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Tour de France wird nicht nur von den Stars geprägt, die am Start stehen, sondern auch von jenen, die schmerzlich fehlen. Zwar versammelt die Ausgabe 2026 nahezu die komplette Weltelite des Radsports, doch mehrere prominente Fahrer mussten ihre Hoffnungen auf die Frankreich-Rundfahrt bereits vor dem Grand Départ verletzungs- oder krankheitsbedingt begraben.
Vom bitteren Aus von
Wout van Aert nach einer schweren Ellenbogeninfektion über Oscar Onleys Schulterverletzung bis hin zu Pello Bilbaos Virusinfekt – zahlreiche namhafte Profis werden bei der diesjährigen Tour de France fehlen und hinterlassen damit schon vor dem ersten Kilometer spürbare Lücken im Peloton.
Wout van Aert – Ein bitterer Rückschlag für einen der größten Stars des Pelotons
Kaum ein Fahrer verkörpert den modernen Radsport so sehr wie Wout van Aert. Monument-Sieger, Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France, mehrfacher Tour-Etappensieger, Weltmeister im Cyclocross und einer der dominierenden Klassikerfahrer seiner Generation – der Belgier zählt seit Jahren zu den prägendsten Figuren des Sports.
Nach mehreren von Verletzungen und Rückschlägen geprägten Saisons schien Van Aert 2026 endlich wieder an seine besten Tage anzuknüpfen. Mit dem lange ersehnten Triumph bei Paris–Roubaix gewann er sein zweites Monument und spielte anschließend auch in den weiteren Frühjahrsklassikern eine entscheidende Rolle. Danach richtete sich der Fokus vollständig auf die Tour de France, bei der er Jonas Vingegaard als wichtigster Helfer zum Gelben Trikot führen sollte.
Doch stattdessen folgte der nächste schwere Rückschlag. Bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes stürzte Van Aert und zog sich tiefe Wunden am Ellenbogen zu. Zunächst schien die Verletzung noch kontrollierbar, doch trotz einer Antibiotikabehandlung entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit eine schwere Infektion. Diese machte schließlich eine Operation sowie einen Krankenhausaufenthalt erforderlich, da die behandelnden Ärzte befürchteten, dass die Infektion unbehandelt lebensbedrohlich werden könnte.
Für Visma - Lease a Bike blieb deshalb keine andere Wahl, als Van Aert aus dem Tour-Aufgebot zu streichen. Damit verliert das Team seinen wohl wertvollsten Edelhelfer, während die Tour de France auf einen ihrer größten Publikumslieblinge verzichten muss.
Immerhin gibt es inzwischen positive Signale. Van Aert sitzt bereits wieder auf dem Rad und hat das Training vorsichtig wieder aufgenommen. Allerdings steht weiterhin die vollständige Ausheilung der Infektion im Vordergrund, weshalb seine Rückkehr weniger von seiner Form als vielmehr vom medizinischen Heilungsverlauf abhängt. Als realistisches Comeback-Ziel gilt derzeit die Vuelta a España Ende August.
Wout Van Aert zählt zu den prominentesten Ausfällen der Tour de France 2026. Eine schwere Ellenbogeninfektion verhinderte den Start des Belgiers.
Christophe Laporte fehlt – auch hinter Edoardo Affini steht noch ein Fragezeichen
Mit
Christophe Laporte muss Visma - Lease a Bike bereits seit Wochen auf einen weiteren wichtigen Leistungsträger verzichten. Der ehemalige Europameister kämpfte nach einer von Verletzungen geprägten Saison 2026 über Monate mit körperlichen Problemen und schaffte es letztlich nicht rechtzeitig, sich für das Tour-Aufgebot zu empfehlen.
Sein Ausfall trifft Jonas Vingegaard besonders hart. Laporte zählt seit Jahren zu den wichtigsten Straßenkapitänen des Teams und spielt vor allem auf flachen Etappen sowie bei Windkanten eine entscheidende Rolle, wenn es um Positionierung und Rennkontrolle geht.
Die Sorgen bei Visma - Lease a Bike wurden noch größer, als Edoardo Affini bei den italienischen Zeitfahrmeisterschaften bereits nach sechs Kilometern schwer stürzte. Der amtierende Europameister im Einzelzeitfahren musste nach dem Unfall mit dem Krankenwagen abtransportiert werden, wodurch seine Teilnahme an der Tour de France sofort infrage stand.
Immerhin brachten die anschließenden Untersuchungen Entwarnung: Frakturen wurden nicht festgestellt. Dennoch beobachtet das Team seinen Gesundheitszustand bis zum Grand Départ weiterhin genau. Sollte auch Affini ausfallen, wäre das der nächste herbe Rückschlag für die Mannschaft. Der Italiener gilt als einer der wichtigsten Motoren auf den Flachetappen und war fest für die Kontrolle des Rennens sowie den Schutz von Jonas Vingegaard in der ersten Tour-Woche eingeplant.
Oscar Onley – Der Traum von der Tour platzt kurz vor dem Start
Mit gerade einmal 23 Jahren zählt
Oscar Onley zu den größten Hoffnungen für die Zukunft der Grand Tours.
