Anton Schiffer: „Ich war Trainer und Athlet zugleich“ – Vismas deutscher Neuzugang und sein ungewöhnlicher Weg zum Profi

Radsport
Mittwoch, 14 Januar 2026 um 21:30
AntonSchiffer
Außerhalb der Radsportblase kennen nur wenige den Namen Anton Schiffer – ähnlich war es bei Primoz Roglic und Jonas Vingegaard, als sie erstmals bei Team Visma | Lease a Bike unterschrieben. Der Deutsche könnte sich in den kommenden Jahren als eine der Waffen des Teams erweisen – ein ungeschliffener Diamant, trotz seiner 26 Jahre.

Anton Schiffer bei Visma – vom Triathleten zum Radsport-Geheimtipp

Schiffer war wie Roglic zunächst im Triathlon aktiv und wechselte erst Mitte 20 als Topathlet einer anderen Disziplin in den Profi-Radsport. „Es hat mich nicht gestört, mich ganz aufs Radfahren zu konzentrieren. Ich begann an Rennen teilzunehmen und merkte, dass ich ziemlich gut darin bin. Die Entscheidung fiel schnell“, sagte Schiffer in einem von Visma geteilten Beitrag und gewährte Einblick in den Neuzugang. Für Visma ist Schiffer ein Risiko, aber eines mit enormem Potenzial.
In diesem Jahr wurde er Zweiter bei der Tour of Hellas, die Astanas Harold Martín López gewann, und bei der Sibiu Tour in Rumänien bezwang er auf der Königsetappe keinen Geringeren als den Vuelta-Fünften Matthew Ricitello. Schiffer verfügt über enorme Leistungswerte, es fehlte ihm bislang aber wohl an Rennpraxis und optimaler Unterstützung in seiner Laufbahn. Er wurde im August 2023 beim deutschen Team Bike Aid Profi und fuhr dort bis in diesen Herbst auf Kontinentalniveau.
„Ich komme aus einer anderen Sportart, in gewissem Sinne bin ich also noch jung. Ich weiß, dass es viel Luft nach oben gibt, weil mir vieles noch neu ist. Ich möchte vor allem lernen, klüger und mit klaren Zielen zu fahren. Und ich will das Team so gut wie möglich unterstützen.“
In diesem Jahr wurde sein Talent unübersehbar, und sein VO2max sorgte ebenfalls für Gesprächsstoff, selbst im Maßstab der Profis außergewöhnlich hoch. „Eine Woche vor meinem ersten Sieg wurde ich Dritter bei den Deutschen Meisterschaften. In derselben Woche habe ich auch meinen Vertrag bei Team Visma | Lease a Bike unterschrieben. Das war eine sehr schöne Phase. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass das noch passiert. Ich bin 26, und es gibt nicht viele Fahrer, die in diesem Alter noch diesen Schritt machen.“

Sein eigener Trainer

Eine Besonderheit bei Schiffer: Er war oft selbst für sein Training verantwortlich und brachte sich weitgehend in Eigenregie auf Profiniveau. Das vergrößert sein Entwicklungspotenzial im Umfeld eines WorldTeams enorm.
„In den vergangenen Jahren war ich Trainer und Athlet zugleich. Ich habe meine Programme selbst geschrieben und hatte Zugang zu einem Labor, in dem ich Laktatwerte, VO2max und Aerodynamik testete. Das übernimmt jetzt das Team, was mir viel Arbeit abnimmt“, erklärt er. „Ich diskutiere dennoch gern gelegentlich Entscheidungen mit den Coaches. Manchmal teile ich neues, interessantes Material, über das wir sprechen. Ich will meinem Trainingsplan nicht blind folgen, sondern verstehen, warum wir Dinge tun.“
Die Früchte dieses Wechsels könnten schnell sichtbar werden. Der Zweijahresvertrag mit Visma gibt ihm Zeit, sich deutlich zu entwickeln und womöglich zu einer neuen Waffe gegen das immer stärkere UAE Team Emirates – XRG zu werden. „Als Klassementfahrer musst du jeden Tag Topform bringen. Ich habe gezeigt, dass ich bei kleineren Rundfahrten eine gute Gesamtwertung fahren kann, aber das ist noch nicht mit dem höchsten Niveau vergleichbar.“
„Je länger ein Rennen dauert, desto besser werde ich im Allgemeinen. Ich erhole mich immer gut und kann zuschlagen, wenn andere müde werden. Ich genieße das Leben als Profi sehr“, schließt er. „Gesund essen, viel trainieren und richtig regenerieren – das empfinde ich nicht als Belastung. Das ist definitiv eine Stärke.“
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