„Vor zehn Jahren waren es 70 Prozent Arbeit und 30 Prozent Spaß. Jetzt sind es 100 Prozent Arbeit“ – Der scheidende Damiano Caruso fällt ein schonungsloses Urteil über den modernen Radsport

Radsport
Montag, 16 März 2026 um 15:30
Damiano Caruso
Auf der Zielgeraden einer fast zwei Jahrzehnte langen Karriere im Profi-Peloton sieht Damiano Caruso den Radsport tiefgreifend verändert.
Der Italiener, der zum Saisonende aufhört, sprach bei Paris–Nizza über die Transformation, die er erlebt hat. Das Rennen ist schneller geworden, die Vorbereitung präziser, und die Erfolgsfenster sind so klein wie nie.
Für Caruso ist der größte Wandel jedoch, wie sehr der Sport inzwischen das gesamte Leben eines Fahrers beansprucht. „Vor zehn Jahren waren es 70 Prozent Arbeit und 30 Prozent Spaß. Heute sind es 100 Prozent Arbeit. Es ist nur noch Arbeit. Ich finde keine spielerischen Elemente mehr“, sagte Caruso laut TV2.
Im Verlauf seiner Laufbahn ist der Radsport tiefer in die Ära strukturierter Trainingspläne, Höhentrainingslager und permanenter Leistungsüberwachung eingetreten. Die Zugewinne an Tempo und Konstanz im Peloton sind sichtbar, doch mit ihnen sind auch die Anforderungen an die Fahrer gestiegen.
Caruso räumt ein, dass es mit der Zeit schwerer wird, in diesem Umfeld die gleiche Motivation zu halten. „Wenn du es noch willst und deine Arbeit noch genießt, kannst du weitermachen. Es wird jedes Jahr härter, aber ich weiß nicht, ob man ein Ausbrennen irgendwann vermeiden kann. Das ist schwer zu beantworten.“

Eine neue Generation unter demselben Druck

Während Caruso zurückblickt, wie sich der Sport entwickelt hat, bewegen sich jüngere WorldTour-Fahrer bereits in genau diesen Erwartungshorizonten.
Dazu zählt Oscar Chamberlain vom Decathlon CMA CGM Team, der Anfang des Jahres 21 wurde und seine Laufbahn auf höchstem Niveau aufbaut. „Das ist definitiv ein Thema, und man sieht es in der WorldTour. Die Fahrer, die nachrücken, werden immer jünger, und ich denke, Karrieren enden immer früher“, sagte Chamberlain.
Der Australier betont, dass der Umgang mit diesem Druck entscheidend für die Langlebigkeit junger Profis im Peloton ist. „Es ist wichtig, dass junge Fahrer sich Zeit lassen und nichts überstürzen, denn wir sind noch jung und wir haben viel Zeit.“
Gemeinsam zeigen die Perspektiven eines der erfahrensten Profis und eines der jüngsten, wie sich die Landschaft des Profi-Radsports weiter wandelt – und wie Fahrer über Generationen lernen, sich den Anforderungen des modernen Sports anzupassen.
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