Alpecin-Deceuninck ist eine Mannschaft mit klarem Fokus auf Klassiker und Sprints. Trotz hoher Leistungsdichte dreht sich vieles um
Mathieu van der Poel und Jasper Philipsen. Einige starke Klassikerfahrer, teils mit Crosserfahrung, haben deshalb neue Wege gesucht. So auch
Timo Kielich, der nun für
Team Visma | Lease a Bike fährt.
„Ich war dort glücklich, aber nach drei Jahren lief mein Vertrag aus und es war logisch zu schauen, welche anderen Optionen es gibt“, sagte Kielich gegenüber
Sporza. „Für meine Entwicklung war es die beste Wahl. Mit ihrem Ansatz kann ich noch ein besserer Fahrer werden.“
Der 26-Jährige fährt nun seine zweite Saison als WorldTour-Profi und unterschrieb bei Visma für drei Jahre. In seinem Palmarès stehen einige bedeutende Siege, dazu gilt er als herausragender Radbeherrscher mit der nötigen Substanz für Topniveau – etwa Platz 18 bei der diesjährigen Tour of Flanders, obwohl er dort als Helfer für
Mathieu van der Poel unterwegs war.
Kielich erhielt wiederholt Freiheiten für eigene Ergebnisse und nutzte sie unter anderem mit dem Sieg bei der Antwerp Port Epic im Vorjahr. Stand jedoch
Mathieu van der Poel am Start, war seine Rolle klar definiert. „Wir fuhren ähnlich wie Visma | Lease a Bike, aber Mathieu war der Kapitän. Dadurch gab es vielleicht etwas weniger Spielraum für die anderen Fahrer.“
Entsprechend waren die Taktiken weniger auf das Kollektiv ausgerichtet. Kielich übernahm oft Tempoarbeit und hatte nicht immer die gewünschten Angriffsfreiräume. „Dieses ‚gemeinsam gewinnen‘ war bei meinem früheren Team vielleicht etwas weniger ausgeprägt. Nicht, weil es falsch war, sondern weil man immer wusste, wer der Leader ist. Wenn Mathieu im Team ist, ist die Hierarchie klar“, betonte der Belgier.
Klassiker mit Van Aert und Giro mit Vingegaard
Seine Rolle wird bei Visma nicht völlig anders sein, doch dort liegt stärkerer Fokus auf dem Teamergebnis und weniger auf einer Einzelspitze. Das hängt auch damit zusammen, dass im Frühjahr niemand bei Visma die Erfolgsquote eines Van der Poel garantieren kann.
Hat Kielich die Beine, kann er in großen Rennen freie Rollen erhalten. „Meine Aufgabe ist es, die Kapitäne in den entscheidenden Momenten gut zu positionieren. So vermeiden wir, dass sie in die Defensive geraten. In erster Linie fahren wir, um gemeinsam zu gewinnen. Mit wem, ist nicht zwingend entscheidend.“
Er startet seine Saison bei Omloop Het Nieuwsblad und folgt anschließend weitgehend dem Programm von Wout van Aert: Tirreno–Adriatico, Milano–Sanremo und die Kopfsteinpflaster-Klassiker als Priorität. Beide bestreiten auch die Strade Bianche. „Dieses Rennen bin ich noch nie gefahren. Auf dem Papier ist es wegen der Anstiege vielleicht etwas zu schwer für meinen Fahrertyp, aber der Schotter reizt mich sehr.“
Nach dem Frühjahr kehrt Kielich zum Giro d’Italia zurück und soll Jonas Vingegaard auf Flach- und Hügeletappen unterstützen. „Ich war noch nie in der Situation, als Team eine Grand Tour gewinnen zu können. Das wird etwas Besonderes“, schloss er.
Beim Medientag von Visma konnte Radsportaktuell zudem bestätigen, dass zum Aufgebot auch Jonas Vingegaard, Sepp Kuss, Davide Piganzoli, Edoardo Affini, Bart Lemmen, Wilco Kelderman, Victor Campenaerts gehören werden.