Nach seinem starken vierten Gesamtrang bei der Tour de France 2025 wechselte der schottische Kletterer im Winter zu Netcompany Ineos. Dort wurde er nach seiner kontinuierlichen Entwicklung bereits als aussichtsreichster Kandidat für die Gesamtwertung bei der Tour de France 2026 gehandelt.
Seine komplette Saison war auf den Formhöhepunkt im Juli ausgerichtet. Doch auf der sechsten Etappe der Tour Auvergne-Rhône-Alpes stürzte Onley in einer Abfahrt schwer und zog sich eine gravierende Schulterverletzung zu. Schnell wurde klar, dass seine Teilnahme an der Tour gefährdet war. Weitere Untersuchungen bestätigten schließlich, dass er bis zum Grand Départ in Barcelona nicht rechtzeitig fit werden würde.
„Ich bin am Boden zerstört“, erklärte Onley nach der endgültigen Entscheidung. Gleichzeitig betonte er, dass sein voller Fokus nun auf der Rehabilitation und einer erfolgreichen zweiten Saisonhälfte liege.
Schulterverletzungen verlaufen je nach Schwere sehr unterschiedlich. Nach einer Ausrenkung benötigen Profis in der Regel zwischen sechs und zehn Wochen bis zur Rückkehr in den Rennbetrieb – abhängig von möglichen Bandverletzungen und der Stabilität des Gelenks. Verläuft die Rehabilitation planmäßig, könnte Onley realistisch die Vuelta a España oder spätere WorldTour-Rennen ins Visier nehmen.
Sein Ausfall zählt zu den größten sportlichen Verlusten dieser Tour de France. Viele Experten hatten dem Schotten erneut eine Platzierung unter den besten fünf Fahrern der Gesamtwertung zugetraut.
Pello Bilbao – Ein Virusinfekt beendet die Tour-Pläne
Auch Bahrain Victorious muss bei der Tour de France auf einen seiner wichtigsten Fahrer verzichten. Pello Bilbao wurde nach einer Virusinfektion, die er sich während der Tour Auvergne-Rhône-Alpes zuzog, aus dem endgültigen Aufgebot gestrichen.
Der erfahrene Baske zählt seit Jahren zu den konstantesten Grand-Tour-Fahrern im Peloton. Als Tour-de-France-Etappensieger verbindet er eigene Ambitionen mit einer wichtigen Helferrolle und hatte seine gesamte Saison erneut auf den Juli ausgerichtet. Die Erkrankung machte diese Planungen jedoch zunichte.
Im Gegensatz zu klassischen Sturzverletzungen lässt sich der Verlauf einer Virusinfektion nur schwer einschätzen. Zwar kehren viele Profis bereits nach wenigen Wochen wieder ins Renngeschehen zurück, doch ein zu früher Wiedereinstieg birgt ein hohes Risiko für Rückfälle oder anhaltende Erschöpfung. Bahrain Victorious entschied sich deshalb gegen jedes unnötige Risiko und verzichtete auf eine Nominierung Bilbaos.
Verläuft die Genesung ohne Komplikationen, dürfte der Spanier im weiteren Verlauf des Sommers zurückkehren und in der zweiten Saisonhälfte wieder eine wichtige Rolle übernehmen.
Mikel Landa – Die Rückkehr kam nicht mehr rechtzeitig
Kaum ein Fahrer musste in seiner Karriere so häufig Rückschläge verkraften wie
Mikel Landa. Der Spanier stand sowohl beim Giro d’Italia als auch bei der Vuelta a España auf dem Podium und überzeugte bei der Tour de France immer wieder mit seiner Kletterstärke. Doch Verletzungen und Stürze verhinderten regelmäßig seine größten Erfolge.
Der jüngste Rückschlag war die schwere Beckenfraktur, die seine Frühjahrssaison abrupt beendete. Zwar hat Landa inzwischen wieder das Training aufgenommen, doch Soudal Quick-Step kam zu dem Schluss, dass ihm nach der langen Wettkampfpause sowohl die Rennhärte als auch die notwendige Form für drei Wochen auf höchstem Niveau fehlen.
Im Gegensatz zu Wout van Aert oder Oscar Onley scheitert Landas Tour-Teilnahme nicht an einer akuten Verletzung, sondern an der fehlenden Zeit, um nach seiner langen Zwangspause wieder das erforderliche Leistungsniveau zu erreichen.
Beckenfrakturen erfordern häufig mehrere Monate, bis Fahrer sowohl ihre volle Leistungsfähigkeit als auch das notwendige Vertrauen auf dem Rad zurückgewinnen. Deshalb richtet Landa seinen Fokus nun auf spätere Saisonziele, anstatt eine Teilnahme an der Tour de France zu erzwingen.
Mehrere Tour-Hoffnungen wurden bereits beim Giro d’Italia 2026 zunichtegemacht. Schwere Stürze und Verletzungen warfen zahlreiche Fahrer im Kampf um einen Start bei der Tour de France zurück.
