„Wir erhalten nie eine Rückmeldung, wo er steht“ – Bjarne Riis kritisiert Vismas Kommunikation um Jonas Vingegaard

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 08 Februar 2026 um 13:00
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Der holprige Start von Jonas Vingegaard in die Saison 2026 hat einen der einflussreichsten Akteure des dänischen Radsports zu öffentlichen Worten bewegt. Bjarne Riis stellt infrage, wie offen Team Visma - Lease a Bike nach Vingegaards Trainingssturz und einer anschließenden Erkrankung kommuniziert hat.
Riis bemüht sich, mit Blick auf Vingegaards langfristige Perspektiven nicht alarmistisch zu klingen. Dennoch unterstreichen seine Aussagen die anhaltende Ungewissheit über den Zustand und die Vorbereitung des Dänen.

Zweifel nach Sturz und Krankheit

In Zitaten, die Ekstra Bladet sammelte, relativierte Riis die unmittelbaren sportlichen Folgen von Vingegaards verpasstem Saisondebüt bei der UAE Tour. Gleichzeitig räumte er ein, dass das Timing alles andere als ideal sei. „Es ist nicht entscheidend, aber natürlich unglücklich“, sagte er über den Rückzug nach einem Sturz bei einer Trainingsausfahrt in Südspanien und einer Erkrankung, die Vingegaards Winteraufbau unterbrochen hatte.
Gerade diese Kombination aus Rückschlägen erschwert aus Riis’ Sicht klare Rückschlüsse auf Vingegaards aktuellen Stand. „Alles hängt davon ab, wie viel er nach der Krankheit trainiert hat, wie lange seine Pause war und wie gut seine Form davor war. Darauf haben wir noch keine Antworten“, erklärte er und fügte beruhigend hinzu: „Es ist also nicht ideal, aber ich bin nicht übermäßig besorgt.“
Genau dieser Mangel an klaren Antworten bildet für Riis den Kern der Frustration. Vingegaard stürzte nahe Malaga bei einer Trainingsfahrt, nachdem ihn Hobbyfahrer verfolgt hatten - ein Vorfall, der später im Peloton eine breitere Debatte über Fanverhalten auf öffentlichen Straßen auslöste. Zwar bestätigte Team Visma - Lease a Bike, dass er schwere Verletzungen vermieden habe, und appellierte an Radfahrende, den Profis im Training Raum zu lassen. Doch wie sich der Sturz konkret auf seine Vorbereitung auswirkte, blieb vage.

Riis stellt Vismas Kommunikation infrage

Für Riis ist diese fehlende Detailtiefe kein Einzelfall, sondern ein bekanntes Muster. „Das Unglückliche für den Rest von uns ist bei Jonas, dass wir vom Visma-Team nie Kommunikation darüber bekommen, wo er steht“, sagte er. „Es ist immer wieder dasselbe Problem.“
Aus seiner Sicht verschärft die Unklarheit über die Folgen des Sturzes die Situation zusätzlich. „Wir haben auch nichts darüber gehört, wie sich der Sturz auf ihn ausgewirkt hat.“
Diese Aussagen folgen auf wochenlange Spekulationen über Vingegaards Verfassung, besonders nachdem seine Absenz bei der UAE Tour feststand. Während das Team die Entscheidung als Vorsichtsmaßnahme einordnete und die Erholung nach der Krankheit priorisierte, deuten Riis’ Worte darauf hin, dass selbst erfahrene Beobachter die Lage ohne klare Leitplanken der Mannschaft zusammensetzen müssen.
Auf die Frage, ob er die Kommunikation in leitender Funktion anders gehandhabt hätte, verlor sich Riis nicht in Details. „Wahrscheinlich ja“, sagte er knapp - und unterstrich damit seinen Standpunkt, dass mehr Offenheit vorzuziehen gewesen wäre.

Kontext über den Sturz hinaus

Riis’ Intervention fügt einer Geschichte, die sich längst über den Sturz hinaus entwickelt hat, eine weitere Ebene hinzu. Frühere Reaktionen von Fahrern wie Paul Penhoet und Benjamin Thomas ordneten den Vorfall in eine breitere Diskussion über die Zugänglichkeit des Radsports und die Verdichtung populärer Trainingszentren in Spanien ein. Riis lenkt den Fokus hingegen weg vom Fanverhalten und hin zur Frage, wie Teams Informationen managen, wenn Rückschläge eintreten.
Team Visma - Lease a Bike entgegnete, man teile, was möglich sei. Pressechef Emile Vaessen erklärte, das Team „kommuniziert fortlaufend offen und transparent das, was wir derzeit wissen“, und die verfügbaren Informationen seien bereits öffentlich gemacht worden.
Für Riis bleibt die zentrale Frage jedoch nicht, ob Vingegaards Saison gefährdet ist, sondern ob die Stille um seinen Zustand nötig ist. Seine Botschaft kommt sachlich statt konfrontativ daher - aber eindeutig: Ohne klarere Kommunikation wird die Ungewissheit genau jene Lücken füllen, die offizielle Updates offenlassen.
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