„Großbritannien hat die Tour stets mit Leidenschaft und Stolz empfangen“ – Christian Prudhomme über die Rückkehr der Tour de France 2027 nach Großbritannien

Radsport
Freitag, 16 Januar 2026 um 14:30
Mark Cavendish Christian Prudhomme
Die Tour de France vergibt Grand Départs nicht leichtfertig. Wenn Christian Prudhomme von „Leidenschaft und Stolz“ spricht, schmeichelt er nicht nur dem Gastgeberland. Er begründet, warum das größte Radrennen der Welt erneut auf britischen Straßen beginnen will – diesmal mit Schottland als Auftakt und Wales als Schlusspunkt.
Die Tour de France der Männer startet am Freitag, 02.07.2027, in Edinburgh, führt zunächst nach Carlisle, dann von Keswick nach Liverpool und beendet den britischen Abschnitt von Welshpool nach Cardiff. Es ist eine Strecke, die Grenzen, Identitäten und politische Erzählungen ebenso kreuzt wie unterschiedliches Terrain.
Für den Tour-Direktor geht es bei der Entscheidung um mehr als Logistik. Es geht darum, wie ein Land das Rennen empfängt, wie es das Ereignis versteht und welches Bühnenbild es bieten kann. Christian Prudhomme sagte bei der Streckenpräsentation: „Das Vereinigte Königreich hat die Tour stets mit Leidenschaft und Stolz empfangen, und die heute vorgestellten Details spiegeln die Schönheit und Vielfalt des britischen Terrains wider. Beide Grand Départs hierher zu bringen, zeugt von der Stärke unserer Partnerschaft mit British Cycling und vom Enthusiasmus im Vereinigten Königreich.“
Dieser Satz leistet viel. Er zeichnet Großbritannien nicht als Bieter, der die Tour einfach bezahlt hat, sondern als Partner, der durch vergangene Ausgaben sowie durch Zuschauer, Landschaften und Atmosphäre Vertrauen gewonnen hat. Er macht auch klar, dass ASO Großbritannien als Ort sieht, der Spektakel liefern kann – nicht nur eine Startlinie.
Die Strecke 2027 stützt diese Idee deutlich. Edinburghs historisches Zentrum zündet den Auftakt. Die Scottish Borders und die Eildon Hills geben dem ersten Tag Kontur. Der Lake District und die Pennines liefern Drama auf der zweiten Etappe. Dann hat Wales das letzte Wort, mit acht kategorisierten Anstiegen zwischen Welshpool und Cardiff, darunter Rhigos und Caerffili im Finale.
Das ist kein symbolischer Auslandsstart. Es sind drei Tage, die fürs Fernsehen gemacht sind, das Feld früh testen und Landschaften zeigen, die einer globalen Zuschauerschaft eine Geschichte verkaufen.

Schottland eröffnet die Bühne

Für Schottland ist die Auftaktetappe mehr als ein Sportereignis. Sie wird als Statement gerahmt.
First Minister John Swinney sagte: „Der Start der Tour de France in Edinburgh wird ein Moment von echter nationaler Bedeutung sein und eine kraftvolle Bestätigung dafür, dass Schottland auf den größten internationalen Bühnen liefern kann. Ich freue mich, dass die historischen Straßen unserer Hauptstadt und die wunderschönen Landschaften Schottlands im Zentrum dieses ikonischen Sportereignisses stehen, das von Millionen von Fans entlang der Strecke und weltweit verfolgt wird.“
Swinneys Sprache zielt auf Bestätigung. Die Ausrichtung der Tour wird als Beweis präsentiert, dass Schottland auf die größten Bühnen gehört – nicht nur im Sport, sondern auch in der globalen Sichtbarkeit. Die Tour wird zum Symbol für Kompetenz, Ambition und internationale Relevanz.
Das ist wichtig, denn Grand Départs sind nicht nur Rennen. Sie sind Schaufenster. Für Schottland bedeutet die Eröffnungsrolle, die ersten Bilder zu besitzen, die die Welt von der Tour 2027 sieht.
Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz auf dem Podium der Tour de France 2025
Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz standen auf dem Podium der Tour de France 2025

Wales schließt das britische Kapitel

Wales erhält den Schlusstag der britischen Erzählung – politisch wie sportlich aufgeladen.
First Minister Eluned Morgan sagte: „Wales ist stolz darauf, 2027 erstmals eine Etappe des Grand Départ der Tour de France auszurichten – eine fantastische Gelegenheit, unsere atemberaubenden Landschaften bei einem der größten Sportereignisse der Welt zu präsentieren. Die abschließende UK-Etappe des Männerrennens auszutragen, wird das Profil von Wales als Weltklasse-Ziel für Radsportler und andere Besucher schärfen, mehr Menschen zu Aktivität inspirieren und Wales nachhaltige Vorteile bringen.“
Für Wales geht es bei der Tour um Sichtbarkeit und Identität. Die letzte britische Etappe ist nicht nur ein Renntag, sondern eine Chance, wahrgenommen, erinnert und mit Herausforderung und Schönheit verknüpft zu werden. Das schwere Finale nach Cardiff ist kein Zufall. Es passt zur Erzählung von Härte, Landschaft und Eigenständigkeit, die Wales transportieren will.

Ein Rennen, drei Erzählungen

Zusammengenommen zeigen diese Zitate drei unterschiedliche Arten, über dasselbe zu sprechen.
Prudhomme betont Vertrauen, Partnerschaft und Spektakel. Die Tour kommt nach Großbritannien, weil Großbritannien die Tour richtig aussehen und sich richtig anfühlen lässt. Swinney spricht über Anerkennung. Der Start in Schottland ist ein Beweis für Status auf der Weltbühne. Morgan spricht über Projektion. Die finale UK-Etappe in Wales zeigt, wer Wales vor einem globalen Publikum ist.
Für Radsportfans wird das Rennen die Hauptgeschichte liefern: frühe Hügel, nervöse Felder, Zeitabstände und Gelb-Duelle, noch bevor das Rennen Frankreich erreicht. Dahinter steht eine leise Wahrheit. Die Tour wählt nicht nur Straßen. Sie wählt Geschichten über die Orte, die sie besucht.
2027 beginnen diese Geschichten in Schottland, führen durch England und enden in Wales. Und wenn Prudhomme mit „Leidenschaft und Stolz“ recht behält, wird Großbritannien erneut damit betraut, die Tour wie die Tour wirken zu lassen.
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