ANALYSE: Vauquelin, Bernal und Co. treiben den frühen Aufschwung der INEOS Grenadiers 2026 an
Radsport
Das erste Viertel der Saison 2026 ist noch nicht abgeschlossen, doch erste klare Tendenzen zeichnen sich bereits ab. Besonders INEOS Grenadiers fällt ins Auge, denn nach schwierigen Jahren zeigt das britische Team deutliche Anzeichen einer sportlichen Erholung.
Ein Blick auf die aktuellen individuellen UCI-Ranglisten bestätigt diesen Trend. Mehrere Fahrer sind stark in die Saison gestartet. Neuzugänge wie Kevin Vauquelin, Dorian Godon und Oscar Onley liefern früh überzeugende Ergebnisse, während auch Egan Bernal zu den bislang erfolgreichsten Punktesammlern des Teams zählt.
Fünf Fahrer prägen den starken Saisonstart
Der spanische Kletterer Carlos Rodriguez hatte in den ersten Monaten dagegen größere Probleme und rangiert aktuell weiter hinten in der internen Teamwertung.
Nachfolgend stehen die fünf INEOS-Fahrer mit den meisten UCI-Punkten im Jahr 2026.
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1. Kevin Vauquelin (443,6 Punkte)
Der 24-jährige Franzose startete bei der Volta ao Algarve in die Saison und überzeugte mit konstanten Leistungen. Er belegte Platz 24 auf der ersten Etappe, Rang 9 auf der zweiten, wurde Sechster im Einzelzeitfahren, 29. auf der vierten Etappe und erneut Neunter zum Abschluss.
Damit fuhr er auf jeder Etappe in die Top 30. In der Bergwertung belegte er Rang 13, in der Punktewertung Platz 19 und im Gesamtklassement wurde er Fünfter. Nur Juan Ayuso, Paul Seixas, Joao Almeida und Teamkollege Oscar Onley lagen vor ihm.
Anschließend folgte Paris–Nizza, das vor zwei Tagen endete. Vauquelin begann mit den Plätzen 32 und 28 eher verhalten. Das Teamzeitfahren entschieden die INEOS Grenadiers für sich, wodurch er zwischenzeitlich auf Rang zwei der Gesamtwertung lag. Auf der Etappe nach Uchon wurde er Sechster, nachdem er 57 Kilometer an der Spitze gefahren war, verlor dabei jedoch zwei Positionen im Kampf um Gelb.
Am Ende verteidigte er Rang vier bis ins Ziel, nach zwei siebten Plätzen, einem 18. und einem vierten Rang in der zweiten Rennhälfte.
Nur Jonas Vingegaard, Daniel Felipe Martinez und Georg Steinhauser lagen vor ihm. Besonders knapp fiel der Rückstand auf Steinhauser aus, der nur 17 Sekunden schneller war und Vauquelin damit sowohl das Podium als auch die Nachwuchswertung verwehrte.
2. Dorian Godon (223,6 Punkte)
Godon bestritt bislang ausschließlich Rennen in Frankreich. Er begann bei der Tour de la Provence, wo die Etappenplätze 16, 45 und 19 am Ende Rang 42 im Gesamtklassement bedeuteten.
Es folgten Platz 93 bei der Faun Ardeche Classic und Rang 6 bei der Faun Drome Classic, geschlagen unter anderem von Romain Gregoire, Matteo Jorgenson, Lenny Martinez, Quinten Hermans und Paul Lapeira.
Bei Paris–Nizza setzte Godon dann ein klares Ausrufezeichen. Er wurde 14. in Carrieres sous Poissy, Vierter in Montargis, half dem Team zum Sieg im Teamzeitfahren und fuhr später in Apt hinter Harold Tejada auf Rang zwei. Sein größter Erfolg war der Etappensieg nach Isola.
Im Gesamtklassement belegte Godon Rang 39 und wurde Zweiter in der Punktewertung, nur geschlagen von Jonas Vingegaard.
3. Magnus Sheffield (213 Punkte)
Der 23-jährige US-Amerikaner eröffnete seine Saison bei der Volta a la Comunitat Valenciana. Er wurde 14. in Torreblanca, Sechster im Einzelzeitfahren, 16. in San Vicente del Raspeig, erneut Sechster in Teulada Moraira und 29. auf der Schlussetappe in Valencia.
