Netcompany INEOS peilt die Rückkehr an die Spitze des Sports an. Nicht nur ein Platz unter den starken WorldTour-Teams, sondern der Tour-de-France-siegende, das Peloton anführende Status, der die frühere Sky-Maschine einst zum Referenzpunkt im Grand-Tour-Rennsport machte.
Geraint Thomas schwärmt von Vingegaard als möglichem INEOS-Leader
Ein Wiederaufbau in dieser Größenordnung braucht mehr als Struktur, Budget und Ambition. Er braucht einen Superstar als Anführer. Mit Tadej Pogacar fest bei UAE Team Emirates - XRG und Remco Evenepoel nun bei Red Bull - BORA - hansgrohe gebunden, richtet sich der Blick folgerichtig auf die nächsten Namen, die ein Grand-Tour-Projekt neu formen könnten:
Jonas Vingegaard und
Paul Seixas.
Geraint Thomas kennt dieses Niveau von innen. Er gewann 2018 die
Tour de France mit derselben Teamstruktur und ist heute Teil des sportlichen Managements bei Netcompany INEOS.
Im Gespräch mit der Gazzetta dello Sport wurde er direkt auf die
dänische Verbindung zwischen Netcompany und Vingegaard angesprochen.
„Jonas fährt für Visma, über ihn persönlich kann ich nicht sprechen“, sagte Thomas. „Aber wer würde ihn nicht in seinem Team haben wollen? Er ist ein fantastischer Athlet. Soweit ich weiß, hat er jedoch einen Vertrag bis 2028, also…“
Vingegaard bleibt der Traumname des Marktes
Vingegaard zu Netcompany INEOS ist weiterhin ein Gerücht, das eher von Logik als von bestätigten Bewegungen lebt. Der dänische Einstieg von Netcompany machte die Verbindung unvermeidlich, während Vingegaard der größte dänische Fahrer im Sport ist und einer der wenigen bewährten Tour-Sieger, die die Richtung eines Teams sofort verändern können.
Das Hindernis ist offensichtlich. Vingegaard steht bei Team Visma | Lease a Bike bis Ende 2028 unter Vertrag und hat bereits bestritten, mit INEOS oder Netcompany gesprochen zu haben.
Thomas stellte sich nicht gegen diese Realität. Er verwies direkt darauf. Zugleich weitete er die Antwort über einen Fahrer hinaus und machte klar, dass Netcompany INEOS den Markt mit Blick auf langfristige Grand-Tour-Stärke sondiert. „Generell versuchen wir auf dem Markt, uns zu verstärken und stetig zu verbessern“, sagte er. „Auch indem wir den Fokus auf junge Fahrer legen, die Grand Tours gewinnen können.“
Dieser Satz ist wichtig für die nächste Phase der Geschichte. Vingegaard ist der bereits gemachte Superstar. Schwerer ist die Suche nach dem Fahrer, der das Projekt in seine nächste Ära führen kann.
Jonas Vingegaard posiert neben der Giro d'Italia-Trophäe
Seixas rückt die Zukunft in den Fokus
Hier kommen die Gerüchte um Paul Seixas ins Spiel, die die Diskussion vom etablierten Superstar zum Eckpfeiler der nächsten Generation verschieben. Der Teenager des Decathlon CMA CGM Team steht noch bis Ende 2027 unter Vertrag, doch sein Aufstieg hat ihn bereits zu einem der meistbeobachteten Fahrer auf dem Markt gemacht. UAE Team Emirates - XRG wird stark mit ihm in Verbindung gebracht, ebenso wie Visma, Red Bull - BORA - hansgrohe und Netcompany INEOS, die alle Teil der breiteren Transferdebatte um seine Zukunft sind.
Auf die Frage, ob INEOS im Rennen um Seixas sei, blieb Thomas offen. „Im Moment ist er bei Decathlon, aber solche Gerüchte kursieren immer“, sagte Thomas. „Ich hoffe, er hat nicht schon bei UAE unterschrieben! Sie sind ein Team, das enorm viel gewinnt, sie sind wirklich stark, daher ist es verständlich, dass der Fahrer interessiert wäre, aber… wer weiß. Könnte er eines Tages für uns fahren? Sag niemals nie.“
Diese Antwort ist vorsichtig genug, um Spekulationen nicht zu Gewissheiten zu machen, zeigt aber auch das Niveau, auf das Netcompany INEOS wieder zurückwill. Seixas ist kein Gerücht für eine Helferrolle. Er gehört zu den Namen, die als künftige Grand-Tour-Kapitäne diskutiert werden, genau das Profil, das Thomas gerade beschrieben hatte.
UAE-Schatten verschärft den Kampf um Seixas
Thomas’ UAE-Aussage trifft einen der zentralen Spannungsfelder rund um Seixas. UAE verfügt bereits über Pogacar, Isaac del Toro, Juan Ayuso, Joao Almeida und eine tiefe Etappenrenn-Struktur. Seixas hinzuzufügen würde das stärkste Projekt im Sport weiter aufrüsten und gleichzeitig einen der klarsten künftigen Grand-Tour-Leader vom offenen Markt nehmen.
Für Decathlon hieße ein Verbleib, das Herz eines französischen Grand-Tour-Projekts zu schützen. Für Netcompany INEOS würde ein Fahrer dieses Profils in einen Neuaufbau passen, der sich nicht allein auf Historie und Infrastruktur stützen kann.
Thomas behauptete nicht, dass etwas im Gange sei. Seine Antwort war vorsichtig, ja spielerisch. Doch die Namen sprechen für sich. Vingegaard ist der Traum, falls sich der Markt je öffnet. Seixas ist das Zukunftsschlachtfeld, das bereits Gestalt annimmt.
INEOS sucht nach einer neuen Grand-Tour-Säule
Thomas ordnete die Transferdebatte zudem in einen größeren Team-Reset ein. „Es ist Teil unseres Plans, an die Spitze zurückzukehren, wieder absoluter Referenzpunkt zu sein“, sagte er mit Blick auf den Einstieg von Netcompany. „Wir sind gut gestartet, dieses Jahr hat in einem anderen Gang begonnen, aber… das darf erst der Anfang sein.“
Das ist der deutlichste Hinweis darauf, wie hoch das Team zielt. Die vorige Ära basierte auf Grand-Tour-Kapitänen, die kollektive Stärke in Gelbe Trikots ummünzen konnten. Bradley Wiggins, Chris Froome, Thomas und Egan Bernal trugen dieses Modell zu unterschiedlichen Zeiten. Netcompany INEOS braucht nun eine neue Version davon.
Vingegaard hat den Status, aber nicht die Verfügbarkeit. Seixas hat das Potenzial, steht jedoch im Zentrum eines dichten Transferkampfs. Pogacar und Evenepoel sind vorerst außer Reichweite.
Thomas’ Antworten machten aus Gerüchten keine Fakten. Sie zeigten aber das Niveau, auf dem Netcompany INEOS wieder agieren will. Das Team wird nicht mit Ergänzungsteilen in Verbindung gebracht. Es geht um Fahrer, die die nächste Phase des Grand-Tour-Radsports prägen könnten.