Der moderne Radsport lebt von der Perfektion der Details - und kaum ein Fahrer im Peloton verkörpert diesen Ansatz so konsequent wie
Victor Campenaerts. Seit seinem Wechsel zu Team
Visma - Lease a Bike im Jahr 2025 hat sich der Belgier spürbar gesteigert und fügt sich perfekt in die strukturierten Programme der Mannschaft ein. Mehr noch: Er entwickelt eigene Routinen, die Wirkung zeigen - inklusive einer festen Schlafenszeit um 20:00 Uhr.
Der 34-Jährige startete seine Saison bei der Vuelta a Andalucia. Dort fuhr er offensiv, blieb jedoch ohne zählbares Resultat. Bei Paris - Nizza arbeitete er erneut eng mit Jonas Vingegaard zusammen und absolvierte eine starke Rennwoche. Zwar verpasste er auf der vierten Etappe die entscheidende Windkante, doch Vingegaard überzeugte an der Spitze. Campenaerts agierte einmal mehr als Straßenkapitän des Dänen, und besonders an den Anstiegen präsentierte er sich auf sehr hohem Niveau.
Campenaerts überzeugt als Schlüsselhelfer von Jonas Vingegaard
„Abgesehen vom Mannschaftszeitfahren hatten wir hier eine großartige Strecke. In der Schlussetappe hatten wir alles gut unter Kontrolle“, sagte Campenaerts gegenüber
Sporza. „Wir haben die Mannschaft optimal eingesetzt. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man merkt, dass die Konkurrenz erkennt, dass sie nichts dagegen ausrichten kann.“
Am Schlusstag kontrollierte Team Visma - Lease a Bike das Rennen, um Vingegaard eine weitere Etappenchance zu ermöglichen, und Campenaerts kletterte so stark wie erwartet. Nach der Vorarbeit von Bruno Armirail reduzierte der kurze Antritt des 34-Jährigen am Anstieg zur Côte de Linguador die Spitzengruppe auf nur noch Vingegaard und Lenny Martinez. Später sprintete er auf Rang 13 der Etappe und belegte am Ende Platz 17 der Gesamtwertung.
Campenaerts passt hervorragend in die Struktur des niederländischen Teams und gilt aktuell als einer der wichtigsten Helfer von Jonas Vingegaard. Mit Giro d’Italia und Tour de France im Rennkalender wird er eine zentrale Rolle in Vismas Saisonplanung spielen. Dennoch hofft der Belgier, sein Leistungsniveau für die Grand Tours weiter zu steigern, denn spezielle Höhenblöcke hat er bislang noch nicht absolviert.
„Ich bin sehr zufrieden mit meiner Form. Und ich hoffe, dass vier Wochen Höhentraining vor dem Giro noch etwas draufpacken. Aber der Realist in mir sagt, ich sollte auch zufrieden sein, wenn ich mein aktuelles Level halten kann“, erklärt er. „Damit wären das Team und Jonas ebenfalls glücklich.“
Schlaf um 20:00 Uhr und Vorbereitung auf die Höhe
Die starken Leistungen in Frankreich - obwohl er bislang noch kein Höhentraining absolviert hat - könnten bereits das Ergebnis eines weiteren Schritts in seiner Leistungsoptimierung sein. Wie viele Profis lebt Campenaerts im Winter inzwischen in Spanien, um von besseren Trainingsbedingungen zu profitieren. Dort hat er auch einen ungewöhnlich strikten Schlafrhythmus eingeführt.
„Vielleicht war ich in dieser Phase noch nicht auf dem Peak, aber ich habe sehr, sehr hart gearbeitet. Seit dem 01.11. bin ich mit meiner Familie in Spanien; keinen einzigen Tag in Belgien. Wir gehen jeden Tag um 20:00 Uhr ins Bett. Meine Freundin macht einfach mit. Gute Selbstfürsorge zahlt sich früher oder später immer aus“, ergänzt er.
Sein nächster Renneinsatz folgt erst wieder mit der Reise nach Bulgarien zur Grande Partenza. Bis dahin schließt sich Campenaerts dem Giro-Block im Höhentraining an, um gezielt an seiner Topform zu arbeiten.
„Ich fahre jetzt zurück nach Spanien und bin dort noch zwei Wochen mit meiner Familie. Danach geht es mit dem Auto weiter nach Font-Romeu zur Höhenakklimatisierung. Von dort fliege ich nach Mount Teide, wo wir drei Wochen mit dem Team trainieren. In Summe also vier Wochen in der Höhe. Normalerweise bedeutet das, dass die Form stimmt“, sagt er abschließend.