Wout Van Aert wird zu den größten Namen am Start der
Vuelta a Espana 2026 gehören. Zwei Jahre nach seinem Debüt kehrt der Profi von Visma - Lease a Bike zur letzten Grand Tour der Saison zurück. Seine Ziele unterscheiden sich zwar deutlich von denen Tadej Pogacars, dennoch bringt der Belgier alles mit, um zu einer der prägenden Figuren dieser Vuelta zu werden.
Pogacar reist als klarer Topfavorit auf den Gesamtsieg nach Spanien. Der Slowene möchte den Vuelta-Triumph seinen fünf Tour-de-France-Siegen und seinem Giro-d'Italia-Titel aus dem Jahr 2024 hinzufügen. Van Aert dürfte seinen Fokus dagegen auf Etappensiege und das Grüne Trikot richten.
Van Aert hat allen Grund für großes Selbstvertrauen
Der Belgier kann mit reichlich Selbstvertrauen nach Spanien reisen. Seine Saison 2026 hat gezeigt, dass er wieder nahe an jenem Niveau agiert, das ihn zu einem der gefürchtetsten und vielseitigsten Fahrer im gesamten Peloton gemacht hat.
Wout Van Aert kehrt zwei Jahre nach seinem bitteren Aus bei der Vuelta a Espana zurück. Nach einer starken Saison 2026 will der Belgier in Spanien Etappen und das Grüne Trikot jagen.
Und dass Van Aert bei der Vuelta auf unterschiedlichstem Terrain erfolgreich sein kann, hat er bereits bewiesen. Seine erste Teilnahme vor zwei Jahren liefert dafür den besten Beleg.
Van Aerts offene Rechnung mit der Vuelta 2024
Van Aerts Vuelta-Debüt 2024 entwickelte sich zu einer der auffälligsten individuellen Vorstellungen des gesamten Rennens. Innerhalb von zwei Wochen gewann er drei Etappen, zudem landete er bei vier weiteren Teilstücken unter den besten Drei. Damit übernahm der Belgier souverän die Führung in der Punktewertung und stellte gleichzeitig unter Beweis, wie gefährlich er auf unterschiedlichstem Terrain sein kann.
Dabei beschränkte sich Van Aert keineswegs darauf, auf klassische Sprintgelegenheiten zu warten. Ob in reduzierten Sprints, auf anspruchsvollen und welligen Etappen oder an Tagen, deren Profile eine aggressive Fahrweise begünstigten – der Belgier mischte immer wieder im Kampf um den Tagessieg mit.
Seine beeindruckende Serie endete jedoch abrupt auf der 16. Etappe. Auf der Abfahrt in Richtung Lagos de Covadonga kam Van Aert schwer zu Fall und musste das Rennen aufgeben. Wieder einmal befand er sich zu diesem Zeitpunkt mitten im Kampf um den Etappensieg.
Damit war seine Vuelta ausgerechnet in einer Phase beendet, in der er das Grüne Trikot zu dominieren schien. Zwei Jahre später kehrt Van Aert nun mit einer offenen Rechnung nach Spanien zurück.
Van Aert reist mit großen Siegen im Rücken nach Spanien
Seine Saison 2026 hat den Eindruck zusätzlich verstärkt, dass Van Aert über drei Wochen erneut eine Hauptrolle spielen kann. Den größten Erfolg feierte er im April bei Paris-Roubaix. Dort bezwang er Pogacar im Velodrom von Roubaix und sicherte sich einen der bedeutendsten Siege seiner Karriere.
Es war ein Triumph, dem Van Aert über Jahre hinweg hinterhergejagt war – und gleichzeitig eine eindrucksvolle Erinnerung daran, dass der Belgier weiterhin in der Lage ist, auf den größten Bühnen des Radsports zu gewinnen.
Auch bei der Tour Auvergne-Rhone-Alpes war Van Aert erfolgreich. Er gewann eine Etappe und gehörte zudem zur siegreichen Mannschaft von Visma - Lease a Bike im Teamzeitfahren. Eine dort erlittene Verletzung kostete ihn allerdings letztlich die Teilnahme an der Tour de France.
Seine anschließende Rückkehr ins Renngeschehen hätte dafür kaum erfolgreicher verlaufen können. Bei der Dänemark-Rundfahrt gewann Van Aert die ersten drei Etappen in Serie und krönte seine Vorstellung anschließend mit dem Gesamtsieg. Damit absolvierte er einen nahezu idealen letzten Rennblock vor der Vuelta.