Diese Konstanz brachte ihm Rang 22 in der Punktewertung, Platz 10 in der Bergwertung und Rang 3 in der Nachwuchswertung. Im Gesamtklassement wurde Sheffield Sechster, hinter Remco Evenepoel, Joao Almeida, Giulio Pellizzari, Antonio Tiberi und Brandon McNulty.
Beim Omloop Het Nieuwsblad spielte er keine Rolle und erreichte als 111. das Ziel.
Deutlich stärker präsentierte er sich bei Tirreno–Adriatico. Er wurde Vierter im Auftaktzeitfahren, profitierte dabei auch von einer starken Teamleistung mit drei INEOS-Fahrern in den Top vier. Im weiteren Verlauf fuhr er die Etappenplätze 19, 68, 42, 13, 8 und 26 ein und beendete das Rennen als Neunter der Gesamtwertung.
Vor ihm lagen unter anderem Isaac del Toro, Matteo Jorgenson, Giulio Pellizzari, Tobias Halland Johannessen, Primoz Roglic, Giulio Ciccone, Santiago Buitrago und Ben Healy.

Magnus Sheffield bei Tirreno–Adriatico
4. Sam Welsford (180 Punkte)
Der australische Sprinter Sam Welsford, der von Red Bull - BORA - hansgrohe zum Team stieß, startete ebenfalls solide in die Saison.
Er begann im Ozeanien-Block, gewann die Western Australia Criterium Championships, wurde Zweiter im Kriterium der nationalen Meisterschaften und belegte Rang 32 im australischen Straßenrennen. Anschließend startete er beim Santos Tour Down Under.
Dort gewann er die Etappe in Nairne, wurde Dritter in Tanunda hinter Tobias Lund Andresen und Matthew Brennan und belegte zusätzlich Rang drei in der Punktewertung. Später gewann er das Cadel Evans Criterium, konnte das Cadel Evans Great Ocean Road Race jedoch nicht beenden.
Zurück in Europa fuhr er die UAE Tour mit den Etappenplätzen 9, 14 und 3 auf der Schlussetappe, bei der nur Jonathan Milan und Erlend Blikra schneller waren.
Sein bislang letztes Rennen war Tirreno–Adriatico. Dort wurde er auf der ersten Etappe 15., auf der dritten Etappe Sechster und auf der Schlussetappe hinter Milan Zweiter. In der Punktewertung belegte er schließlich Rang zehn.
5. Egan Bernal (180 Punkte)
Egan Bernal absolvierte 2026 bislang nur drei Renntage, sammelte dabei jedoch bereits 180 UCI-Punkte. Er wurde Fünfter im kolumbianischen Zeitfahren und sicherte sich anschließend den nationalen Straßenmeistertitel.
Sein einziges weiteres Rennen war bisher die Faun Ardeche Classic, bei der er Rang sieben belegte, hinter Paul Seixas, Jan Christen, Lenny Martinez, Matteo Jorgenson, Mattias Skjelmose und Davide Piganzoli.
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UCI-Ranglistenplätze der INEOS Grenadiers-Fahrer
| Rang | Fahrer | Nation | UCI Punkte |
| 26 | Kevin Vauquelin | Frankreich | 443.6 |
| 65 | Dorian Godon | Frankreich | 223.6 |
| 72 | Magnus Sheffield | USA | 213 |
| 89 | Sam Welsford | Australien | 180 |
| 90 | Egan Bernal | Kolumbien | 180 |
| 104 | Oscar Onley | Großbritannien | 148.6 |
| 119 | Samuel Watson | Großbritannien | 136.6 |
| 131 | Brandon Smith Rivera | Kolumbien | 129 |
| 132 | Thymen Arensman | Niederlande | 128 |
| 143 | Carlos Rodriguez | Spanien | 118.6 |
| 171 | Filippo Ganna | Italien | 100 |
| 187 | Embret Svestad Bardseng | Norwegen | 90 |
| 230 | Ben Turner | Großbritannien | 73 |
| 248 | Joshua Tarling | Großbritannien | 68.6 |
| 274 | Andrew August | USA | 60 |
| 544 | Axel Laurance | Frankreich | 24 |
| 562 | Michal Kwiatkowski | Polen | 22.6 |
| 748 | Jack Haig | Australien | 11 |
| 775 | Artem Shmidt | USA | 10 |
| 779 | Peter Oxenberg | Dänemark | 10 |
| 1094 | Kim Heiduk | Deutschland | 3 |
| 1223 | Ben Swift | Großbritannien | 2 |

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








