Remco Evenepoel widerspricht Patrick Lefevere: Einen Start bei der Flandern-Rundfahrt „wurde immer blockiert“
Radsport
Remco Evenepoel hat über seine Rivalen, Mailand–Sanremo, den Grund für die geheime Flandern-Premiere gesprochen und sogar erzählt, dass er das Rennen früher schon fahren wollte, aber von Soudal - Quick-Step nicht durfte. Das widerspricht direkt den Worten seines Ex-Managers Patrick Lefevere, der zuvor behauptet hatte, Evenepoel habe sich nicht überzeugen lassen.
Evenepoel erklärt geheime Flandern-Premiere und widerspricht Lefevere
„Ich fühle mich bereit. Ich bin es gewohnt, Monumente zu fahren, und werde mich nicht anders vorbereiten“, sagte der Olympiasieger heute Nachmittag auf einer Pressekonferenz. „Es ist ein Rennen, das ich schon lange fahren wollte, aber das in der Vergangenheit ein bisschen ausgebremst wurde.“
Diese Aussage steht in klarem Widerspruch zu dem, was Patrick Lefevere Anfang der Woche gesagt hat. „Ich habe ihm jahrelang gesagt, dass er Flandern fahren sollte, aber damals wollte er nicht“, sagte Lefevere in einem aktuellen Interview mit Het Laatste Nieuws. „Jetzt gibt es vielleicht Leute um ihn, die mehr Einfluss haben. Es scheint, er hat seine Meinung geändert und jemand hat ihn überzeugt.“
Evenepoel sieht das anders und sagt, ihm sei mehrfach der Start in Flandern verboten worden. „Ich glaube, ich habe bei meinem vorherigen Team mindestens drei Jahre in Folge darum gebeten, starten zu dürfen. Das wurde immer blockiert. Man hielt mich dort außen vor, um mich auf andere Ziele zu fokussieren.“ Es ist möglich, dass beide über unterschiedliche Jahre sprechen, doch das ist eher unwahrscheinlich. Nach 2021 war Quick-Step in den Kopfsteinpflaster-Klassikern, die das Team früher dominierte, nur selten im Geschäft. Und es ist sehr plausibel, dass Evenepoel in den vergangenen Saisons auf einen Start brannte. Die Frage, wer die Wahrheit sagt, bleibt offen.
„Dieses Jahr habe ich es durchgedrückt. In den Meetings sagte ich diesmal: ‚Entweder ich fahre den Giro oder die Tour.‘ Als klar war, dass der Giro keine Option ist, stand Flandern auf meinem Programm. Dann wollten wir schauen, wie ich durch die Saison komme. Aber mir war klar: Da wird mich niemand mehr umstimmen.“
Flandern geheim gehalten
Ganz ohne Kontroversen ging das nicht. Die Entscheidung fiel im Dezember, doch Red Bull - BORA - hansgrohe hielt sie geheim. Die Kritik entzündete sich weniger daran, sondern daran, dass Journalistinnen und Journalisten bis in den Morgen des 01.04. mit einem klaren Dementi von Evenepoels Teilnahme konfrontiert wurden – bis er sie dann in den sozialen Medien selbst enthüllte.
„Hätten wir gesagt, es sei eine Option, wäre es für euch ohnehin ein ‚Ja‘ gewesen. Wir wollten abwarten, wie der Saisonaufbau und die Katalonien-Rundfahrt laufen. Das war der Hintergrund. Mir ist klar, dass das nur einmal funktioniert. Ab nächstem Jahr gebe ich mein komplettes Programm, da wird wenig geschraubt. Aber jetzt war es das erste Mal, und es ist ein Risiko, ohne ein anderes Kopfsteinpflaster-Rennen in den Beinen zu starten. Deshalb haben wir so lange wie möglich gewartet. Doch es gab wirklich niemanden, der mich vom Start hätte abbringen können.“
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„Ich habe meine Social-Media-Accounts in den letzten zwei Wochen vor dem ganzen Trubel bewusst stillgelegt. Ich konnte ganz entspannt genießen, wie wir euch reingelegt haben“, scherzte er. „Ich hätte es lieber früher gesagt, aber Mittwoch war die vereinbarte Zeit. Dass das der 1. April war, ist Zufall, vor allem war es ein Renntag. Das war die Marketing-Seite. Nächstes Jahr funktioniert das nicht, und es ist nicht unsere Absicht, so etwas geheim zu halten. Dann wisst ihr im Dezember alles.“
„Ich bin in einem Team, dessen Marketing erstklassig ist. Es war schwierig, das anders zu lösen. Waren die Videos mein Plan? In Abstimmung mit dem Team und der Marketingabteilung. Alles war abgesprochen.“

Remco Evenepoel während der 5. Etappe der Volta a Catalunya 2026
Paris–Roubaix ist dagegen kein Geheimnis. Auch wenn man bei Flandern dasselbe sagte… „Nein, nein, sicher nicht. Vielleicht nächstes Jahr.“
Mit Unterstützung von Fahrern wie Gianni Vermeersch und Tim van Dijke wartet nun eine harte, aber realistische Aufgabe: um den Sieg im zweiten Monument der Saison zu kämpfen – etwas, das sein Hauptgegner Tadej Pogacar bereits als machbar bewiesen hat.
