Der Honeymoon-Glanz um Remco Evenepoels perfekten Einstand bei
Red Bull - BORA - hansgrohe bekommt einen scharfen Kontrapunkt aus der Vergangenheit. Während der Belgier sportlich einen Traumstart feiert, schlägt sein früherer Teamchef
Patrick Lefevere öffentlich einen völlig anderen Ton an. In einem unverblümten, sehr persönlichen Interview macht Lefevere keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen
Ralph Denk und der Art und Weise, wie Evenepoels Abschied von Soudal - Quick-Step ablief.
„Ich hasse ihn. Er hat die Regeln missachtet“, sagte Lefevere und sprach von einer langen Werbephase durch Denk und Red Bull, die dem späteren Wechsel vorausgegangen sei. Die Aussagen stammen aus einem Interview, das in Belgien für erhebliches Aufsehen sorgte.
Ein seit Jahren vorbereiteter Wechsel, so Lefevere
Im
Podcast Radio Peloton von La Dernière Heure erklärte Lefevere, er habe bei der Union Cycliste Internationale offiziell Beschwerde gegen die Vorgehensweise im Fall Evenepoel eingereicht. Er verwies dabei auf eine Regel, nach der alle beteiligten Parteien zustimmen müssen, bevor ein Fahrer seinen Vertrag vorzeitig auflösen kann. Nach Lefeveres Darstellung reichten Denks Versuche, den Belgier zu verpflichten, bis ins Jahr 2021 zurück. Gleichzeitig deutete er an, dass der Verband ein Einschreiten gescheut habe.
„Die UCI hat nichts gesagt, weil sie Angst vor Red Bull hat“, so Lefevere. „Wenn es vor Gericht ginge, hat Red Bull unbegrenzte finanzielle Mittel, die die UCI in die Insolvenz treiben würden.“
Das sind schwere Vorwürfe, die im deutlichen Gegensatz zur positiven Erzählung rund um Evenepoels erste Wochen in neuen Farben stehen. Während der Fahrer selbst von akribischer Detailarbeit, neuem Vertrauen und einer klaren sportlichen Vision spricht, zeichnet Lefevere ein Bild aus Frust, Regelbeugung und einer spürbaren Kräfteverschiebung im modernen Radsport.
Lefevere betonte, die Probleme hätten lange vor dem endgültigen Abschied begonnen. Der Kontakt von Denk sei aus seiner Sicht dauerhaft gewesen. „Ich habe Soudal das Remco-Projekt für fünf Jahre verkauft. Und dann, nach drei Jahren, ging der Ärger los.
Ralph Denk bot Remco einen Vertrag an. Und danach hörte es nie auf.“
Er zog einen Vergleich zu seiner eigenen Vergangenheit und räumte ein, in den 1990er-Jahren in einen heiklen Transfer um Frank Vandenbroucke verwickelt gewesen zu sein. Gleichzeitig betonte er, ein solches Verhalten später nicht wiederholt zu haben. So verwies er darauf, 2018 bewusst darauf verzichtet zu haben, Wout van Aert unter ähnlichen Umständen zu verpflichten.
„Ich hätte Wout van Aert zu einem Zeitpunkt holen können. Ich sagte ihm, er sei willkommen, wenn er die Entschädigung für den Vertragsbruch zahle, aber das hat er nicht getan.“
Verständnis, aber keine Zustimmung
Trotz aller Wut zeigte Lefevere zumindest teilweise Verständnis für Evenepoel selbst. Auf die Frage, ob er die Entscheidung des Fahrers nachvollziehen könne, antwortete er differenziert.
„Ja und nein. Ich kann verstehen, dass man sein Umfeld irgendwann satt hat. Und gut, ich kann auch verstehen, dass man, wenn man ehrgeizig ist, denkt, anderswo sei das Gras grüner. Ich hoffe nur, er bittet in zwei Jahren nicht um eine Rückkehr.“
Dieser Satz klingt zugleich nach Resignation und Bitterkeit. Er verdeutlicht, wie persönlich und emotional diese Trennung für den langjährigen Teamchef geworden ist.
Der Hintergrund eines perfekten Red-Bull-Starts
All dies geschieht vor dem Hintergrund eines sportlich makellosen Einstands von
Remco Evenepoel bei
Red Bull - BORA - hansgrohe. Bei der Challenge Mallorca feierte der Belgier einen perfekten Start: ein Sieg im Mannschaftszeitfahren, dazu zwei eindrucksvolle Solosiege. Viele werteten diese Leistungen als klaren Beleg dafür, dass sich der Wechsel sofort auszahlt.
Die Aussagen von
Patrick Lefevere legen jedoch eine Parallelgeschichte hinter den Kulissen offen. Sie zeigen, wie Transfers an der Spitze des Radsports zunehmend von finanzieller Schlagkraft, langjährigem Werben und unscharfen Vertragsgrenzen geprägt sind. Im Zentrum der Vorwürfe steht dabei
Ralph Denk, während Lefevere auch die Rolle von Union Cycliste Internationale kritisch hinterfragt.
Ob seine Behauptungen über sein eigenes Zeugnis hinaus Bestand haben, bleibt offen. Sicher ist jedoch: Sie verändern den Blick auf ein Kapitel, das bislang wie ein reibungsloser, gefeierter Neustart für Evenepoel und Red Bull wirkte.