Der Sieg von
Michael Matthews beim
Gran Premio Castellon trug eine Bedeutung, die weit über das Ergebnis hinausgeht. Mit seinem Erfolg 2026 hat der Australier nun in 16 verschiedenen Saisons mindestens einen Profisieg verbucht und jagt damit eines der exklusivsten Langlebigkeitsmarken des Profiradsports.
Nur eine Handvoll Fahrer der Moderne hat es geschafft, über so viele getrennte Saisons auf höchstem Niveau zu gewinnen. Matthews liegt nun eine Saison hinter
Mario Cipollini und
Mark Cavendish, beide bei 17, und zwei hinter dem Maßstab von
Alejandro Valverde, der mit 18 allein vorne steht.
Wie Matthews im Vergleich zu den Langlebigkeitsgrößen des Radsports abschneidet
Die nackten Summen werden erst aussagekräftig, wenn man die zeitliche Verteilung dahinter betrachtet.
Valverde erzielte Profisiege über drei klar abgegrenzte Phasen seiner Karriere. Seine Sieg-Saisons erstrecken sich über 2003–2010, dann 2012–2019 und schließlich 2021–2022. Zählt man Saisons mit mindestens einem Profisieg, ergibt das 18 separate Gewinnjahre. Diese Saisons waren nicht durchgehend, wurden jedoch über eine außergewöhnlich lange Wettkampfspanne verteilt, getragen nicht von einem ununterbrochenen Peak, sondern von wiederholten Rückkehrern zur Siegerform in unterschiedlichen Karriereetappen.
Cipollini erreichte 17 Sieg-Saisons in einer konzentrierteren Ausprägung. Seine Erfolge reichen von 1989–2005 und bilden eine lange, äußerst produktive, sprintgetriebene Prime. Einmal an der Spitze etabliert, fügte er beständig Sieg-Saisons hinzu, mit sehr wenigen Unterbrechungen. Seine Zahl spiegelt anhaltende Dominanz wider, nicht eine verlängerte Spätkarriere-Renaissance.
Cavendish steht ebenfalls bei 17, jedoch mit anderer Verteilung. Seine Sieg-Saisons reichen von 2006–2018 und setzen 2021–2024 wieder ein. Diese Spanne enthält klare Lücken ohne Siege, gefolgt von erfolgreichen Comebacks später in der Karriere. Seine Bilanz gründet daher sowohl auf früher Dominanz als auch auf der Fähigkeit, sich nach siegarmen Phasen erneut zu behaupten.
Matthews steht nun bei 16 Sieg-Saisons – und entscheidend: seine Serie läuft weiter. Der Erfolg in Castellon verlängert eine Laufbahn, die bereits mehrere Wettbewerbsära überspannt, und rückt ihn statistisch in die Reihe jener Fahrer, deren Langlebigkeit ganze Generationen geprägt hat.
Kann Matthews seine Karriere noch ein paar Jahre strecken, um Valverdes Rekord zu schlagen?
Warum der Fall Matthews anders gelagert ist
Matthews’ Weg zur Langlebigkeit entspricht keinem dieser Beispiele exakt.
Er stützte sich nicht auf dauerhafte Massensprint-Dominanz wie Cipollini oder Cavendish, und er verlängerte seine Relevanz auch nicht über breite Rundfahrt-Führungsrollen, wie sie Valverdes lange Siegspanne trugen. Stattdessen gewann Matthews konstant aus selektiven Szenarien, vor allem in Bergaufsprints und reduzierten Gruppen, in denen Ermüdungsresistenz, Positionierung und Timing ebenso zählen wie Endgeschwindigkeit.
Dieses Profil ist für die aktuelle Jagd entscheidend. Es deutet darauf hin, dass Matthews’ Fähigkeit, weitere Sieg-Saisons hinzuzufügen, nicht von einem einzigen Rennformat oder Sprintumfeld abhängt, sondern davon, in Rennen konkurrenzfähig zu bleiben, die das Feld vor dem Ziel natürlich ausdünnen. Seine Langlebigkeit basiert somit auf Anpassungsfähigkeit über Terrains, Teams und sich wandelnde Renndynamiken – nicht auf einer dominanten Erfolgsformel.
Wie es weitergeht
Die Rechnung ist nun klar. Matthews braucht eine weitere Sieg-Saison, um mit Cipollini und Cavendish bei 17 gleichzuziehen, und zwei zusätzliche Saisons mit mindestens einem Erfolg, um Valverdes Bestmarke von 18 zu erreichen. Garantien gibt es nicht, doch der Weg ist abgesteckt. Castellon hat Matthews in der Langlebigkeitstabelle des Radsports weiter nach oben geschoben, und jede zusätzliche Saison, in der er einen Weg zum Sieg findet, wird diese Verfolgung weiter schärfen.