„Glaube ich, dass ich gewinnen kann? Sonst würde ich hier nicht starten. Während des COVID-Lockdowns bin ich zweimal pro Woche hierher zum Training gekommen. Was die Streckenkenntnis angeht, hinke ich niemandem hinterher. Ohne Vertrauen würde ich hier nicht antreten.“
„Mathieu, Tadej und Wout haben schon oft genug bewiesen, dass sie hier gewinnen können oder nahe dran sind. Für mich ist Rennen auf diesem Parcours neu. Das ist etwas anderes als Training“, argumentiert er. Das Rennen ist zudem kletterlastiger geworden und weniger taktisch geprägt, was seine Chancen verbessert.
„Von den Fähigkeiten her kann ich nahe an sie herankommen, aber wegen der fehlenden Erfahrung ordne ich mich unter ihnen ein.“
„Die Unterschiede entstehen an den Anstiegen, und danach kann man nicht viel schneller fahren als die anderen, weil es so hart ist. Kraft ziehe ich aus dem Amstel (Gold Race 2025, als er und Mattias Skjelmose Pogacar stellten, Anm.), auch wenn das ein anderes Rennen ohne Kopfsteinpflaster ist. Aber es gibt genug Stellen, an denen man den Unterschied machen kann.“
Evenepoel wirkt hochmotiviert. Er lebt inzwischen in Spanien, kehrt aber regelmäßig nach Belgien zurück und trainiert dort oft. Im Dezember fuhr er erneut eine Streckenbesichtigung der Berge, was die Spekulationen anfachte, und an diesem Donnerstag testete er mit seinen Teamkollegen erneut. Auf einem schlammigen Koppenberg kam er dennoch fahrend hoch – ein wichtiger Faktor, weil Laufen im Rennen ein Risiko ist.
„Zum Glück kommt der Koppenberg, nachdem schon etwas passiert ist. Da ist das Feld nicht mehr komplett. Der zweite Anstieg zum Kwaremont wird wie immer sehr hektisch, aber ab 140 Kilometern vor dem Ziel muss man vorn sein. Ich freue mich auf den ganzen Tag. Vom Aufwachen bis – hoffentlich – nicht Schlafen müssen. Die Fans werden mir einen Adrenalinschub geben.“
Das Argument des Risikos steht im Raum, doch im Vergleich zu seinen anderen Zielen ist der Unterschied gering. „Nein, das hat für mich keine Rolle gespielt. Das Team sieht das mit Blick auf Lüttich und die Tour vielleicht anders, aber dort kann man auch stürzen. Regen ist immer gefährlich.“
Flandern statt Sanremo
Evenepoel räumt ein, dass Mailand–Sanremo lange eine Option war, die sich wegen des schlechten Wetters auf Teneriffa, das auch seinen Start in der Katalonien-Rundfahrt bedrohte, und wegen der bereits getroffenen Flandern-Entscheidung zerschlug.
„Ja, das war sehr lange auf dem Tisch. Wir haben Sanremo wegen des schlechten Wetters auf Teneriffa gestrichen. Und ich wusste, dass ich hier starten würde. Die Kombination aus Sanremo, Katalonien und Flandern wäre zu viel gewesen.“
Das Ziel für diesen Sonntag: gewinnen. „Wir können mit mehreren Fahrern punkten. Das ist unser Luxus. Wir sind in einem sehr guten Flow. Aber am liebsten würde ich selbst gewinnen.“
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Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








