Tadej Pogacars Sieg bei der Flandern-Rundfahrt wurde auf der Straße mit reiner Kraft errungen, doch Sean Kellys Rennlektüre sah darunter etwas deutlich Kalkulierteres.
An einem Tag, an dem das Tempo nie nachließ und die Favoriten früh unter Druck standen, trieb der Slowene das Rennen immer wieder selbst nach vorn, prägte die entscheidende Phase und vollendete sie an den Anstiegen. Kellys Analyse richtete den Blick auf diesen Ansatz aus der Distanz, denn Pogacar begann lange vor der finalen Selektion, dem Rennen seinen Stempel aufzudrücken.
Druck schon lange vor der entscheidenden Attacke
„Man sah den ganzen Tag, wie er in dieser Favoritengruppe fuhr“,
sagte Kelly bei TNT Sports. „Er investierte viel, um das Tempo hochzuhalten und den Druck aufrechtzuerhalten.“
Diese offensive Fahrweise stach selbst in einem Feld voller Anwärter heraus, denn Pogacar übernahm auf den Schlüsselpassagen immer wieder Verantwortung für das Tempo. Zeitweise wirkte das riskant. „Ich fragte mich, ob er nicht zu viel gibt und es am Ende büßen muss“, ergänzte Kelly.
Doch das Gegenteil trat ein. Die wiederholten Antritte schwächten nicht Pogacar, sondern zermürbten nach und nach seine Gegner, sodass im entscheidenden Moment nur noch wenige reagieren konnten.
Van der Poel am nächsten dran, aber nicht nah genug
Mathieu van der Poel erwies sich erneut als Pogacars Hauptgegner, fuhr mit Geduld und positionierte sich klug im Rennverlauf. „Ich denke, Mathieu van der Poel hat ein wenig taktiert, und er hat es gut gemacht“, sagte Kelly.
Doch selbst dieser kontrollierte Ansatz kam gegen den anhaltenden Druck Pogacars nicht an. „Pogacar war wieder eine Nummer zu groß.“
Als das Rennen in die finale Sequenz der Anstiege ging, forderten die wiederholten Beschleunigungen ihren Tribut, die Gruppe dünnte unter der Belastung aus.
Wiederholte Antritte, die das Rennen entscheiden
Das prägende Merkmal von Pogacars Auftritt war aus Kellys Sicht nicht eine einzige Attacke, sondern die Summe der Anstrengungen. „Er bringt immer wieder diese Killer-Schläge, auch wenn es nicht sofort aufgeht, und am Ende bricht er alle.“
Dieses Muster zog sich durch die entscheidende Rennphase: Jede Beschleunigung erzwang eine Antwort, bis das Band schließlich riss. Als Pogacar seine siegbringende Attacke setzte, war die Vorarbeit längst getan.
Kellys Urteil einer „Monsterleistung“ spiegelte nicht nur die Wucht des finalen Angriffs, sondern auch die Kontrolle und Lenkung des Rennens lange vor dem Ziel in Oudenaarde wider.