„Es macht mir nichts aus, wenn ein paar Teams nicht starten, aber derzeit sind es wirklich sehr viele“: Veranstalter beklagt WorldTour-Teams, die die Tour de Romandie auslassen
Radsport
Mit 79 Austragungen gehört die Tour de Romandie zu Recht zu den renommiertesten Rennen im WorldTour-Kalender der Männer. Die Schweizer Rundfahrt hat seit der Premiere 1947 einige ikonische Sieger hervorgebracht, und mit Tadej Pogacar als Zugpferd in diesem Jahr ist sie gut aufgestellt, eine weitere Legende (im Entstehen) auf ihre Ehrentafel zu setzen. Und doch liegt über der diesjährigen Ausgabe eine unruhige Stimmung.
Warum? Es ist eine Kombination von Faktoren. Das Rennen kämpft mit finanziellen Schwierigkeiten, wodurch die Strecke 2026 zwangsweise sehr minimalistisch ausfällt. Budgetkürzungen haben den Streckenplanern klar die Hände gebunden – alle fünf Straßenetappen beinhalten einen Rundkurs oder zumindest rundkursähnliche Abschnitte.
Den Hauptschlag versetzten jedoch die Teams selbst. Von 18 WorldTour-Mannschaften haben vier ihr Recht genutzt, pro Saison ein WorldTour-Rennen auszulassen – und zwar genau die Tour de Romandie. Deshalb werden wir kommende Woche in der Schweiz weder Uno-X Mobility, Lotto-Intermarché, Decathlon CMA CGM noch Alpecin-Premier Tech sehen.
„Es gibt viele Rennen auf verschiedenen Kontinenten, daher verstehe ich die Teams bis zu einem gewissen Grad“, erklärt Organisator Richard Chassot im Gespräch mit WielerFlits. „Dass Teams wie Uno-X Mobility und Lotto-Intermarché nicht starten, war keine Überraschung. Sie sind primär auf die Klassiker ausgerichtet. Aber Decathlon CMA CGM kam hier immer mit großen Ambitionen an. Also bin ich hingegangen und habe um eine Erklärung gebeten.“
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Wo ist Decathlon?
Während die Nicht-Teilnahme von Uno-X, Lotto und Alpecin die Romandie-Organisatoren nicht wirklich überraschte, wirkt der „Pass“ von Decathlon dennoch wie ein Tiefschlag. Anders als die anderen ist Decathlon ein Team mit einer breiten Palette an starken Kletterern, weshalb sich die Organisatoren die Teilnahme der Franzosen erhofften – selbst wenn nicht Paul Seixas der Kapitän gewesen wäre.
Chassot nennt zwei Begründungen des französischen Teams: „Das erste Problem ist, dass der Giro d’Italia dieses Jahr in Ungarn startet, kaum fünf Tage nach dem Ende unseres Rennens. Die Logistik, mit der gesamten Teamausrüstung, steht unter Druck und lässt eine Kombination beider Veranstaltungen nicht zu. Auch die Fahrer selbst wollten ihre Energie in den Giro d’Italia und diesen zusätzlichen Transfer stecken.“

