Jonathan Milan hat seine wachsende Palmares um das italienische Tricolore erweitert und nach langer Lidl-Trek-Vorarbeit in Cuneo den nationalen Straßentitel im Sprint geholt – an einem vollen Meisterschaftstag in Europa und darüber hinaus.
Der italienische Kraftsprintler schlug nach 232,5 Kilometern Tommaso Dati und Alessandro Romele und vollendete ein Rennen, das seine Mannschaft mit hohem Aufwand unter Kontrolle gehalten hatte.
Romele eröffnete den Sprint, doch Milan kam spät durch und sicherte sich einen seiner emotionalsten Siege und ein weiteres Großresultat vor der Hochphase des Sommers.
Milan hatte in dieser Saison bereits die Schlussetappe des Giro d’Italia in Rom gewonnen, doch das Nationaltrikot hat ein besonderes Gewicht. Für einen Fahrer, der inzwischen fest zu den Top-Sprintern im Peloton zählt, war dies ein Heimtitel, dem er noch nachjagte.
Milan krönt italienischen Erfolg nach Lidl-Trek-Kontrolle
Lidl-Trek arbeitete den Großteil des Tages für Milan, hielt das Rennen in Reichweite eines reduzierten Sprints und setzte darauf, dass ihr Schnellster liefert. Der Plan überstand die späten Attacken und den finalen Antritt von Romele, wobei Milan sein Timing perfekt traf, vorbeizog und das Trikot sicherte.
Das Ergebnis beschert Milan einen weiteren Ausrufezeichen-Sieg in einer Saison, die seinen Status als einer der kraftvollsten Finisher des Sports weiter gefestigt hat. Zudem landet das Tricolore bei einem der sichtbarsten italienischen Fahrer im Männerpeloton, auch wenn sein erstes Rennen im Trikot nicht zwingend sofort bei der Tour de France erfolgt.
Dahinter holte Dati Rang zwei, während Romele nach seinem eröffneten Sprint, den Milan letztlich überfuhr, das Podium komplettierte.
Reusser, Kerbaol und Lippert leer aus – neue Meisterinnen setzen Akzente
Abseits Italiens wurden mehreren großen Namen im Frauenpeloton nationale Titel verwehrt. In der Schweiz schlug Steffi Haberlin Marlen Reusser im Straßenrennen um nur zwei Sekunden. Reusser, eine der erfolgreichsten Schweizer Fahrerinnen ihrer Generation, musste sich mit Rang zwei begnügen, Jasmin Liechti komplettierte das Podium mit 3:44 Rückstand.
Auch Frankreich brachte eine bemerkenswerte Siegerin hervor: Celia Gery holte den Straßentitel vor Cedrine Kerbaol. Gery gewann mit fünf Sekunden Vorsprung, Emilie Morier wurde mit sieben Sekunden Rückstand Dritte.
In Deutschland sicherte sich Franziska Koch den Straßentitel vor Liane Lippert und Justyna Czapla, alle drei Fahrerinnen wurden nach 3:07:43 Fahrzeit zeitgleich gewertet.
Weitere Titel gingen an Lara Gillespie in Irland, Mireia Benito in Spanien und Julia Kopecky in Tschechien. Gillespie gewann vor Emma Jeffers und Mia Griffin, Benito schlug Sara Martin in Spanien um zwei Sekunden, und Kopecky setzte sich im tschechischen Frauenrennen knapp gegen Kristyna Zemanova durch, Barbora Nemcova wurde mit 22 Sekunden Rückstand Dritte.
Celia Gery holte den französischen Meistertitel vor Cedrine Kerbaol
Grossschartner stürmt zum österreichischen EZ-Titel, Astana fegt kasachisches Podium leer
Felix Grossschartner bescherte UAE Team Emirates – XRG einen weiteren Nationaltitel in Österreich und gewann das Zeitfahren der Männer in 27:06. Der Österreicher schlug Bahrain Victorious-Profi Rainer Kepplinger um 27 Sekunden, Adrian Stieger wurde mit 57 Sekunden Rückstand Dritter. Für Grossschartner fällt das Ergebnis unmittelbar vor die Tour de France, bei der UAE Team Emirates – XRG erneut als eines der prägenden Teams gilt.
Das XDS Astana Team dominierte das Straßenrennen der Männer in Kasachstan und besetzte nach 3:52:40 Fahrzeit das komplette Podium. Nicolas Vinokurov holte den Nationaltitel vor Teamkollege Yevgeniy Fedorov, während Anton Kuzmin den Dreifacherfolg als Dritter mit einer Sekunde Rückstand perfekt machte.
In Israel gewann Oded Kogut den Männertitel für Israel-Premier Tech in 32:33. Nadav Raisberg machte den Doppelerfolg des Teams mit 19 Sekunden Rückstand perfekt, Rotem Tene wurde mit 1:21 Dritter.
Mit Milan im Tricolore, Grossschartner in österreichischem Zeitfahr-Gold und mehreren prominenten Frauen, die leer ausgingen, bot der Meisterschaftssamstag deutlich mehr als eine routinemäßige Siegerliste.