Von Arnaud De Lie hatte man erwartet, dass er in den ersten Monaten der Saison 2025 für Furore sorgen würde. Stattdessen kämpft der junge belgische Star mit einer Formkrise, mentaler Erschöpfung und nun auch mit tiefgreifenden Veränderungen in seinem Betreuerteam. Da die Ergebnisse weit hinter den Erwartungen zurückblieben, hat Lotto entschiedene Maßnahmen ergriffen: Die Zusammenarbeit mit De Lies persönlichem Trainer Gaëtan Bille wurde beendet, um den Fahrer wieder auf Kurs zu bringen.
Noch vor wenigen Monaten galt De Lie als Belgiens nächster Klassiker-König, doch seine enttäuschenden Leistungen in diesem Frühjahr haben Zweifel aufkommen lassen. Trotz einiger Highlights im Jahr 2024, darunter der belgische Meistertitel und ein solides Debüt bei der Tour de France, begann 2025 mit verpassten Chancen und steigendem Druck.
Anfang des Jahres hatte De Lie eine neue Partnerschaft mit Bille angekündigt – einem ehemaligen Lotto-Profi, der ihm als Trainingspartner und enger Freund vertraut war. Die Zusammenarbeit sollte auf Vertrauen und einem maßgeschneiderten Ansatz basieren. Doch als die erhofften Ergebnisse ausblieben, sah sich Lotto gezwungen, einzugreifen.
Die Entscheidung, die Zusammenarbeit zu beenden, zeigt, dass das Team die Kontrolle über De Lies Vorbereitung zurückgewinnen möchte. Sportdirektor Kurt Van de Wouwer räumte ein, dass der Fahrer sowohl körperlich als auch mental mit Herausforderungen kämpft – und dass derzeit mehr Fragen als Antworten bestehen.
„In Nokere Koerse lief es nicht gut, also kann man auch in den darauffolgenden Rennen nicht mit Zuversicht fahren“, sagte Van de Wouwer nach De Lies enttäuschendem Auftritt bei Gent-Wevelgem. „Es ist klar, dass Arnaud nicht in seinem normalen Zustand ist und nicht seine üblichen Werte erreicht. Das belastet ihn, auch psychisch. Arnaud ist ein Gewinner – das ist keine einfache Situation für ihn.“
Besonders besorgniserregend ist, dass es bislang keine eindeutige Erklärung für De Lies Krise gibt.
„Letztes Jahr konnten wir das Problem klar identifizieren – diesmal tappen wir ein wenig im Dunkeln“, gab Van de Wouwer zu. „Wir haben Bluttests und andere Untersuchungen durchgeführt, aber es gibt keine konkreten Hinweise. Das beunruhigt mich nicht, denn wir wissen, welches Talent er besitzt.“
Während physische Probleme weitgehend ausgeschlossen scheinen, ist der mentale Druck unübersehbar. Das Selbstvertrauen, das De Lies explosiven Rennstil ausmacht, hat spürbar gelitten.
Angesichts der anhaltenden Probleme hat sich Lotto für einen strategischen Neustart entschieden: De Lie wird vorerst aus dem Rennbetrieb genommen, um sich abseits des Rampenlichts neu zu formieren.
„Letztes Jahr waren wir in einer ähnlichen Situation“, erinnerte sich Van de Wouwer. „Danach hat er sofort sein erstes Rennen gewonnen, wurde belgischer Meister und fuhr eine starke Tour de France. Das würde ich auch jetzt wieder unterschreiben.“
Diese Auszeit soll keineswegs eine Strafe sein, sondern De Lie die Chance geben, sich zu erholen und seine Form zurückzufinden.
„Es ist sinnvoll, ihn eine Weile aus dem Wettbewerb zu nehmen, damit er sich gezielt auf das Kommende vorbereiten kann“, erklärte Van de Wouwer. „Die belgische Meisterschaft ist wieder ein Ziel, die Tour ebenfalls. Sein Talent ist nicht verschwunden – er braucht nur Zeit, um sich neu zu fokussieren. Dann wird er wieder der Arnaud sein, den wir kennen.“
Lotto setzt darauf, dass dieser Schritt die richtige Entscheidung ist. De Lie bleibt zweifellos einer der spannendsten Nachwuchsfahrer – doch die Frage bleibt: Wird dieser Neuanfang ihn zurück zu alter Stärke führen?