ANALYSE: Der Anti-Pogacar-Plan – die drei Fahrer, die seine Dominanz 2026 stoppen könnten

Radsport
Freitag, 16 Januar 2026 um 15:00
Tour de France schneller denn je; Gründe vielfältig, doch Raum für Verdacht bleibt. @Imago
In den vergangenen zwei Jahren hat Tadej Pogacar den Straßenradsport nahezu nach Belieben dominiert. Der Slowene prägt das Peloton, gewinnt auf fast jedem Terrain und in nahezu jedem Rennformat, mit nur wenigen, seltenen Niederlagen. Zum Start der Saison 2026 deutet vieles auf einen noch festeren Griff um den Sport hin.
Auf Pogacars Kalender für die neue Kampagne mit UAE Team Emirates - XRG stehen folgende Rennen:
  • Strade Bianche: 07.03.2026
  • Milano-Sanremo: 21.03.2026
  • Tour of Flanders: 05.04.2026
  • Paris-Roubaix: 14.04.2026
  • Liege-Bastogne-Liege: 26.04.2026
  • Tour de Romandie: 28.04. bis 03.05.2026
  • Tour de Suisse: 17. bis 22.06.2026
  • Tour de France: 04. bis 26.07.2026
Später im Jahr wird er voraussichtlich auch die Weltmeisterschaften in Montreal, die Europameisterschaften in seiner slowenischen Heimat und Il Lombardia ins Visier nehmen. Wieder einmal formt sich eine Saison um die Tour de France, das Regenbogentrikot und die fünf Monumente, insbesondere Milano-Sanremo und Paris-Roubaix, die beiden, die ihm noch fehlen.
Darum richtet sich der Blick bereits auf drei Fahrer, die ihn daran hindern könnten, den Sport komplett zu beherrschen.
Man muss es nicht komplizieren. Diese drei Fahrer sind Mathieu van der Poel, Remco Evenepoel und Jonas Vingegaard. Jeder auf seine Weise und seinem Terrain. Die Anführer von Alpecin, Red Bull und Visma sind die wahrscheinlichsten Herausforderer, die Tadej Pogacar stoppen und verhindern können, dass er erneut als unangefochtene Nummer eins abschließt.
Doch wie sollen sie das anstellen? Hier liegt ihr jeweiliges Potenzial, Pogacar wehzutun, und deshalb könnte 2026 weniger geradlinig werden als 2024 und 2025.

1. Mathieu van der Poel

Zuerst der Star von Alpecin-Premier Tech. Sein Kalender ist noch nicht öffentlich, da er im Cross weiter nach dem achten Regenbogentrikot jagt. Klar ist jedoch: Van der Poel wird die Frühlingsmonumente anpeilen – Milano-Sanremo, die Tour of Flanders und Paris-Roubaix.
Sanremo und Roubaix werden dabei seine entscheidenden Schauplätze. In der Classicissima kommt es darauf an, Pogacars Attacken an der Cipressa und am Poggio zu überstehen.
Anschließend bietet sich im „Hell of the North“ erneut die Chance, ihn zu schlagen, wo Van der Poel die letzten drei Ausgaben gewonnen hat. Ein vierter Sieg in Serie würde ihn an die Spitze der ewigen Bestenliste heben. Aktuell teilen Tom Boonen und Roger De Vlaeminck den Rekord mit je vier Erfolgen.
Gelingt es Van der Poel, Tadej Pogacar erneut bei Milano-Sanremo und Paris-Roubaix zu bezwingen – und ihn auch in Flandern zu kontrollieren, selbst wenn es dort schwieriger ist, einem Antritt des „kleinen Kannibalen“ standzuhalten –, wären Pogacars zwei größte Saisonziele unabhängig vom Rest bereits entglitten. Für den Kapitän von UAE Team Emirates - XRG würde das den Grundton seines gesamten Jahres verändern.

2. Jonas Vingegaard

Selbst wenn Niederlagen in Sanremo und Roubaix schwer wögen, hätte Pogacar weiterhin viele Chancen, 2026 historisch zu gestalten. Vor allem die Tour de France wird erneut alles definieren.
Gewinnt Tadej Pogacar in diesem Jahr die Grande Boucle, zieht er im Alter von nur 27 Jahren mit dem Allzeitrekord von fünf Toursiegen gleich. Diesen halten aktuell Eddy Merckx, Miguel Indurain, Jacques Anquetil und Bernard Hinault.
Darum hat Jonas Vingegaard so großen Einfluss auf Pogacars Vermächtnis. Gewänne der Däne seine dritte Tour de France, würde er nicht nur die Debatte um den besten Grand-Tour-Fahrer ihrer Ära neu entfachen, sondern auch einen Moment blockieren, der für immer in die Radsportgeschichte eingehen würde.
Derzeit wirkt Vingegaards Weg jedoch steiniger. Er wählt erstmals den Giro d’Italia, der wertvolle Vorbereitung sein kann, aber dennoch eine fordernde dreiwöchige Rundfahrt mit großen Höhenmetern ist. Pogacar hingegen scheint über Romandie und Tour de Suisse gezielt in Perfektform zur Tour zu steuern.

3. Remco Evenepoel

Last but not least: Remco Evenepoel, der 2025 sichtbar zermürbt von Pogacars Schatten endete. Bei den Weltmeisterschaften, den Europameisterschaften und in Il Lombardia war der Belgier jeweils klar der Stärkste hinter Pogacar. Er fuhr dreimal solo, wurde aber dreimal Zweiter, weil stets derselbe Mann vor ihm lag.
Wenn Van der Poel die Frühlingsmonumente abdeckt und Vingegaard die Tour de France, fällt Evenepoel die Spätsaison zu. Auch wenn er bei der Tour vom Gelben träumen wird, ist Realismus gefragt – trotz seines Wechsels zu Red Bull - BORA - hansgrohe.
Bei Red Bull-BORA wird weithin erwartet, dass Evenepoel den nächsten Schritt macht, unterstützt von anderen Trainingsansätzen und einem neuen Umfeld. Vielleicht ist dies das Jahr, in dem er genug Punch behält, um Pogacars Langstreckenangriffe bei den Weltmeisterschaften und in der Lombardei zu parieren – zwei Rennen, bei denen er starten dürfte, auch wenn sie noch nicht fix im Kalender stehen.
Dennoch bleibt die Realität klar. Abgesehen von einer großen Überraschung wird Tadej Pogacar die meisten der oben genannten Rennen gewinnen. Er gehört unbestritten zu den Größten und steht derzeit ein, zwei Stufen über Mathieu van der Poel, Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel.
Tatsächlich wäre es erstaunlich, wenn er mehr als Milano-Sanremo und Paris-Roubaix verliert. Doch die Tatsache, dass es mindestens drei Fahrer gibt, die ihn im richtigen Rennen am richtigen Tag stoppen können, verleiht 2026 seine Spannung.
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