Pogacar und Van Aert treffen erneut aufeinander
Ihre Ambitionen bei der Vuelta unterscheiden sich grundlegend, dennoch dürften sich die Wege von Pogacar und Van Aert während der drei Wochen immer wieder kreuzen. Pogacar konzentriert sich auf das Gesamtklassement und möchte seine Sammlung an Grand-Tour-Siegen komplettieren. Van Aert dürfte sich aus diesem Kampf heraushalten und stattdessen Etappensiege sowie die Punktewertung ins Visier nehmen. Eine entscheidende Gemeinsamkeit gibt es dennoch: Beide besitzen die Qualität, bei dieser Vuelta gleich mehrfach zu gewinnen.
Pogacar wird naturgemäß immer dann zu den großen Favoriten gehören, wenn es in die Berge oder zu explosiven Bergankünften geht. Seine enorme Vielseitigkeit im Kletterbereich verschafft ihm während der drei Rennwochen zahlreiche Möglichkeiten auf Etappensiege.
Van Aerts Qualitäten liegen teilweise in anderen Bereichen, sein Einsatzspektrum ist jedoch ebenfalls enorm. Schnelle Finals, hügelige Etappen, anspruchsvolle Schlussphasen und Ausreißerszenarien kommen dem Belgier entgegen. Für einen Sieg ist er keineswegs auf einen klassischen Massensprint angewiesen. Gleichzeitig kann er schwere Rennen überstehen, in denen viele reine Sprinter längst keine Rolle mehr spielen.
Genau diese Vielseitigkeit machte Van Aert bereits bei der Vuelta 2024 so gefährlich. Das Streckenprofil dürfte Pogacar insbesondere in den Bergen mehr offensichtliche Chancen auf Etappensiege bieten. Van Aert wiederum kann gerade an jenen Tagen zuschlagen, an denen der Rennverlauf wesentlich schwieriger vorherzusagen ist.
Erreicht der Belgier das Niveau seiner Vuelta-Premiere vor zwei Jahren, könnte sich der Kampf um das Grüne Trikot schnell zu einer der großen Geschichten der Rundfahrt entwickeln.
Visma - Lease a Bike setzt bei Etappensiegen auf Van Aert
Van Aerts Rolle besitzt auch für Visma - Lease a Bike besondere Bedeutung. Da Jonas Vingegaard nicht um den Gesamtsieg kämpfen wird, ist der Belgier der eindeutigste Bezugspunkt des Teams bei der Jagd nach Etappenerfolgen. Entsprechend große Freiheiten dürfte er während der Rundfahrt genießen.
Die Punktewertung ist dabei ein naheliegendes Ziel, dürfte aber kaum die einzige Ambition sein. Praktisch jede Etappe, die irgendwo zwischen einem reinen Massensprint und einem ausgewachsenen Hochgebirgstag liegt, kann zu einer Gelegenheit für Van Aert werden.
Pogacars Jagd auf den Vuelta-Titel wird die Geschichte vor dem Start zwangsläufig dominieren. Schließlich möchte der Slowene mit einem Triumph in Spanien seine Sammlung an Grand-Tour-Gesamtsiegen vervollständigen. Das Rampenlicht dürfte ihm während der drei Wochen allerdings keineswegs allein gehören.
Van Aert reist schließlich als Sieger von Paris-Roubaix und der Dänemark-Rundfahrt zur Vuelta. Hinzu kommt sein Etappenerfolg bei der Tour Auvergne-Rhone-Alpes, ehe ihn eine Verletzung die Teilnahme an der Tour de France kostete. Während Pogacar das Rote Trikot jagt, nimmt Van Aert Etappensiege und Grün ins Visier. Gelingt es ihm, an seine herausragende Vuelta-Form von 2024 anzuknüpfen, wird in Spanien längst nicht nur Pogacar regelmäßig im Mittelpunkt stehen.
Wout Van Aert und Tadej Pogacar bei der Vuelta a España 2026
| Fahrer | Team | Hauptziel | Größte Motivation |
| Tadej Pogacar | UAE Team Emirates – XRG | Etappen und Gesamtwertung | Seine Sammlung an Grand-Tour-Siegen vervollständigen |
| Wout Van Aert | Team Visma - Lease a Bike | Etappen und Punktewertung | Seine herausragende Vuelta 2024 wiederholen |