den bestplatzierten Fahrer mit der Staatsangehörigkeit des Gastgeberlandes vergeben. Verpflichtend wäre die Einführung allerdings nicht.
Entscheidung soll während der Radsport-WM fallen
Bevor die Regelung tatsächlich umgesetzt werden kann, benötigt sie noch die Zustimmung des
UCI-Managementkomitees, das während der Radsport-WM 2026 in Montreal tagt. Darüber hinaus hat die UCI bislang noch keine konkreten Bedingungen für die neue Wertung festgelegt.
UCI-Präsident David Lappartient bei der Flandern-Rundfahrt 2026
Eingebracht wurde der Vorschlag von der Association Internationale des Organisateurs de Courses Cyclistes (AIOCC). Unterstützung erhielt die Initiative sowohl von der UCI als auch von der Fahrervereinigung CPA. Die Profi-Teams der Männer und Frauen, vertreten durch die International Association of Professional Cycling Teams (AIGCP), stimmten laut einem Bericht von
Escape Collective hingegen gegen den Vorschlag.
Teams sorgen sich um Sichtbarkeit ihrer Sponsoren
Im Mittelpunkt des Widerstands steht vor allem die Präsenz der kommerziellen Partner. Ein Wertungstrikot trägt die Marken des jeweiligen Veranstalters und könnte damit die Sichtbarkeit jener Team-Sponsoren reduzieren, deren Fahrer das zusätzliche Trikot übernehmen.
Dem AIGCP-Bericht zufolge argumentierten die Mannschaften, dass eine geringere Präsenz ihrer Sponsoren kommerzielle Folgen haben könnte. Dennoch machte der Vorschlag auf PCC-Ebene weitere Fortschritte. Als Teil eines Kompensationspakets sollen den Teams zusätzliche Hotelzimmer und VIP-Pässe zur Verfügung gestellt werden.
Da die Einführung der Wertung optional bleiben soll, läge die endgültige Entscheidung bei den jeweiligen Rennveranstaltern. Wie groß die Auswirkungen tatsächlich ausfallen würden, dürfte deshalb maßgeblich davon abhängen, wie viele Rennen von der Möglichkeit Gebrauch machen und die zusätzliche Wertung einführen.
Die geplante Neuerung ist zudem Bestandteil eines umfangreicheren Reformpakets, das derzeit im Profiradsport diskutiert wird. Sämtliche Beschlüsse des PCC müssen vor ihrem Inkrafttreten noch vom UCI-Managementkomitee bestätigt werden.
Sicherheit bleibt ein zentrales Thema
Bei der Sitzung in Aigle stand darüber hinaus die Sicherheit der Fahrer besonders im Fokus – insbesondere nach dem Tod des Briten Finlay Tarling bei der Volta a Portugal im August. Der 19-Jährige war nach einem Sturz auf der 8. Etappe verstorben.
Eine der zentralen geplanten Sicherheitsmaßnahmen betrifft das GPS-Tracking von Fahrern in Echtzeit. Nachdem sich die beteiligten Interessengruppen nicht auf einen gemeinsamen Vorschlag einigen konnten, kündigte die UCI an, eigene Protokolle sowie einen regulatorischen Rahmen für die Ortung von Fahrern und Fahrzeugen bei Profirennen zu entwickeln.
Das System soll schrittweise eingeführt werden. Den Anfang sollen ab der Saison 2027 die Men's WorldTour und die Women's WorldTour machen, ehe die Technologie anschließend auf weitere Rennklassen ausgeweitet wird. Ein vergleichbares System kam bereits bei der Radsport-WM 2025 in Kigali in sämtlichen Kategorien zum Einsatz und wird auch bei der Radsport-WM 2026 in Montreal genutzt.