Decathlon CMA CGM priorisieren die Corsa Rosa gegenüber der Tour de Romandie 2026
„Zweitens sagte das Team, sie könnten Paul Seixas nicht bringen, weil sein Kalender bereits voll ist. Der einzige freie Bereich innerhalb des Teams während unserer Rundfahrt war der Sprinter-Block, aber wir haben keine Sprintetappen. Philippe Chevallier (Generalsekretär bei Decathlon CMA CGM, Anm.) sagte: ‚Richard, ich versichere dir, dass das keine Entscheidung gegen euch ist. Aber im Moment war es wirklich zu schwierig, das Puzzle zusammenzusetzen. Wir kommen lieber nächstes Jahr mit der Kletterer-Truppe, um das Rennen mit einer würdigen Auswahl mitzugestalten.‘“
All dies wurde durch die Regeländerung der UCI für 2026 möglich: Alle WorldTour-Teams dürfen einmal pro Saison ein WorldTour-Rennen – Eintagesrennen oder Etappenrennen, ausgenommen Monumente und Grand Tours – auslassen. Chassot versteht, warum diesmal die Romandie den Kürzeren zieht, dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack.
„Es ist für die Teams nicht einfach. Sie haben rund dreißig Fahrer und fahren sehr viel. Man könnte natürlich sagen, diese Teams sollten WorldTour-Rennen priorisieren und sonst einfach weniger starten. Doch dann müssten viele Traditionsrennen aufgeben. Es ist gut, dass es auch kleinere Rennen gibt, in denen junge Fahrer Erfahrung sammeln. Aber auch sie brauchen ein paar WorldTeams am Start, um genügend Sponsoren und Medien anzuziehen.“
„Und umgekehrt: Wenn eine Mannschaft nur Sprinter hat und nicht wirklich für unser Terrain gemacht ist, ist es in meinen Augen eine normale Entscheidung, nicht zu starten. Kletterteams haben in Paris–Roubaix auch wenig zu suchen. Richtig ärgerlich wird es allerdings, wenn – wie jetzt – vier Teams im selben Jahr dein Rennen auslassen.“
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Die Pointe
Es gibt jedoch eine Pointe: Zwar wird der „Joker“ jedes Jahr neu gesetzt, doch Teams dürfen innerhalb desselben dreijährigen UCI-Zyklus nicht zweimal dasselbe Event auslassen. Das bedeutet, alle vier Abwesenden sind 2027 in der Romandie wieder dabei.
„Neue Regularien bringen am Anfang immer Anpassungen mit sich. Ich sehe für die Zukunft kein Problem. Auch weil die Teams, die jetzt aussetzen, nächstes Jahr starten müssen“, zwinkert Chassot.

Die Tour de Romandie 2025 wurde von UAE Team Emirates - XRG Fahrern dominiert
Nur ein ProTeam
Wegen all dieser Ausfälle stehen 2026 nur 15 Teams am Start der Tour de Romandie. Zu den 14 WorldTour-Mannschaften stößt Tudor Pro Cycling. Warum füllte der Organisator die Startliste nicht mit weiteren ProTeams auf?
„Weil uns nach dem Verlust eines sehr wichtigen Sponsors etwas das Geld fehlte“, reagiert Chassot. „Wir haben Tudor eingeladen und ehrlich: Hätte ich vor drei Monaten gewusst, dass vier Teams ihren Joker ziehen, hätte ich vielleicht noch ein zusätzliches Team eingeladen. Jetzt war es zu spät, aber versucht haben wir es, wohlgemerkt.“

Pinarello Q36.5 wurden zuletzt von Verletzungen heimgesucht, darunter ihr Star Tom Pidcock
„Q36.5, ein Schweizer Team, war zunächst eingeplant. Doch sie hatten zu viele verletzte Fahrer und Probleme mit dem Aufgebot. Douglas Ryder (Teammanager von Q36.5, Anm.) rief mich an und sagte: ‚Hör zu, es tut mir unglaublich leid, dieses Jahr wird es nichts, Richard. Es ist keine Entscheidung gegen euch, aber ich habe wirklich nicht genug Fahrer. Der Giro steht auch vor der Tür.‘ Er hat mir die Lage erklärt, daher habe ich mit ihm kein Problem.“
„Es ist ein gemischtes Gefühl. Mich stört es nicht so sehr, wenn ein paar Teams nicht kommen, aber wie gesagt: Im Moment ist es wirklich viel. Grundsätzlich ist es aus Sicherheitsgründen gar nicht so schlecht, ein Peloton mit 130 Fahrern zu haben. Es gibt derzeit viele Stürze im Feld, und alles wird immer schneller. Ich brauche also nicht zwingend ein 200-Mann-Peloton am Start. Und man muss sich den Kalender ein wenig teilen, das ist logisch.“
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Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Anfang 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de. Er berichtet dort über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf aktuellen Rennberichten, Einordnungen und Hintergrundtexten, mit denen er sportliche Entwicklungen im Peloton verständlich und präzise erklärt. Bei großen Renntagen arbeitet er zudem mit Live-Formaten, um das Geschehen fortlaufend zu dokumentieren und zeitnah einzuordnen.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er sportlich selbst aktiv und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