Marc Soler – Pogacar muss auf einen seiner wichtigsten Berghelfer verzichten
Marc Solers Ausfall mag nicht die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen, für UAE Team Emirates XRG und Titelverteidiger Tadej Pogacar ist er jedoch von erheblicher Bedeutung.
Der Spanier entwickelte sich in den vergangenen Tour-de-France-Ausgaben zu einem der verlässlichsten Helfer des Slowenen. Ob bei der Tempoverschärfung im Hochgebirge, beim Neutralisieren von Angriffen im welligen Terrain oder als letzter Begleiter seines Kapitäns vor den entscheidenden Anstiegen – Soler erfüllte stets eine Schlüsselrolle im Teamgefüge.
Seine Hoffnungen auf einen Start bei der diesjährigen Tour wurden jedoch durch eine Beckenfraktur zunichtegemacht, die er bei einem schweren Sturz während des Giro d’Italia erlitt. Trotz kontinuierlicher Fortschritte in der Rehabilitation reichte die Zeit nicht aus, um rechtzeitig wieder das notwendige Leistungsniveau für eine Nominierung zu erreichen.
Nun richtet Soler seinen Fokus auf die zweite Saisonhälfte. Ein Comeback bei der Vuelta a España gilt derzeit als das wahrscheinlichste Szenario.
Kevin Vauquelin – Krankheit bremst Frankreichs große Hoffnung aus
Auch Kevin Vauquelins Vorbereitung auf die Tour de France verlief alles andere als optimal. Eine Erkrankung zwang den Franzosen dazu, auf einen Start bei den Französischen Meisterschaften zu verzichten und unterbrach damit ausgerechnet die entscheidende Phase seiner Tour-Vorbereitung.
Zwar handelt es sich nicht um eine schwere Verletzung, dennoch wirft der gesundheitliche Rückschlag Fragen hinsichtlich seiner Verfassung unmittelbar vor dem Grand Départ auf.
Nach einer überzeugenden ersten Saisonhälfte galt Vauquelin als aussichtsreicher Kandidat für Etappensiege und eine starke Platzierung in der Gesamtwertung. Die fehlenden Renneinsätze kurz vor der Tour sind daher alles andere als ideal.
Sollte sich der Franzose jedoch rechtzeitig vollständig erholen, wird er wie geplant beim Grand Départ an den Start gehen.
Josh Tarling verpasst die Tour de France 2026 nach einem Schlüsselbeinbruch. Der Ausfall ist der nächste personelle Rückschlag für Netcompany Ineos.
Josh Tarling – Nächster personeller Rückschlag für Netcompany Ineos
Die personellen Probleme bei Netcompany Ineos sind vor dem Start der Tour de France besonders gravierend. Nachdem mit Oscar Onley bereits der designierte Klassementskapitän ausfällt, musste auch Josh Tarling seine Tour-Hoffnungen vorerst begraben.
Der 22-jährige Waliser zog sich bei einem Sturz während der Tour Auvergne-Rhône-Alpes einen Schlüsselbeinbruch zu und wurde wenig später operiert. Seitdem arbeitet der Zeitfahrspezialist an seinem Comeback, kämpft jedoch gegen die Zeit.
Schlüsselbeinbrüche gehören zwar zu den häufigsten Verletzungen im Profiradsport, dennoch benötigen selbst operierte Fahrer in der Regel vier bis sechs Wochen bis zur Rückkehr in den Rennbetrieb. Bis die volle Leistungsfähigkeit wieder erreicht ist, vergeht meist noch deutlich mehr Zeit. Die verlorenen Rennkilometer stellen daher einen weiteren Rückschlag für Netcompany Ineos dar, das mit Oscar Onley bereits einen wichtigen Fahrer für das Gesamtklassement verloren hat.
Eine Tour de France ohne zahlreiche bekannte Gesichter
Auch wenn die meisten Favoriten auf den Gesamtsieg voraussichtlich in Barcelona an den Start gehen werden, hat das Peloton in den Wochen vor dem Grand Départ zahlreiche prominente Namen verloren. Besonders betroffen sind dabei nicht nur potenzielle Etappenjäger, sondern auch einige der wichtigsten Helfer der Topstars.
Das Fehlen von Fahrern wie Wout van Aert, Oscar Onley, Pello Bilbao, Mikel Landa oder Marc Soler nimmt der Tour de France viel Erfahrung, Kletterstärke und Offensivgeist. Für viele Teams standen deshalb in den vergangenen Wochen nicht nur die letzten sportlichen Vorbereitungen im Mittelpunkt, sondern ebenso medizinische Updates und schwierige Personalentscheidungen.
Für die betroffenen Profis beginnt die Tour de France in diesem Jahr nicht auf den Straßen Frankreichs, sondern vor dem Fernseher oder im Rehazentrum. Ihr Fokus richtet sich nun auf die zweite Saisonhälfte. Rennen wie die Vuelta a España oder die Straßen-Weltmeisterschaften bieten die Chance, eine Saison doch noch erfolgreich zu gestalten, obwohl der Traum von der Tour de France bereits vor dem Grand Départ geplatzt ist.