„Was bedeutet das für Jonas Vingegaard? Nicht allzu viel“ – Dänischer Experte sagt, der Giro-Favorit sei schon vor den Ausfällen von Almeida, Landa und Carapaz auf Dominanzkurs gewesen

Radsport
Montag, 27 April 2026 um 19:30
Jonas Vingegaard and Joao Almeida
Die späten Absagen mehrerer Topfavoriten haben die Erzählung rund um den Giro d’Italia 2026 verschoben, jedoch laut einer dänischen Stimme nicht die Identität seines wahrscheinlichen Siegers.
Jesper Worre ist überzeugt, dass die Ausfälle von Joao Almeida, Mikel Landa und die zunehmende Ungewissheit um Richard Carapaz zwar Tiefe aus dem Gesamtklassement nehmen, am großen Bild an der Spitze aber wenig ändern. „Es ist schade, denn das sind große Namen, die dem Giro d’Italia fehlen. Almeida war faktisch als Vingegaards größter Rivale ausgemacht, aber nicht, wenn er nicht in Bestform ist“, sagte Worre in einer Analyse bei Eurosport.dk.

Vingegaard bleibt der Maßstab

Trotz dieser Einordnung ist Worres Kernaussage eindeutig. Die Absagen verändern die Erwartungen an Jonas Vingegaard vor dem Start nicht wesentlich. „Und was bedeutet das für Vingegaards Giro d’Italia? Nicht allzu viel, denn Visma bleibt auf das Ziel fokussiert, dass er das Rennen gewinnt und der achte Fahrer der Geschichte wird, der alle drei Grand Tours gewinnt.“
Anstatt das Rennen neu zu rahmen, bestätigen die Entwicklungen vielmehr die bestehende Hierarchie. Die Erwartung innerhalb von Team Visma | Lease a Bike bleibt unverändert: Der dänische Kapitän peilt den Gesamtsieg an und damit den Platz unter jenem kleinen Kreis von Fahrern, die den Grand-Tour-Satz komplettiert haben.

Trotz Rückschlägen bleibt das Feld stark

Worre betont zudem, dass dem Giro trotz des Ausfalls mehrerer großer Namen keineswegs die Qualität fehlt. „Wenn man auf die verbliebenen Starter schaut, ist es immer noch ein sehr, sehr starkes Feld, das Vingegaard schlagen muss. Da ist ein Giulio Pellizzari, der gut aussieht, und ein Egan Bernal, der aus der Tour of the Alps kommt und stark bei Lüttich–Bastogne–Lüttich gefahren ist“, erklärt er. „Aber Vingegaard ist ein riesiger Favorit. Daran führt kein Weg vorbei.“
Diese Balance ist entscheidend. Das Rennen hat einige der offensichtlichsten Herausforderer verloren, ist aber keine Formsache. Vielmehr bleibt der Favorit klar, während die Verantwortung, drei Wochen lang zu kontrollieren und abzuliefern, unvermindert groß ist.
Jonas Vingegaard während der 5. Etappe der Katalonien-Rundfahrt 2026
Jonas Vingegaard während der 5. Etappe der 2026 Volta a Catalunya

Auf der Jagd nach einem Pogacar-ähnlichen Giro

Worre blickte auch über die Frage hinaus, ob Vingegaard gewinnen kann, und wandte sich der Art und Weise zu, wie er gewinnen könnte. Dabei bezog er sich auf die dominante Blaupause von Tadej Pogacar aus dem Jahr 2024.
„Ich würde liebend gern sehen, dass Vingegaard das tut, was Pogacar vor zwei Jahren gemacht hat“, sagt Worre. „Dass er seine Etappen gewinnt und im Gesamtklassement vorne bleibt. Wenn er mit zehn Minuten Vorsprung gewinnen und unterwegs mehrere Etappen holen würde, fände ich das absolut fantastisch.“
Das ist eine ambitionierte Messlatte, spiegelt aber das Niveau wider, auf dem Vingegaard inzwischen bewertet wird. Allein der Erfolg zählt nicht mehr nur; auch die Art dieses Erfolgs steht im Fokus.

Ein anderer Druck

Auch wenn sich die Debatte um den Giro in den vergangenen Tagen verschoben hat, legt Worres Perspektive nahe, dass der Druck auf Vingegaard dadurch nicht kleiner geworden ist. Eher ist er präziser geworden.
Mit weniger etablierten Rivalen an der Startlinie geht es nicht nur darum zu gewinnen, sondern auch den ohnehin bestehenden Status zu bestätigen. Die Ausfälle von Almeida, Landa und die Unsicherheit um Carapaz haben die Tiefe des Feldes verändert, nicht jedoch die zentrale Frage.
Nach Worres Einschätzung war diese Frage bereits beantwortet, bevor diese Entwicklungen eintraten.
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