ANALYSE: Die ominöse Statistik, die Tom Pidcocks Giro d'Italia-Kampagne so schwierig macht

Radsport
Dienstag, 01 April 2025 um 18:45
pidcock

Mit der heutigen Bekanntgabe, dass das Q36.5 Pro Cycling Team eine Wildcard-Einladung für den Giro d'Italia 2025 erhalten hat, stellt sich die Frage, wie weit ein ProTeam in einem Rennen kommen kann, das traditionell von den Schwergewichten der WorldTour dominiert wird.

Für Q36.5 ist dies ein bedeutender Meilenstein. Seit dem Neustart unter der Leitung von Doug Ryder im Jahr 2023 hat das Team stetige Fortschritte gemacht und 2025 bereits den erfolgreichsten Saisonstart seiner Geschichte hingelegt. Nun steht mit der ersten Grand-Tour-Teilnahme die nächste große Herausforderung bevor – und mit ihr rückt vor allem Tom Pidcock ins Rampenlicht.

Doch ein Blick auf die jüngere Vergangenheit zeigt: Die Erfolgschancen von Wildcard-Teams beim Giro sind gering.

Die Herausforderung für Wildcard-Teams

Beim Giro d'Italia 2024 erhielten vier ProTeams eine Wildcard: Israel-Premier Tech, Polti-Kometa, Tudor Pro Cycling und VF Group-Bardiani-CSF-Faizanè. Doch trotz aktiver Fahrweise und zahlreicher Ausreißversuche konnte keines dieser Teams eine Etappe gewinnen.

Ein wesentlicher Grund dafür war die schiere Dominanz von Tadej Pogačar. Bei seinem Giro-Debüt 2024 gewann der Slowene sechs Etappen und kontrollierte die Gesamtwertung nach Belieben. Ein solches Übergewicht macht es für kleinere Teams nahezu unmöglich, selbst an einzelnen Tagen erfolgreich zu sein.

Tatsächlich muss man bis ins Jahr 2019 zurückblicken, um den letzten Etappensieg eines Wildcard-Teams beim Giro zu finden. Damiano Cima gewann damals für Nippo-Vini Fantini-Faizanè auf dramatische Weise die 18. Etappe, nachdem er sich als letzter Überlebender einer Ausreißergruppe knapp vor dem heranrasenden Peloton ins Ziel rettete – ein seltener, aber umso spektakulärerer Erfolg für ein ProTeam.

Seitdem jedoch haben fast ausschließlich WorldTour-Teams die Etappensiege unter sich ausgemacht. Der wachsende finanzielle und logistische Abstand zwischen den ProTeams und der WorldTour macht es für kleinere Mannschaften immer schwieriger, sich in einem dreiwöchigen Rennen durchzusetzen.

Pidcock als Trumpf von Q36.5

Vor diesem Hintergrund wird Q36.5 den Giro 2025 in Angriff nehmen. Doch diesmal könnte die Ausgangslage anders sein. Mit Tom Pidcock an der Spitze reist das Team nicht nach Italien, um nur Teil des Pelotons zu sein – sie wollen das Rennen aktiv mitgestalten.

Pidcock, Olympiasieger, Klassiker-Spezialist und Tour-de-France-Etappensieger, verfügt über die Fähigkeit, explosive Attacken zu setzen und aus Ausreißergruppen heraus zu gewinnen. Seine Klasse könnte Q36.5 zum gefährlichsten Wildcard-Team seit Jahren machen.

Dennoch sollten die Erwartungen realistisch bleiben. Die jüngste Vergangenheit zeigt, dass bereits eine aktive Fahrweise, häufige Präsenz in Fluchtgruppen und ein solides Debüt als Erfolg gewertet werden können. Aber mit der richtigen Taktik und einem perfekten Timing könnte das Team tatsächlich auf einen Coup hoffen – so wie Damiano Cima 2019.

Ein Team, das man im Auge behalten sollte

Der Giro d'Italia 2025 bietet Q36.5 eine einmalige Gelegenheit. Zwar sind Etappensiege für Wildcard-Teams selten, aber nicht unmöglich. Mit dem Talent von Pidcock, einer entschlossenen Mannschaft und dem Schwung eines starken Saisonstarts könnte Q36.5 zu einer der Überraschungen des Rennens werden.

Eines ist sicher: Wenn das Peloton im Mai ausrollt, wird die Radsportwelt genau beobachten, ob das Team aus Außenseitern zu echten Herausforderern werden kann.

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