Fährt Jonas Vingegaard bei Lüttich–Bastogne–Lüttich gegen Pogacar? „Wenn er antritt, dann nur, um um den Sieg zu kämpfen.“

Radsport
Mittwoch, 02 April 2025 um 10:37
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Die Saison 2025 von Jonas Vingegaard ist noch nicht richtig in Schwung gekommen. Nachdem er sich eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte und Paris-Nizza im vergangenen Monat aufgeben musste, blieb der zweifache Tour-de-France-Sieger dem Rennsport fern und verpasste sein geplantes Comeback bei der Volta a Catalunya.

Dieses Rennen, das schließlich von Primoz Roglic gewonnen wurde, wäre ein wertvoller Indikator für die Form vor dem Sommer gewesen. Stattdessen muss Team Visma - Lease a Bike Vingegaards Vorbereitung auf sein größtes Ziel neu justieren: die Tour de France.

Wann werden wir den dänischen Meister also wieder in Aktion sehen? Und noch spannender: Wann erlebt die Radsportwelt ein weiteres Kopf-an-Kopf-Duell zwischen Vingegaard und seinem großen Rivalen Tadej Pogacar?

Die Antworten darauf bleiben vorerst offen. Im Gespräch mit Wielerflits bestätigte Vismas Rennleiter Grischa Niermann, dass Vingegaards Genesung positiv verläuft, betonte jedoch, dass alles der Vorbereitung auf die Tour de France untergeordnet bleibt.

"Wir hätten Jonas natürlich gerne am Start [in Catalunya] gehabt. Das war nicht möglich, aber es geht definitiv in die richtige Richtung für ihn", so Niermann. "Es ist richtig, dass wir jetzt schauen, was für ihn möglich ist. Das hängt davon ab, wann sich Jonas wirklich wieder komplett fit fühlt und ob wir dann ein zusätzliches Rennen in sein Programm einbauen können. Aber die Vorbereitung auf die Tour hat für uns natürlich absolute Priorität."

Niermanns Aussagen zeugen von Vorsicht und Realismus. Im Gegensatz zu einigen seiner Konkurrenten, die bereits in die Saison gestartet sind, wird Vingegaard seine Rückkehr nicht überstürzen. Visma ist offensichtlich nicht gewillt, seine Sommerziele zu gefährden, indem ein Rennen ohne konkreten Nutzen eingeschoben wird. Wie Niermann erklärte, sei es noch zu früh, um über ein genaues Comeback-Rennen zu sprechen, insbesondere angesichts der logistischen Zwänge und des vollen Rennkalenders des Teams.

"Ich habe irgendwo in einer Sportzeitung gelesen, welche Rennen für Jonas in Frage kommen. Aber einige dieser Optionen stehen gar nicht in unserem Kalender. Ich denke auch, dass wir nicht genug Fahrer in unserer Auswahl haben, um plötzlich ein neues Etappenrennen aufzunehmen. Aber natürlich gibt es Möglichkeiten, falls wir der Meinung sind, dass Jonas ein zusätzliches Rennen braucht. Es muss jedoch zur Tour-Vorbereitung beitragen, das ist das Wichtigste für uns."

Es ist ein pragmatischer Ansatz. Tatsächlich war Vingegaard nie ein Fahrer, der viele Rennen benötigt, um seine Form zu finden. Seine bewährte Strategie mit Höhentrainingslagern und einem selektiven Rennkalender hat sich in den letzten Jahren ausgezahlt. Besonders beeindruckend war sein Triumph 2024, als er nach seinem Sturz im Frühjahr direkt bei der Tour de France antrat und dominierte.

Doch die ungewollte Zwangspause hat Visma gezwungen, seine Pläne zu überdenken. Niermann stellte klar, dass ein neuer Zeitplan mit seinen Trainern erarbeitet wird und dass jedes zusätzliche Rennen nur dann in Betracht gezogen wird, wenn es die Tour-Vorbereitung sinnvoll unterstützt.

Pogacar und Vingegaard sind seit Juli letzten Jahres nicht mehr gegeneinander angetreten.
Pogacar und Vingegaard sind seit Juli letzten Jahres nicht mehr gegeneinander angetreten.

Diese Herangehensweise, nur dann zu starten, wenn er in Topform ist, ist ein zentraler Bestandteil von Vingegaards Philosophie – und Visma will dies unbedingt beibehalten.

"Es ist immer großartig, wenn Jonas ein Rennen fährt", so Niermann weiter. "Wenn er startet, dann bedeutet das normalerweise, dass er gut genug ist, um um den Sieg zu kämpfen. Genau das wollen wir: Rennen gewinnen. Andererseits bleibt die Tour de France unser Hauptziel, und wir haben auch die Vuelta a España im Hinterkopf. Deshalb müssen wir unsere Prioritäten sorgfältig setzen."

Mit diesen Prioritäten im Blick möchte das Team seinen Terminkalender nicht überfrachten oder wertvolle Trainingsblöcke in der Höhe unterbrechen. Niermann betonte, dass jedes zusätzliche Rennen einem klaren Zweck dienen müsse: die Rennhärte zu verbessern, ohne die in der Höhe aufgebaute Grundlage zu gefährden.

"Wir werden ihn nicht zu Rennen schicken, die sein Höhentraining beeinträchtigen. So funktioniert das natürlich nicht. Falls er ein zusätzliches Rennen bestreitet, muss es zur Tour beitragen."

Lüttich-Bastogne-Lüttich?

Natürlich wird nun über die nächsten Rennen spekuliert, die für Vingegaards Comeback in Frage kommen. Besonders die Ardennen-Klassiker und die Tour de Romandie stehen im Fokus. Diese Rennen würden eine Abkehr von seiner gewohnten Herangehensweise bedeuten, bieten jedoch einen intensiven Wettbewerb ohne die Belastung eines kompletten Etappenrennens.

Doch auch hier bleibt Vorsicht das oberste Gebot. "Wir prüfen das", sagte Niermann zu den Möglichkeiten wie Lüttich-Bastogne-Lüttich oder Romandie. "Aber wir werden Jonas nicht mit halber Kraft in ein Rennen schicken. Wenn er startet, dann um den Sieg – und dafür muss er zu 100 Prozent fit sein."

Allein die Vorstellung, dass Vingegaard bei Lüttich-Bastogne-Lüttich antritt, um sich mit Pogacar zu messen, lässt Radsportfans aufhorchen. Könnte es sein, dass wir endlich die beiden besten Rundfahrer ihrer Generation in einem Monument-Duell sehen werden?

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