„Die stärksten Teams dominieren zu leicht“: UCI-Präsident schlägt Gehaltsobergrenze und kleinere Tour-de-France-Aufgebote vor

Radsport
Sonntag, 28 Juni 2026 um 8:00
David Lappartient
UCI-Präsident David Lappartient hat seinen Ruf nach tiefgreifenden Reformen im Profiradsport erneuert und betont, dass Maßnahmen wie eine Gehaltsobergrenze und kleinere Tour-de-France-Teams nötig sind, um den Sport wettbewerbsfähiger und attraktiver zu machen.
In einem aktuellen Interview verteidigte der Franzose zudem schärferes Vorgehen bei der Rennauslegung und pochte darauf, Organisatoren für gefährliche Streckendesigns in die Pflicht zu nehmen. Während frühere Vorstöße für finanzielle Limits von den Teams abgelehnt wurden, sieht Lappartient die Haltung im Wandel, da der Radsport kommerziell weiter wächst.

Gehaltsobergrenze bleibt Priorität

Lappartient warnte, die Bündelung von Topfahrern bei wenigen finanzstarken Teams gefährde die Ausgeglichenheit des Sports. „Um den Sport attraktiv und ausgewogen zu halten, ist es essenziell zu verhindern, dass alle besten Fahrer in derselben Mannschaft landen.“
Er enthüllte, dass die UCI mehr als ein Jahr an einem System zur Gehaltsobergrenze gearbeitet habe, das einsatzbereit war, bevor es von den Teams verworfen wurde. „Wir haben eineinhalb Jahre sehr intensiv daran gearbeitet, und ein solches Cap-System war bereit zur Umsetzung. Aber die Teams haben dagegen gestimmt. Sogar die kleineren Teams lehnten es ab.“
Laut Lappartient ist die Einführung dennoch dringlich, damit kleinere Mannschaften konkurrenzfähig bleiben. „Ohne Gehaltsobergrenze werden die reichsten Teams ihre Umsätze weiter steigern und die besten Fahrer monopolieren. Für kleinere Teams wird das Überleben immer schwieriger.“
Zwar verpflichten Teams wie UAE Team Emirates-XRG weiterhin mehrere Stars, doch räumte Lappartient ein, dass der Einstieg großer neuer Sponsoren auch andere Mannschaften wie Tudor, Q36.5, Lidl-Trek und Decathlon CMA CGM finanziell gestärkt habe. Eine zuvor diskutierte Option sei gewesen, bei Überschreiten eines vereinbarten Ausgabenlimits spürbare finanzielle Sanktionen zu verhängen.

Sechsköpfige Tour-Teams könnten das Rennen unberechenbarer machen

Über finanzielle Reformen hinaus hält Lappartient auch strukturelle Änderungen bei der Tour de France für geeignet, die Rennen spannender zu machen. Er stellte infrage, ob das aktuelle Format mit bis zu 23 Teams zu je acht Fahrern dem Sport noch dient.
„Ist es wirklich sinnvoll, die Tour de France auf 22 oder 23 Teams mit jeweils acht Fahrern zu begrenzen? So können die stärksten Mannschaften ein 3.500-Kilometer-Rennen von Anfang bis Ende kontrollieren.“
Stattdessen schlug er vor, die Zahl der Mannschaften zu erhöhen und gleichzeitig die Teamgrößen zu reduzieren. „Mit 25 Teams zu je sechs Fahrern würde das Rennen weniger vorhersehbar und deutlich spektakulärer.“
Der Vorschlag widerspricht zuvor geäußerten Bedenken mehrerer Teams, wonach ein größeres Peloton die Fahrersicherheit beeinträchtigen könnte.
David Lappartient bei der Flandern-Rundfahrt 2026
David Lappartient at the 2026 Tour of Flanders

Auch Organisatoren müssen in die Verantwortung

Lappartient verteidigte zudem den härteren Kurs der UCI gegenüber Veranstaltern und argumentierte, die Verantwortung für die Sicherheit der Fahrer liege nicht allein bei den Teams.
Er verwies auf die Entscheidung des Weltverbands, den Giro d'Italia mit 50.000 € zu bestrafen, nachdem es Bedenken wegen einer Kurve nur 200 Meter vor dem Ziel während der 6. Etappe der diesjährigen Ausgabe gegeben hatte.
„Veranstalter können eine Strecke nicht in der Hoffnung planen, dass es trocken bleibt. Sie müssen auf jede mögliche Situation vorbereitet sein.“
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