„Das ist seine letzte Chance … Wenn es nicht klappt, wird er für Flanders-Baloise oder Tietema fahren“ – Cian Uijtdebroeks erhält nach Movistar-Wechsel eine „Jetzt-oder-nie“-Warnung

Radsport
Dienstag, 20 Januar 2026 um 16:45
Cian Uijtdebroeks als potenzieller Grand-Tour-Schlüsseltransfer für Movistar?
Cian Uijtdebroeks ist noch keine Rennnummer im Trikot des Movistar Team gefahren, und doch könnten die Erwartungen an seinen Transfer kaum höher sein. Vor seinem Debüt 2026 in Valencia hat ein schonungsloses Urteil die übliche Aufbruchstimmung deutlich gedämpft.
„Das ist wirklich seine letzte Chance. Seine letzte Chance, ein Topfahrer zu werden. Wenn das nicht funktioniert, fährt er in ein paar Jahren für Flanders-Baloise oder für Tietema“, sagte Bobbie Traksel im Podcast Kop over Kop und rahmte Uijtdebroeks’ Wechsel nicht als Neustart, sondern als Moment der Abrechnung.
Der Belgier verließ Visma weder leise noch zufällig. Er löste seinen Vertrag vorzeitig, weil er Sicherheit, Führungsrolle und einen klaren Weg zu Grand Tours wollte. Bei Visma war dieser Weg nicht mehr garantiert. Bei Movistar ist er zentraler Baustein, sein Tour-de-France-Debüt für diesen Sommer steht bereits fest.
Doch laut der Analyse bei Kop over Kop hat diese Freiheit ihren Preis.

Freiheit, Druck und Persönlichkeit

Movistars Bekenntnis zu Uijtdebroeks ist kompromisslos. „Sie haben alles auf Uijtdebroeks gesetzt. Der Druck ist nur gewachsen. Das war das einzige Team, zu dem er gehen konnte, das war die einzige Option. Hier bekommt er die Freiheit, hier kann er ein Stück weit sein eigenes Ding machen. Und dann werden wir sehen, was daraus wird.“
Genau diese Freiheit suchte Uijtdebroeks, als er eines der strukturiertesten Teams des Pelotons verließ. Er sagte selbst, seinem Herzen zu folgen bedeute, Grand Tours und Gesamtklassement-Ziele zu verfolgen, auch wenn das Risiken birgt.
Doch nun steht nicht nur sein Leistungsvermögen, sondern auch sein Wesen im Fokus. „Er muss mit diesem ständigen Lachen aufhören. Er gibt wirklich schöne Interviews. Das mögen wir alle, aber dadurch wurde es auch ein bisschen ein Witz um ihn.“
Dieses Image, so hieß es, habe sogar schon früher eine Rolle gespielt. „Das ist auch der Grund, warum sich bei BORA-hansgrohe eine kleine Mobbing-Gruppe gebildet hat, was am Ende dazu führte, dass er gehen musste. Bei Visma will er ebenfalls sein eigenes Ding machen und sich nicht einordnen.“
Cian Uijtdebroeks im Team Visma | Lease a Bike Trikot in der Saison 2025
Uijtdebroeks war in seiner noch jungen Karriere bereits in zwei aufsehenerregende Transfers involviert

Eine Karriere auf Verheißung gebaut

An Talent mangelte es Uijtdebroeks nie. Er meldete sich als Teenager mit dem Sieg bei der Tour de l’Avenir auf großer Bühne an, untermauerte das später mit einem beeindruckenden Top-Ten-Gesamtergebnis bei der Vuelta a España mit nur 20 Jahren. Sein erster Giro d’Italia als Klassementsfahrer zeigte Ähnliches, bevor eine Krankheit ihn aus dem Rennen nahm, während er noch weit vorne im Gesamtklassement lag.
Diese Ausrufezeichen erklärten Movistars Tempo, als er verfügbar wurde. Man band ihn langfristig, nicht als Helfer, sondern als Fahrer, der eines Tages Grand Tours für das Team anführen soll.
Uijtdebroeks selbst machte nie ein Geheimnis aus seinen Zielen. „Wenn ich meinem Herzen folgen muss, will ich Grand Tours fahren und um das Gesamtklassement kämpfen. Das ist auch meine Ambition für die kommenden Jahre“, sagte er zur Begründung seines Weges.
Diese Ambition ist nun nicht verhandelbar. Laut Traksel ist Anpassen keine Option mehr. „Er hätte sich bei Visma auch einordnen und für Vingegaard von vorn fahren können. Oder genau das tun, was Wout van Aert verlangt. Er sagt: ‚Das mache ich nicht. Das ist mein Weg.‘ … Ich finde auch, dass er Respekt verdient, weil er den Mut hat, dieses Risiko einzugehen.“

Valencia als erster Test

Seine neue Geschichte beginnt am 04.02.2026 bei der Volta Comunitat Valenciana, einem Rennen mit Zeitfahren und harten Bergetappen sowie einem Feld, das sofortige Einordnung seines Niveaus erlaubt.
Später im Frühjahr folgen Itzulia, La Flèche Wallonne und Liège–Bastogne–Liège, bevor der größte Meilenstein wartet: seine erste Tour de France.
Für Uijtdebroeks ist das nicht einfach ein weiterer Transfer. Es ist eine Wette auf sich selbst, seine Vision und die Bereitschaft, gegen den Strom zu schwimmen.
Doch die Warnung, die nun über seiner Saison schwebt, ist eindeutig. Es geht nicht nur darum, gut zu werden. Es geht darum zu beweisen, dass er überhaupt zur Spitze gehört. Wenn Movistar funktioniert, wirkt sein Weg mutig. Wenn nicht, wird dieses Urteil ihn lange begleiten.
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