Während UAE Team Emirates - XRG entschlossen versucht, sich von Dopinggerüchten zu distanzieren, reißt die Debatte nicht ab und erreichte bei der
Tour de France wohl einen Höhepunkt. Jérôme Chiotti, einst Festina-Profi und Zeitgenosse von
Mauro Gianetti im Peloton, hat die jüngsten Aussagen des UAE-Generalmanagers scharf kritisiert.
In einem
Interview mit L’Équipe gegen Ende der Tour de France wurde Mauro Gianetti zu seiner Vergangenheit im Radsport befragt, die enge Verbindungen zu mehreren überführten Dopern einschließt.
Allen voran das in Verruf geratene Team Saunier Duval – jenes, dem er und Joxean Matxín angehörten, die heute die Schlüsselfiguren bei UAE sind. Riccardo Riccó, Juan José Cobo und Leonardo Piepoli sind nur einige der Fahrer, die in diesen Jahren gesperrt wurden. Das Team hinterließ einen dunklen Fleck im Sport.
Gianetti wies die Verantwortung jedoch den Fahrern zu. „Ich habe den Fehler gemacht, sie in mein Team zu holen. Ich hätte anders reagieren, klarer mit der Presse sein und erklären sollen, dass ich ein Opfer war“.
„So wie man nicht weiß, was die eigenen Kinder in ihren Zimmern machen, weiß man auch nicht, was Fahrer zu Hause tun“.
Mauro Gianetti claimed he had no role in the mass doping that occured at the former Saunier Duval team
Deutliche Doping-Insinuationen gegen UAE Team Emirates - XRG
Die Behauptung, er sei ein Opfer gewesen, sorgte in den sozialen Netzwerken für breite Kritik – und auch von ehemaligen Profis. Jérôme Chiotti, Ex-Fahrer des ebenfalls in Ungnade gefallenen Festina-Teams (1995 bis 1997, dem Jahr vor dem Tour-de-France-Skandal), holte zum Rundumschlag gegen Gianetti aus.
„Erinnert ihr euch an den Satz ‚Ich war ein Opfer‘ aus seinem Interview mit L’Équipe? Jeder Sportdirektor, und ich meine WIRKLICH JEDER, und jeder Journalist kennt die Wahrheit. Und trotzdem dringt nichts nach außen, weil ‚es keine Beweise gibt‘“, schrieb Chiotti in einem
Facebook-Post.
„Jedenfalls hat dieser Typ Nerven. Der Mann, der fast gestorben ist und beinahe einen Teamkollegen bei Française des Jeux (als er noch Fahrer war, Anm.) in Lebensgefahr brachte, behauptet, er habe nie EPO genommen und nicht gewusst, dass seine Fahrer (die er SELBST verpflichtet hat!!!) im höchst umstrittenen Team Saunier Duval gedopt haben.“
Jérôme Chiotti at the 1996 Tour of Flanders
Der zurückgetretene Franzose sieht in Gianettis Aussagen ein größeres Muster, das für das Emirate-Team bedenklich sei.
„Wenn man so etwas sagen kann und einem Journalisten dabei gerade in die Augen blickt, dann ist man zu allem fähig – in seinem eigenen Team, dem besten der Welt! Dann ist man mehr als bereit, alles zu ignorieren, was hinter den Kulissen passiert.“
„Kurzum: Hatte ich zuvor 99 Prozent Zweifel am Medizinprogramm von UAE, sind es nach seinem beschissenen Interview und seiner verfluchten Doppelsprache 100 Prozent“, so Chiotti.
Während der Tour de France mussten sich sowohl Tadej Pogačar als auch Jonas Vingegaard nächtlichen Kontrollen um 5:00 Uhr beziehungsweise 2:00 Uhr unterziehen. Das löste heftige Kritik aus und prägte die Debatte rund um die Rundfahrt. In den sozialen Medien nahmen die Anschuldigungen nach Pogačars Triumph am Alpe d’Huez zu, wo er mit großem Vorsprung auf den verstorbenen Marco Pantani eine neue Bestzeit aufstellte.
„Der Radsport wird sich nicht erholen, schon gar nicht mit so einem Mann an der Spitze (eines Krebspatienten) des besten Teams der Welt. Aber seid unbesorgt, bei France TV wird heute niemand etwas Kritisches finden. The show must go on“.