Felix Gall verließ den Giro d’Italia 2026 mit der bislang stärksten Grand-Tour-Leistung seiner Karriere und wurde Gesamtzweiter hinter
Jonas Vingegaard. Der Fahrer des
Decathlon CMA CGM Team holte fünf zweite Plätze auf Bergankünften und zählte konstant zu den stärksten Kletterern des Rennens, ohne einen Etappensieg zu erzielen. Mit dem zum Saisonende auslaufenden Vertrag und anhaltenden Wechselgerüchten in Richtung Lidl-Trek blickt Gall nun entschlossen nach vorn, um auf dem größten Erfolg seiner Karriere aufzubauen.
Fünf Bergetappen, fünf zweite Plätze
Gall wurde auf den Bergetappen nach Blockhaus, Corno alle Scale, Pila, Carì und Piancavallo jeweils Zweiter, jedes Mal nur geschlagen vom späteren Gesamtsieger Jonas Vingegaard. Das Muster blieb im gesamten Rennen bemerkenswert ähnlich. Gall kletterte wiederholt mit den Besten, doch bei der entscheidenden Beschleunigung fand Vingegaard stets ein anderes Niveau.
Trotz der verpassten Etappensiege bewertete Gall diese Auftritte positiv. „Ich bin stolz darauf, wie ich gefahren bin. So oft Zweiter zu werden, tut weh, aber es bedeutet auch, dass ich jeden Tag genau dort war, wo ich sein musste. Der Sieg ist mir nicht entwischt, er hat sich nur ein bisschen besser versteckt als sonst“, sagte er gegenüber
tuttobiciweb.
Am Ende sicherte sich Gall Rang zwei in der Gesamtwertung, 5 Minuten und 22 Sekunden hinter Vingegaard, während er Jai Hindley, der das Podium 1 Minute und 3 Sekunden hinter dem Österreicher komplettierte, souverän auf Distanz hielt. Es war Galls erstes Podium bei seinen sieben Grand-Tour-Starts und bestätigte seine Verwandlung zum Gesamtwertungsfahrer.
Seit seinem Wechsel zu AG2R im Jahr 2022 hat sich Gall stetig zu einem kompletteren Fahrer entwickelt. Sein Zeitfahren und sein Klettern wurden besser, zudem gewann er an taktischer Reife. Dennoch weiß Gall, dass es noch einen entscheidenden Bereich gibt, in dem er zulegen muss, wenn er in den kommenden Jahren ein echter Klassementfahrer sein will.
„Vingegaard war in den Bergen der absolute Maßstab. Auf manchen Finals fehlte mir ein halber Gang beim Antritt. Daran will ich genau arbeiten, denn die Ausdauer ist da und ich kann mein Niveau über drei Wochen halten.“
Felix Gall, Jonas Vingegaard and Jai Hindley on the final podium of the 2026 Giro d'Italia
Wechselgerüchte vor Vertragsentscheidung halten an
Galls Vertrag läuft Ende der Saison 2026 aus, womit er zu den begehrtesten Kletterern auf dem Transfermarkt zählt. Zu den
angeblich interessierten Teams wird häufig Lidl-Trek als mögliches Ziel genannt.
Vorerst betont Gall jedoch, dass sein Fokus auf seinem aktuellen Team liegt. „Meine Zukunft? Im Moment respektiere ich mein aktuelles Team, weil wir gemeinsam einen großartigen Giro gefahren sind. Es stimmt, dass mein Vertrag ausläuft und sich der Transfermarkt bewegt, aber ich treffe meine Entscheidung danach, wo ich mich als Gesamtwertungsfahrer weiterentwickeln kann.“
Der Österreicher hofft, dass sich die in Italien gesammelte Erfahrung irgendwann in Siege ummünzen lässt. „Dieses Podium macht mich hungrig, nicht nervös. Ich werde lieber fünfmal Zweiter, als einmal zu verschwinden. Aber beim nächsten Mal will ich die Arme heben. Rom ist schön, wenn man mit einem Podiumsplatz ankommt, aber ich weiß, dass es noch schöner sein kann, wenn man im Siegertrikot einrollt.“