Doping war bei der
Tour de France 2026 ein Dauerthema – mit nächtlichen Kontrollen bei mehreren Fahrern, darunter
Tadej Pogacar, und ständigen Anschuldigungen in sozialen Netzwerken.
UAE Team Emirates - XRG-Manager
Mauro Gianetti wurde zum Gelben Trikot und zu seiner eigenen umstrittenen Vergangenheit befragt, während die Rundfahrt zu Ende geht.
Gianetti stellt sich der heiklen Dopingfrage
Gianetti war von 2004 bis 2011 Sportdirektor des früheren Saunier-Duval-Teams (das gegen Ende in Geox umbenannt wurde). Fahrer wie Riccardo Riccó und Juan José Cobo, überführte Dopingsünder, waren nur einige der Gesichter in einem der Teams, die den Sport in seiner Geschichte am negativsten geprägt haben.
Gianetti war eine der prägenden Figuren hinter diesem Team und wurde daher über Jahrzehnte eng mit dem Thema Doping in Verbindung gebracht. Trotz allem wurde er 2017 zum Aufbau von UAE Team Emirates - XRG verpflichtet und führte die Mannschaft zu enormen Erfolgen.
Gerade wegen dieser Erfolge richtet sich der Blick immer wieder auf seine Vergangenheit. Auf Saunier Duval angesprochen, bemühte sich Gianetti, auf Distanz zum in Verruf geratenen Team zu gehen.
„Ich habe den Fehler gemacht, sie in mein Team zu holen. Ich hätte anders reagieren müssen, gegenüber der Presse klarer sein, erklären, dass ich ein Opfer war“, sagte er gegenüber
L'Équipe.
De facto legt der UAE-Manager die Verantwortung auf die Fahrer selbst und argumentiert, dass sie in ihren eigenen Blasen handelten und Programme hinter seinem Rücken verfolgten.
„So wie man nicht weiß, was die eigenen Kinder in ihren Zimmern tun, weiß man auch nicht, was Fahrer in ihren Wohnungen machen.“
Mauro Gianetti und Tadej Pogacar
Tadej Pogacar wird immer Zweifel auf sich ziehen
Die zweite Schlüsselperson im Management der UAE ist Joxean Matxín, der zeitgleich mit Gianetti bei Saunier Duval tätig war. Dass ausgerechnet diese Männer jenes Team führen, das den aktuell wohl besten Fahrer der Radsportgeschichte (wenn nicht den besten überhaupt) stützt, wirft zwangsläufig Fragen auf.
Tadej Pogacar wurde 2019 Profi und hat mit 27 Jahren bereits 126 Profisiege eingefahren. Darunter vier Gesamtsiege bei der
Tour de France (ein rekordgleicher fünfter Triumph scheint an diesem Sonntag in Paris unausweichlich), 26 Tour-Etappensiege, zwei Weltmeistertitel, 13 Monumente und vieles mehr.
Pogacar prägt den Sport derzeit wie kein anderer und fährt auf den meisten Terrain deutlich über dem Niveau seiner Konkurrenz. Seine Vielseitigkeit ist zudem beispiellos. 2025 bestritt er als einziger Fahrer alle fünf Monumente und war der erste der Geschichte, der bei allen fünf auf dem Podium stand.
Pogacar ist dem Feld überlegen, ohne Anzeichen eines Nachlassens. Unterstützt von UAE, dem derzeit finanzstärksten Team im Profiradsport, ergibt das eine Kombination, an der 99% des Pelotons kaum vorbeikommen.
Der Slowene stand auch bei dieser Tour im Fokus. Sein Leistungsniveau wirkt aktuell so hoch wie nie (die 7 W/kg am Alpe d’Huez bei 35 Minuten Fahrzeit schürten weitere Diskussionen). Zum Maillot Jaune meint Gianetti, solche Zweifel würden unabhängig von den Umständen immer aufkommen.
„So oder so ist Pogacar so stark, dass es unabhängig vom Team immer Zweifel an ihm geben wird“, argumentierte er. „Ich mache meinen Job, ich habe mehr als 600 Millionen Euro in den Radsport gebracht, Verträge abgeschlossen, Gehälter…“